SV Heimstetten - SB Chiemgau Traunstein 5:1

Traunstein ohne Chance beim Favoriten Heimstetten

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Noch keine Veränderung bewirken konnte in der Kürze der Zeit Traunsteins neuer Trainer Stephan Schmidhuber. Beim Spitzenteam aus Heimstetten war allerdings auch nicht unbedingt mit einer Überraschung zu rechnen.
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Heimstetten – Im Nachholspiel beim Dritten der Bayernliga SV Heimstetten gab es für den in der Krise befindlichen SB Chiemgau Traunstein nichts zu bestellen. Die Auswärtsaufgabe beim Liga-Schwergewicht kam für die Traunsteiner nur drei Tage nach dem Rücktritt von Trainer Jochen Reil zur denkbar falschen Zeit. Am Ende musste der SBC – trotz einiger ausgelassener eigener Chancen – froh sein, dass das Ergebnis nicht noch höher ausfiel. Denn die Hausherren, welche an diesem Tag nicht voll gefordert wurden, zeigten phasenweise immer wieder mächtig Spiellaune – und schossen mittels Direktspiel und sehenswertem Kombinationsfußball gegen überforderte Gäste locker leicht einen 5:1 Heimsieg heraus.

Dabei hätte es mit ein wenig mehr Fortune auch anders kommen können. Oder zumindest ganz anders beginnen: Nach einem Ballverlust der Heimstettener in der eigenen Hälfte stimmte bei den Chiemgauern der Umschaltmoment – und der Ball fand schnell den Weg zu SBC-Stürmer Maximilian Probst auf der Halblinken. Der drang in den Strafraum ein und zog ab. Doch sein Geschoss klatschte an den langen Innenpfosten – und sprang von dort aus dem Tor (3.)!

Blitzstart SB Chiemgau - Probst trifft den Pfosten!

Glück für den Favoriten, der hier hätte früh in Rückstand geraten können – dies aber gelassen hinnehmen konnte. Irgendwie symptomatisch für die derzeitige Situation der Traunsteiner, die das Tabellenende zieren – noch am Freitag in letzten Heimspiel (2:2 gegen Hankofen-Hailing) war in einer umgekehrten Dramaturgie der erste Gästeangriff sofort erfolgreich.

Danach entwickelte sich erst einmal ein relativ ausgeglichenes Spiel. Es sah zu Beginn nicht unbedingt schlecht aus, wie sich der SBC hier unter der erstmaligen Anleitung des Reil-Nachfolgers Stephan Schmidhuber präsentierte. Der frisch gebackene Cheftrainer coachte viel von außen – sonderlich viele andere Einflussmöglichkeiten hatte er nach lediglich einer mit der Mannschaft absolvierten Trainingseinheit am Vorabend nicht gehabt.

Service:

Beim Favoriten stotterte der Motor gleichzeitig noch etwas – der SVH tat sich über eine Viertelstunde lang recht schwer in die Gänge zu kommen und zu seinem gewohnten Spiel zu finden. Auch weil die Traunsteiner ihre Sache bis dahin ordentlich machten - aufmerksam waren, konzentriert verschoben und sich nicht versteckten. Auch wenn das Hauptaugenmerk natürlich ganz klar auf der Defensive lag.

Tempofußball bringt Hausherren die Führung

So brauchte die Heimelf zunächst brutal starke Konter um ihrer Überlegenheit Geltung zu verschaffen: Nach einem tollen, blitzschnellen Gegenstoß der Heimstettener entstand sofort eine Überzahlsituation – in welcher der SBC klassisch ausgespielt wurde. Von rechts wurde links im Sechzehner Lukas Riglewski bedient – der alleine vor Traunsteins Torhüter Pascal Legat das Leder aus Elfmeterdistanz nur Zentimeter über die Latte schlenzte (18.).

Keine zwei Minuten später deuteten die Hausherren ihre Offensivstärke nicht nur ein weiteres Mal an, sondern waren auch erfolgreich: Wieder durch einen überfallartigen Vorstoß, bei dem der Ball mit viel Tempo durch die eigenen Reihen lief. Diesmal bediente Sebastian Nappo aus dem linken Halbfeld mit viel Auge den rechts nach innen ziehenden Daniel Steimel. Der ließ knapp innerhalb des Strafraums mit einer Körpertäuschung ganz lässig noch einen Gegenspieler aussteigen – und schoss zum 1:0 ein (20.).

Heimstetten spielt Traunstein schwindelig

Direkt im Anschluss dieser kurzzeitigen „Rauschphase“, in der die Chiemgauer kein Land sahen und es einfach viel zu schnell für sie ging, erspielte sich der SV Heimstetten den nächsten Hochkaräter: Über links und tolles Direktspiel fand das Spielgerät nach herrlicher Passstafette von SVH-Captain Dominik Schmitt ins Zentrum zu Torschütze Steimel. Der SBC fand überhaupt keinen Zugriff, der flinke Steimel nahm den Ball im zentralen Sechzehner aus vollem Lauf direkt – und spitzelte ihn nur haarscharf am linken Winkel vorbei (22.).

