TSV 1865 stürmt Festung Traunstein

1:6 gegen Dachau! Heimdebakel für SB Chiemgau!

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Ein Treffer von Stefan Mauerkirchner(r.) reichte bei Weitem nicht - gegen den TSV 1865 Dachau setzte es für den SB Chiemgau Traunstein eine historische Heimpleite.
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Traunstein – Manch einer in und um Traunstein wird sich wohl immer noch fragen, wie diese Resultat am Freitagabend zustande gekommen ist. Auf eigenem Feld, vor stattlicher Kulisse, verliert der SB Chiemgau Traunstein sang- und klanglos gegen den wiedererstarkten TSV 1865 Dachau. Die Gäste schleiften die Festung Jakob-Schaumaier-Sportpark bis auf die Grundfesten – und veranstalteten ein Schützenfest in der Fremde. Angesichts der gewohnten Stabilität der Hausherren in der Defensive schon eine dicke Überraschung. Doch für die Traunsteiner ging es schon nicht gut los – und auch nicht besser weiter.

Das mit dem "Durchstarten" nach der unglücklichen Schlappe in Ismaning ging für den SB Chiemgau gehörig nach hinten los: Schon nach einer Viertelstunde gingen die Gäste aus dem Münchner Umland in Führung: Das Tor resultierte aus einem veritablen Chaos im und um den Strafraum der Hausherren. Nach gefühlt zehn Abschlussversuchen, die immer wieder scheiterten, zurückkamen und noch einmal geblockt wurden, war der finale Schuss dann drin. Ein Treffer der zustande kam, wie auf dem Bolzplatz – Franz Hübl war für Dachau erfolgreich.

Frühe Führung für angeschlagene Gäste

Großer Jubel natürlich über diesen frühen Vorsprung bei den Gästen, die alles andere als gut in die Saison gestartet waren. Mit einem mickrigen Auswärtssieg (4:1 beim Aufsteiger TSV Kornburg) und drei ernüchternden Niederlagen (0:1 gegen Schwaben Augsburg, 0:3 in Pullach und 1:2 gegen Wolfrathshausen) kam man einiges mehr als beschwerlich aus den Startblöcken. Das sollte sich nun anscheinen schleunigst ändern – und die 65er waren auf einem guten Weg dazu.

SBC-Coach Jochen Reil hatte noch so eindringlich vor ihnen gewarnt. Nicht nur – aber gerade auch - weil dieses Team nicht gut aus den Startlöchern gekommen war, extreme Anlaufschwierigkeiten in dieser Bayernliga-Saison hatte. „Eine ganz gefährliche Mannschaft“ sei das - gab er zu Bedenken. Die – ganz wie ein angeschlagener Boxer - gerade jetzt ein besonders unangenehmer Gegner sein könnte. Denn die Dachauer waren in der vergangenen Saison oben mit dabei, wurden am Ende Fünfter. Sie haben also ganz andere Ambitionen – und einen guten Kader eigentlich auch.

Dachau nutzt Schockmoment zum Doppelschlag!

Das machte sich auch im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit im mit 750 Zuschauern erneut bestens gefüllten Jakob-Schaumaier-Sportpark zu Traunstein bemerkbar. Denn die Akteure des TSV 1865 Dachau nutzten die Phase, in der sich die Chiemgauer noch geschockt von diesem skurrilen Gegentreffer zeigten, ohne Gnade zu einem Doppelschlag: Stürmer Christian Lippert war es, der nach einer Flanke von links zum 0:2 einschob (18.).

Service:

Nach etwas mehr als einer halben Stunde folgte dann in der umkämpften Partie ein Schockmoment der anderen Art – für beide Teams: Traunsteins Sebastian Mayer und und Dachaus Alexander Buch waren übel mit den Köpfen zusammengerasselt, gingen beide mit blutendem Schädel zu Boden (31.). Kurze Zeit später standen sie zwar glücklicherweise wieder – mussten aber dennoch beide ausgetauscht werden (33.). Eine harte Szene.

Mayer und Buch müssen raus - herrlicher Treffer zum 0:3

Die nächste war dafür wieder aus der Kategorie „Wunderschön“ - toller Fußball. Allerdings schon wieder auf Seiten der starken – und vor allem sehr effizienten Gäste. Ein herrlicher Schnittstellen durch das Zentrum kam perfekt für Dachaus Angreifer Fabian Negele – und der vollendete zum 0:3 (39.).

