Eklat beim Spiel Bosna i Hercegovina gegen Aschau

Nächster Spielabbruch! Wieder in der A-Klasse 2!

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Der Schiedsrichter schnappte sich den Ball und musste die Partie zwischen FC Bosna i Hercegovina Rosenheim und WSV Aschau abbrechen - und das bereits in der Nachspielzeit.
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Rosenheim/Aschau - Erneuter Spielabbruch in der A-Klasse 2! Erneut jede Menge Aufregung. Nur kurze Zeit nach dem Skandalspiel zwischen Prutting und Türkspor hat die Liga ihren nächsten Eklat. Auch das Match zwischen dem Vierten FC Bosna i Hercegovina Rosenheim und dem Sechsten WSV Aschau im Chiemgau ging nicht regulär über die Bühne. Die Partie auf der Anlage an der Rosenheimer Hochgernstraße musste vom Schiedsrichter abgebrochen werden – und das obwohl sie eigentlich schon vorbei und gelaufen war.

UPDATE: Spielabbrüche - "Da passt was nimmer!"

Die Diskussionen in der lokalen Fußballgemeinde ebben nicht ab, die Gerüchteküche brodelt munter weiter. Das Thema erhitzt die Gemüter. Was hat der Schiedsrichter zu Protokoll gegeben? Wie sieht der Verband die Causa? Wir sind für Euch am Ball geblieben – und versuchen Licht ins Dunkel zu bringen.

Wir sprachen deshalb mit dem BFV-Kreisvorsitzenden des Spielkreises Inn/Salzach.

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Erstmeldung vom Sonntag, dem 29. Oktober:

Bereits vor zwei Wochen war die A-Klasse 2 in aller Munde und hatte traurige und am Ende gar überregionale Berühmtheit erlangt. Grund war das ebenfalls abgebrochene Skandalspiel zwischen dem SV Prutting und Türk Spor Rosenheim inklusive Fausthieben, Tritten und Wurfgeschossen. Immerhin ging es diesmal ohne eine Massenkeilerei und ohne Verletzte ab. Doch: Bereits in der Nachspielzeit angelangt, verließen die Aschauer Kicker beim Stand von 5:1 für den Club der Rosenheimer Bosnier aus Protest geschlossen das Feld. Hintergrund sollen vorangegangene üble Beleidigungen und schlimme Drohungen („Ich weiß wo Du wohnst!“, „Ich stech Dich ab!“) gegen die Gäste gewesen sein.

Aschauer Spieler fühlen sich bedroht und verlassen das Feld

Dem widerspricht der Trainer des FC Bosna Ömer Kaya aufs Entschiedenste: „Das ist eigentlich eine Farce. So ein überflüssiges Fass aufzumachen. Ein Wahnsinn. Hier ist eigentlich überhaupt nichts passiert – es gab keinerlei Grund dieses Spiel abzubrechen. Ich meine – da lief doch schon die 92. Minute. Es stand klar 5:1 für uns. Und da war wirklich nichts – das war zuvor ein ganz ruhiges, bis auf ein paar handelsübliche Foulspiele hüben wie drüben, absolut faires Fußballspiel. Ohne irgendwelche Geschichten.“

Zumindest ein Blick auf die reine Statistik unterstützt diese Version: Denn in der gesamten Partie musste Schiedsrichter Richard Gottwald nur drei gelbe Karten zücken – zwei davon in den Schlussminuten, in der ersten Halbzeit sogar gar keine. Verwarnt wurden gegen Ende des Spiels zwei Spieler der Rosenheimer und etwa zwanzig Minuten zuvor ein Akteur der Aschauer. Die Bilanz eines Brutalo-Spiels liest sich normalerweise anders.

Service:

Das Match selbst war zum Zeitpunkt des Abbruchs längst entschieden – zu Gunsten der klar überlegenen Hausherren. Nach je einem schnellen Treffer für beide Teams zu Beginn des Spiels durch Shedrack Aghimien (2.) und Raphael Zanier (8.) machten die Bosnier nach gut einer halben Stunde ernst – und durch weitere Treffer von Haris Rizvanovic (27.), Mirza Merdic (37.), Silvio Havic (58.) und Enver Ljoki (73.) eigentlich alles klar.

"Das ist mega unsportlich!"

Wäre da nicht der ultra-späte Abbruch der Begegnung gewesen. So landet der Fall vor dem Sportgericht des BFV. Und sorgt derweilen für böses Blut: „Das ist doch verrückt. Das Spiel war vorbei – wir hatten klar gewonnen. Das bestätigen die ja sogar – ihr Trainer sagt das ganz genauso. Und dann gehen die einfach, spielen nicht mehr zu Ende, sorgen für diesen Abbruch. Das ist einfach mega unsportlich – und wird vom Verband hoffentlich geahndet!“, ärgert sich Bosna-Coach Kaya.