Exemplarisch für das restliche Spielgeschehen zeigten diese nicht einmal vier Minuten inklusive Treffer, wer hier in Heimstetten überklar den Hut aufhatte – und wer froh sein musste, wenn die Hausherren ihn mitspielen ließen. Immer dann wenn die Gastgeber anzogen und aufs Gaspedal gingen, hatten die Gäste erhebliche Schwierigkeiten mitzuhalten und sich dessen zu erwehren.

Mayer muss nach Ecke den Ausgleich machen

Trotzdem hätte es unmittelbar im Anschluss genauso unverhofft wie zu Spielbeginn auch auf Heimseite klingeln können: Nach einer Ecke des SB Chiemgau von links stand Traunsteins Sebastian Mayer im Fünfmeterraum mutterseelenallein am langen Pfosten – konnte aber den Ball nicht verarbeiten und verdaddelte ihn, anstatt ihn über die Linie zu bugsieren (23.). Heimstettener Überlegenheit im spielerischen Bereich hin oder her – das hätte eigentlich der Ausgleich sein müssen.

Danach beruhigte sich das Geschehen ein wenig. Traunstein traute sich wieder mehr zu. Grundsätzlich aber galt – wenn die Gastgeber wirklich wollten, konnten sie die am Limit agierenden Gäste jederzeit killen. Der hohe Favorit nahm sich jedoch immer wieder auch seine Ruhepausen und Erholungsphasen.

SBC rettet sich fast in die Pause - aber nur fast

Gegen Ende des ersten Durchgangs zogen die Heimstettener nochmals an: Mit einer wunderbaren, aus dem Lauf geschlagenen Bananenflanke aus dem linken Halbfeld bediente Peter Beierkuhnlein mit exaktem Schnitt Orhan Akkurt in der Mitte des Sechzehners. Der kam freigespielt zum Flugkopfball – brachte diesen jedoch um Haaresbreite nicht im Traunsteiner Kasten unter (38.). Nur Momente darauf wurde Riglewski in Szene gesetzt und bekam links im Strafraum die dicke Schussgelegenheit. Seinen Versuch ins rechte unter Eck einzunetzen konnte SBC-Keeper Legat dank einer glänzenden Reaktion mit der Fußspitze gerade noch um den Pfosten lenken (40.).

Als die Gäste dann diese Druckphase eigentlich überstanden – und sich beinahe mit einem knappen Rückstand in die Pause gekämpft hatten, leisteten sie sich einen so folgenschweren, wie bitteren Blackout: Ausgerechnet Kapitän Waldemar Daniel unterlief ohne Not ein katastrophaler Ballverlust auf der linken Abwehrseite. So eingeladen, ließ sich Heimstetten natürlich nicht zweimal bitten. Akkurt bediente mittels scharfer Hereingabe Nappo – und der traf aus kurzer Distanz aus der Drehung zum 2:0 (45.). Das ganze Sekunden vor dem Halbzeitpfiff – wenn man im Tabellenkeller steht und es dick kommt, kommt es offensichtlich ganz dick.

Halbzeit Zwei: SB Chiemgau mutig - aber ineffektiv

Die zweite Halbzeit zeigte hinsichtlich der Machtverhältnisse auf dem Rasen nur wenig Veränderung. Das Spielgeschehen änderte sich allerdings doch leicht. Die Hausherren schalteten, angesichts ihrer beruhigenden Führung und einer englischen Woche, jetzt doch bemerkbar öfter in den Verwaltungsmodus. Sie versuchten in längeren Intervallen ihre Nadelstiche zu platzieren.

Der SBC hingegen trat jetzt gezwungenermaßen ein wenig forscher auf, als vor dem Seitenwechsel – wollte es zumindest noch einmal probieren. Eine mutige Entscheidung von Neu-Trainer Schmidhuber und seiner Elf. So spielten die Gäste zwar eine Zeit lang relativ munter mit – das Kellerkind ließ allerdings jegliche Effektivität vermissen. Wenn sie es einmal schafften, einen Angriff gelungen auszuspielen, schien des Gegners Tor wie vernagelt – auf der Gegenseite fiel es einem befreit aufspielenden SV Heimstetten, mit dem lohnenden Ziel Tabellenführung vor Augen, deutlich leichter, Zählbares zustande zu bringen.