Und als hätte es die verdutzten Kicker des SB Chiemgau, die normalerweise hinten so sattelfest sind und kaum etwas zulassen – schon gar nicht haufenweise Gegentore in einer Halbzeit – nicht schon genug erwischt und gebeutelt, musste SBC-Keeper Pascal Legat noch vor der Pause ein viertes Mal hinter sich greifen: Der TSV 1865 kannte in seinem Torhunger kein Erbarmen. Ein furioser Auswärtsauftritt nach diesem miesen Saisonstart. Einen Freistoß der Gäste aus Nähe der Eckfahne köpfte deren Spielertrainer Fabian Lamotte, der früher für Schalke 04, 1860 München und Sturm Graz aktiv war, höchstselbst zum 0:4 ins Tor (42.).

0:4 zur Halbzeit - verkehrte Welt im Jakob-Schaumaier-Sportpark

Zum Glück für die Traunsteiner wurde dann erst einmal abgepfiffen. Zeit sich zu sammeln – und möglicherweise verbessert aus der Kabine zurück zu kommen. Obwohl man hier bereits jetzt eigentlich aussichtslos zurücklag. 0:4 zur Pause, auf eigenem Platz – das saß.

Lange Gesichter gab es gegen die Dachauer im Jakob-Schaumaier-Sportpark nicht nur auf und vor der Trainerbank zu sehen.

Und in der Tat: Reil hatte wohl Worte gefunden, die sein Team nach dem Seitenwechsel besser aussehen ließen. Der SB Chiemgau spielte jetzt mit, war präsenter – und kam auch zu Möglichkeiten. Einzig – es fehlte die zeitige Ergebniskorrektur, die wohl nötig gewesen wäre, um hier noch irgendetwas zu versuchen. Exemplarisch dafür wurde unter anderem Franz Eyrarainers Schuss in der 59. Spielminute geblockt.

Mauerkirchner trifft - und scheitert an Mayer

Die Gäste blieben allerdings ihrerseits kreuzgefährlich – und hatten in der 61. Minute Pech, als sie nur den Pfosten trafen. Besser machte es auf der Gegenseite dann der wiedergenesene SBC-Sturmtank Stefan Mauerkirchner, der die Chiemgauer zwar nicht heran brachte – aber zumindest ein Mal einen ersten Treffer erzielte: Mauerkirchner zog aus dem Rückraum ab – und der Ball schlug flach im linken Eck des von Maximilian Mayer gehüteten Gästegehäuses ein (64.). 1:4 - Ein Anfang war also gemacht.

Sollte noch ein verrücktes Spiel, eine irre Aufholjagd folgen? Mitnichten. Es sollte, was Zählbares anging, auf Heimseite bei diesem Anfang - und Mauerkirchners Tor der Ehrentreffer bleiben. Der Stürmer der Traunsteiner kam zwar noch einmal mega-gefährlich vor das Tor der 1865er - aber deren Schlussmann Mayer zeigte sich von seiner besten Seite und parierte mit einer Glanztat (77.).

Auch das noch - Ampelkarte für Traunsteins Bauer

Unmittelbar nach dieser Situation musste Traunsteins Max Bauer, der nach einer Stunde bereits verwarnt worden war, in einer hitziger werdenden Partie nach Gelb-Rot das Feld verlassen (78.). Harter Tobak für die Einheimischen. Sie lagen hier vor zahlreichem eigenen Publikum mit drei Toren zurück – und waren jetzt auch nur noch zu zehnt auf dem Rasen.

Und es sollte noch schlimmer kommen. Denn den Traunsteinern gelang es hinten raus nicht, wenigstens weitere schmerzhafte Gegentreffer zu verhindern. In der 86. Minute segelte ein wunderschöner Freistoß der Dachauer ganz knapp am Winkel des SBC-Tores vorbei. Noch in derselben Minute klingelte es nach einem Konter: Der eingewechselte Onur Korkmaz wollte auch nochmal – und traf zum 1:5.

1:6! 1865 Dachau macht SBC-Debakel perfekt

Den Schlusspunkt hinter einen durch und durch deprimierenden Abend für die vollkommen konsternierten Fußballer des SB Chiemgau Traunstein setzte Dachaus Zehner Qendrim Beqiri mit einem verwandelten Strafstoß in der Schlussminute. 1:6 – was für eine Packung!

Die Traunsteiner musst die erste derbe Watschn ihrer noch jungen Bayernliga-Geschichte einstecken – und die war gleich richtig heftig. Dabei waren sie eigentlich mit der vollen Kapelle angetreten. Eine brutale Niederlage auf eigenem Feld. Und eine, die gerade von den defensiv normalerweise bärenstarken Chiemgauern so sicherlich niemand erwartet hätte. Ein waschechtes Heimdebakel!

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