Die angeblichen Beleidigungen einiger seiner Kicker will er nicht wahrgenommen haben: „Ich habe jetzt mein Ohr auch nicht auf dem Spielfeld und gesagt wird sicher immer mal was auf dem Fußballplatz. Aber derart, dass es für größere Aufregung gesorgt hätte und als Rudelbildungen oder lautstarke Wortgefechte vernehmbar gewesen wäre, war da nichts. Der Witz ist ja – als die gegangen sind und einfach aufgehört haben, habe ich ja mit deren Trainer und Leuten geredet und nach dem Grund gefragt. Die haben immer nur was von Beleidigungen und 'Spieler haben sich bedroht gefühlt' geredet – aber mir nicht mal sagen können, wer von meinen Spielern denn was gemacht haben soll.“

Um wen und was ging es - Aussage gegen Aussage

Dem hält der Trainer des WSV Aschau Nico Altmann entgegen: „Das ist so einfach nicht richtig. Ja, ich und wir wurden von meinem Kollegen und Vertretern seines Vereins gefragt, um welche Spieler es sich konkret gehandelt hat. Und das haben wir denen auch gesagt. Mehrfach. Dass sie davon jetzt nichts wissen wollen, ist merkwürdig. Die Spieler sind jedenfalls bekannt – aber da will ich gar nicht mehr viel dazu sagen. Das geht jetzt alles in unserer Meldung an den Verband – dem will ich gar nicht vorgreifen.“

Die Beleidigungen habe es so auch in diesem drastischen Wortlaut, in welchem von Abstechen und mehr die Rede gewesen sein soll, definitiv gegeben, sagt der Aschauer. Er ärgert sich darüber, dass dies von Seiten des FC Bosna bestritten wird: „Ich habe das nicht selbst gehört – aber von einigen meiner Spieler während der Partie mehrmals so berichtet bekommen. Und denen schenke ich natürlich glauben. Warum sollten meine Jungs so etwas erfinden? Die wussten, dass es zutreffend war, dass ihr Wohnort den Gegenspielern bekannt war. Und bekamen dann erzählt, dass sie dort aufgesucht würden und ein Messer reingerammt bekämen. Da frage ich mich einfach, was soll so was? Was hat sowas auf einem Fußballplatz verloren? Das geht einfach nicht. Auch wenn es nur Einzelne waren.“

"Ich habe eine Sorgfaltspflicht gegenüber meinen Spielern!"

Seine Entscheidung, gemeinsam mit seiner Mannschaft noch vor der regulären Beendigung der Partie den Platz zu verlassen, begründet Altmann wie folgt: „Ich habe ganz einfach auch eine Sorgfaltspflicht gegenüber meinen Spielern. Die musste ich ganz einfach schützen. Auch wenn man dem konkreten Inhalt der Drohungen vielleicht nur bedingt Glauben schenkt – wo führt das denn hin, wenn über weite Strecken eines Spiels immer wieder solche brutalen Drohungen ausgesprochen werden. Manche meiner Kicker haben sich ja überhaupt nicht mehr getraut, in Zweikämpfe zu gehen, so brutal aggressiv wie ihre Gegner in ihrem Auftreten waren – dann brauchen wir nicht mehr Fußball zu spielen!“

Der Übungsleiter der Rosenheimer hingegen sagt: „Schon weit vorher im Spiel haben Spieler der Aschauer meine Jungs immer wieder provoziert und Dinge gesagt, wie dass es mit 'Teams wie uns' jetzt eh bald ein Ende hat, dass sie bald nicht mehr gegen solche wie uns antreten müssen und dass sich das ohnehin demnächst erledigt, weil der Verband Vereine wie unseren, den es gar nicht geben dürfte, aus dem Spielbetrieb schmeißen wird. Und dass sie hoffen, dass das bald passiert. Dass wir 'nach Hause' gehen können, wo wir hingehören und so weiter. Das ist für mich rassistisch – und das ist in Verbindung mit der Verweigerung ein Spiel, welches man klar verloren hat, gegen uns zu Ende zu bringen auch menschlich unterste Schublade!“

Umstrittene Aktion des WSV Aschau

Altmann sieht das anders: „Ob solche Aussagen von Spielern meiner Mannschaft vorher oder als Reaktion gefallen sind, kann ich weder bestätigen noch widerlegen. Das habe ich von außen nicht mitbekommen. Die anderen Sachen schon – weil eben Spieler zu mir raus gekommen sind und sich beschwert haben. Und mal ehrlich – solche extremen Drohungen gegen Leib und Leben sind im Zweifel wohl doch eine andere Hausnummer. Ich habe dann meinen Kapitän zum Schiedsrichter geschickt und diesem ausrichten lassen, er solle das bitte unterbinden oder wir würden nicht weiterspielen.“

„Er hat sich dann leider nicht wirklich darum gekümmert. Wir haben dann noch versucht abzuwarten und zu schauen, wie sich das entwickelt – aber als es dann nach einem normalen Foulspiel unsererseits im Mittelfeld erneut zu besagten drastischen Drohungen kam, war Schluss. Das wollten wir nicht mehr länger mitmachen – darum sind wir gegangen. Da ging es dann auch ums Prinzip. Und darum ein Zeichen zusetzen. Wenn keiner etwas gegen ein solches Verhalten unternimmt – so muss sich wenigstens der Verband damit befassen.“, erklärt der Trainer der Aschauer den späten Zeitpunkt des Eklats.