Mauerkirchner-Fallrückzieher gehalten - Akkurt staubt zum 3:0 ab

Nach einer schönen Kombination des SB Chiemgau bekam Alexander Schlosser zentral im Strafraum eine gute Schussgelegenheit – aber sein Abschluss war viel zu schwach um Heimstettens Torhüter Kevin Pradl vor Probleme zu stellen (50.). Nur kurze Zeit später konnte der Keeper sich allerdings auszeichnen – und mit einem tollen Reflex verhindern, dass diese so eindeutig erscheinende Partie vielleicht doch ins Wanken geriet:

Einem Freistoß von links folgte rechts im Sechzehner eine Kopfballablage in die Mitte – und Traunsteins Sturmtank Stefan Mauerkirchner setzte aus etwa zwölf Metern zu einem herrlichen Fallrückzieher an. Doch Pradl zeigte sich von seiner stärksten Seite und als echter Rückhalt seines Teams – mit einer Glanzparade fischte er den Ball noch aus dem linken Winkel (55.)!

Was dieser mutmachenden Szene quasi unmittelbar folgte, gibt dann ziemlich genau wieder, wie das gesamte Match verlief. Traunstein im Tief, manchmal ohne Geschick, manchmal ohne Glück – Heimstetten gelassen, obenauf und treffsicher: Erneut toller Spielzug der Gastgeber, Steimel war über rechts durch, spielte den Ball bereits im Strafraum in den Rückraum zu Riglewski. Dessen satten Schuss konnte SBC-Schlussmann Legat zwar gerade noch abwehren, musste ihn aber prallen lassen – und am zentralen Fünfer stand „Torhan“ Akkurt mit seinem unnachahmlichen Instinkt goldrichtig und staubte eiskalt zur 3:0 Vorentscheidung ab (57.).

Spiel ist entschieden - aber der SVH will die Tabellenführung

Danach waren eigentlich alle Messen gelesen, was den Ausgang dieses Spiels anging – und es tat sich über weite Strecken nicht mehr allzu viel Aufregendes: Einen strammen Versuch von Probst aus aussichtsreicher Position hatte Pradl sicher (64), ein schöner Schuss aus der Drehung vom links in den Strafraum vorgestoßenen Ex-Rosenheimer Linor Shabani ging rechts am Tor vorbei (72.).

Zum Unglück für die Chiemgauer konnte der SV Heimstetten mittels des Torverhältnisses vorübergehend die Tabellenspitze übernehmen – und machte so keinerlei Anstalten, es gut sein zu lassen. Auch wenn sie es nicht merh mit aller Macht forcierten: Wenn sich Gelegenheit ergaben, spielten die Platzherren zielstrebig nach vorne – und ließen sich weitere Treffer nicht entgehen.

Als sich Alexander Schlosser im zentralen Mittelfeld den Ball abluchsen ließ und anschließend frustriert reklamierend stehen blieb – eine bezeichnende Szene für ein weiteres Misserfolgserlebnis – schnappte sich Heimstettens Steimel das Leder und steckte es durch die Schnittstelle der SBC-Abwehr auf Riglewski. Der war halblinks auf und davon, behielt auch alleine vor Legat die Nerven, ließ diesem keine Chance – und schob zum 4:0 ein (78.).

Mauerkirchner verkürzt - doch am Ende steht eine Klatsche

Die Traunsteiner waren jetzt natürlich endgültig restlos bedient – zeigten aber noch ein letztes Mal an diesem Abend Moral. Ganz so unter Wert wollten sie – die ja auch ihre Chancen gehabt hatten – sich hier nicht verabschieden. In der 87. Minute gelang ihnen zumindest der Ehrentreffer. Bei einem Konterangriff traf Mauerkirchner vom linken Strafraumeck flach ins Lange Eck (87.).

Da die Heimstettener weiter auf die Tabellenführung schielten – und dafür einen weiteren Treffer benötigten, ließen sie es sich nicht nehmen, selbst für den Schlusspunkt zu sorgen. Leider gelang es den Traunsteinern nicht, wenigstens das 1:4 zu Ende zu verteidigen – und sie holten sich zum Schluss doch eine richtige Packung ab. Wieder war der SVH durch, Akkurt scheiterte im ersten Versuch noch an Legat, der versuchte zu retten, was zu retten war – doch der eingewechselte Tobias Krause war zur Stelle und schoss die Heimelf mit dem 5:1 zumindest für vier Tage an die Tabellenspitze (89.).

Traunstein muss nach vorne schauen - und zuhause punkten!

Heimstetten grüßt also vom Platz an der Sonne – der SB Chiemgau Traunstein weiter mit der Roten Laterne. Für die souveränen Hausherren, die ihre Meisterschaftsambitionen deutlich unterstrichen, war es die achte Partie, in der sie ungeschlagen blieben – für die gefrusteten Gäste das achte Match ohne Sieg. Doch damit dürfen sich die Traunsteiner nicht aufhalten: Punkte dürften hier kaum zwingen eingeplant gewesen sein – der SB Chiemgau muss all seinen Fokus auf das kommende Heimspiel gegen den TSV 1860 München II richten. Dann muss mit der Unterstützung des eigenen Publikums irgendwie die Trendwende eingeleitet werden.

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