"Wohin jetzt alle mit dem Finger zeigen ist klar!"

Sein Gegenüber Kaya zieht ein ernüchtertes Fazit: „Eins ist doch auch klar. Da brauchen wir nicht drumherum zu reden. Wenn die Leute jetzt – vor allem so kurz nach den Vorfällen in Prutting – vom nächsten Spielabbruch hören und bei den Namen der Beteiligten Teams FC Bosna i Hercegovina lesen, dann ist doch eh schon wieder klar wohin die Finger weisen. Dann geht es wieder los: Das sind alles die - wie Türk Spor, wie Illiria, wie XY. Die ganzen 'Ausländervereine' – immer das gleiche mit denen. Dabei war das hier alles im Rahmen – und wir haben als besseres Team einfach nur sportlich fair gewonnen.“

„Ich glaube, das ist jetzt Kalkül von einigen anderen Vereinen in der Liga und im Spielkreis oder zumindest manchen von deren Spielern. Von den Boykott-Gerüchten einer handvoll Vereine, die jetzt mobil machen wollen, hat ja jeder gehört und gelesen. Die wollen jetzt gezielt 'gegen uns, die wir eh alle dieselben sind' vorgehen und fahren da eine ganz fiese Kampagne. Da muss man sich nur mal anschauen, was in Internetforen oder den Sozialen Medien nach den Vorfällen zwischen Prutting und Türk Spor abgelassen wurde. Dann wird einem einiges klar.“, echauffiert sich der Trainer, der selber einen türkischen Hintergrund mitbringt.

"Da steckt System dahinter! Die wollen uns in ein Eck stellen und los werden!"

Kaya vermutet, dass mehr dahinter steckt: „Das ist eine ganz üble Masche – mit der gezielt Stimmung gegen Vereine mit migrantischem beziehungsweise spezifisch ethnischem Hintergrund gemacht werden soll. Die wollen uns in ein Eck stellen und los werden! Dass bei so einem Spielabbruch wir als die Deppen dastehen, ist denen auch klar – und keinem anderen Zweck sollte dieser von den Aschauern aus heiterem Himmel heraus provozierte Spielabbruch dienen. Und das ist, gelinde gesagt, eine Sauerei!“

Gedankenspiele, welche der Trainer der Aschauer weit von sich weist: „Für solche Verschwörungstheorien habe ich überhaupt kein Verständnis. Ich weiß wie gesagt nicht, was irgendein Spieler diesbezüglich gesagt haben mag – aber ich kann nur für mich und meinen Verein sagen: Wenn wir nicht gegen Teams mit einem migrantischen oder bestimmten nationalen Hintergrund spielen wollten, dann wären wir doch gar nicht erst hingefahren und angetreten. Das ist doch Quatsch. Darum geht es nicht – es geht darum, dass solche Drohungen absolut inakzeptabel sind. Und darüber sollten wir uns unter Sportleuten eigentlich alle einig sein. Ich meine, es geht hier um A-Klassen-Fußball – das ist doch traurig.“

"Es geht nicht um Mannschaft oder Verein - sondern um Einzelne!"

Etwas ist Altmann jedoch ganz wichtig zu betonen: „Es ging hier ganz konkret um zwei, drei Spieler. Wie die sich verhalten haben – das geht gar nicht. Ich kann niemandem damit drohen, dass ich ihn absteche. Weder auf dem Fußballplatz noch sonst wo. Es ging nicht um die ganze Mannschaft, den Verein oder die Offiziellen vom FC Bosna i Hercegovina – und auch nicht um irgendwelche Zuschauer rund um den Platz. Die haben sich alle absolut korrekt verhalten – mit denen konnte man sich auch nach dem abgebrochenen Spiel ganz normal unterhalten. Da gibt es überhaupt nichts Schlechtes drüber zu sagen.“

Dennoch findet der Trainer des WSV: „Aber man kann so etwas eben auch nicht decken. Da geht es darum, dass alle Vereine etwas unternehmen, wenn sie Spieler im Kader haben, die so unterwegs sind. Und nicht wegschauen – und das kleinreden. Genau das wollten wir nicht mehr mitmachen!“

Nächste traurige Episode in der A-Klasse 2

Wieder steht also Aussage gegen Aussage. Wieder bleibt es zunächst unklar, was genau passiert ist. Klar ist nur, dass die A-Klasse 2 um eine weitere triste Episode reicher ist. Denn jedes abgebrochene Spiel unter den Hobbyfußballern ist wohl eines zu viel. Vielleicht die einzige Gewissheit, auf welche sich die Beteiligten auf die Schnelle einigen können.

Diesmal wurde nicht geschubst, geprügelt und getreten - und es gab auch keine Videomitschnitte von wüsten Szenen. Aber ein neuerlicher Eklat war es allemal – und wieder kein Ruhmesblatt für den Amateurfußball und den Spielkreis. Es steht zu befürchten, dass uns das grundsätzliche Thema des Gegeneinanders - gerade in der aufgeheizten Atmosphäre nach den Ereignissen von Prutting - erhalten bleiben wird.

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