Der 36-jährige Mittelfeldspieler im Beinschuss-Interview

Dominik Haas über seine Zeit in Wasserburg: “Der absolute Wahnsinn"

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Wasserburg - Dominik Hass beendet seine Karriere. Diese Nachricht sorgte vergangene Woche für Aufsehen. Der 36-jährige Mittelfeldspieler spricht im Beinschuss-Interview über seine Zeit in Wasserburg, die schönsten Momente und warum er vorerst nicht Trainer werden will.

Vergangenen Freitag wurde bekannt, dass der Kapitän der Wasserburger Löwen Dominik Haas seiner Karriere beenden wird. Der 36-Jährige kam 2014 zum TSV, als der Verein noch in der A-Klasse spielte. Seitdem ging es mit den Löwen steil bergauf, 2020 spielt der Verein in der Bayernliga. Haas spielte in der Jugend für den FC Bayern München, wo er in der Saison 2000/01 und 2001/02 deutscher U19 Meister wurde. Anschließend wechselte er zur SpVgg Unterhaching. Danach lief der Mittelfeldspieler noch für den TSV 1860 Rosenheim, den SV Heimstetten und den SV Amerang auf. 


Nach sechs erfolgreichen Jahren ist das Kapitel Wasserburg nun vorbei. Der Abschied des Mittelfeldspielers wird sich nicht nur wegen der Corona-Pandemie verschieben. Denn im November 2019 verletzte sich Haas im Spiel gegen den TSV Kottern schwer an der Schulter, sein bislang letzter Auftritt im Trikot der Löwen. Ob und wann sein Abschiedsspiel stattfinden kann, ist damit noch nicht sicher. Beinschuss.de hat mit dem 36-Jährigen über seine Verletzungen, die Gründe für das Karriereende und seine Zeit in Wasserburg gesprochen.

Hallo Herr Haas, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben. Wie geht es Ihrer Schulter seit der Verletzung?


Dominik Haas: “Leider immer noch nicht so, wie ich mir das vorstelle. Der Nerv, der den Muskel ansteuert, wurde bei dem Zweikampf verletzt, deshalb ist mein Muskel quasi gelähmt. Die Ärzte sagten mir, dass dies eine seltene Verletzung ist und der Heilungsverlauf lange dauert. Ich habe aber noch die Hoffnung, dass es wieder besser wird. Ich kann damit leben, aber es schränkt mich in meinem Alltag schon ein. Alle Bewegungen über Kopf bereiten mir derzeit noch Probleme. Aber die Behandlung beim Physio zeigt bereits einige Verbesserungen."

Vergangen Woche wurde bekannt, dass Sie ihre Karriere beenden. Kam das überraschend?

Haas: “Nein, die Mannschaft, die Trainer und die Verantwortlichen wussten bereits Bescheid. Es stand schon zu Beginn der Saison fest, dass ich am Ende aufhören werden. Ich werde jetzt dann 37 Jahre alt. Ich finde das ist ein Alter, in dem man aufhören kann. Dazu kommt noch die Schulterverletzung. Deshalb habe ich entschieden einen Schlussstrich zu ziehen."

Wie schwer fiel die Entscheidung aufzuhören?

Haas: “Die ist mir nicht so schwer gefallen. Ich bin schon froh, nun auch für andere Sachen Zeit zu haben. Wenn man beinahe jede Woche drei bis viermal Training hat, dazu am Wochenende noch ein Spiel, dann bleibt vieles auf der Strecke, wie Familie oder andere Freizeitaktivitäten. Ich freu mich auf die Pause vom Fußball."

Der Abschied fällt aufgrund von Corona nicht so aus wie bestimmt erhofft. Wie stellen Sie sich persönlich ihren Abgang bei den Löwen vor? Der Verein hat schon angekündigt, dass Sie noch einige Minuten spielen müssen.

Haas: “Natürlich hätte ich mich gerne mit einem Spiel verabschiedet. Aber das geht aufgrund der Verletzung nicht mehr. Und da muss man schauen, ob es am Ende Sinn macht, dass ich nochmal für ein paar Minuten auflaufe. Wünschen würde ich mir noch einmal im Kader dabei zu sein, mit dem Team im Kreis zu stehen. Dann wäre es natürlich optimal, wenn wir einen Heimsieg schaffen und ich mit dem Team nochmals in der Kabine feiern kann. Das wäre mein Wunsch, ob es klappt wird man sehen."

Die sechs Jahre in Wasserburg waren durchwegs von Erfolg gekrönt. Sie schafften mit der Mannschaft den Durchmarsch von der A-Klasse bis in die Bayernliga. Hätten Sie sich das zu Beginn der Zeit vorgestellt?

Haas: “Dass wir jetzt in der Bayernliga spielen, hätte ich mir nicht mal im Ansatz erträumen lassen. Zu Beginn haben wir damit geliebäugelt, dass wir den Sprung in die Bezirksliga schaffen. Dass das alles so gut gelaufen ist, ist natürlich der absolute Wahnsinn. Dazu kommen noch die ganzen weiteren Entwicklungen, wie beispielsweise die steigenden Zuschauerzahlen. Das alles hat meine Erwartungen bei weitem übertroffen.”

Gibt es einen Moment in Ihrer Zeit bei den Wasserburger Löwen, der für Sie außergewöhnlich war?

Haas: “Es waren viele schöne Momente dabei, die alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen (lacht). Aber für mich ganz persönlich war es das Relegationsspiel 2017, als ich den entscheidenden Treffer zum Aufstieg in die Bezirksliga geschossen habe. Das war sehr emotional. Aber auch das Spiel gegen den TSV Dorfen, als wir einen 0:3-Rückstand zur Pause noch in einen 5:3-Sieg drehten, werde ich niemals vergessen."

Wie werden Sie dem TSV 1880 Wasserburg verbunden bleiben?

Haas: “Ich habe bereits zugesagt, dass ich ab und an ins Training kommen werde, wenn es gerade passt. Damit ich da noch mithalten kann, darf ich jetzt natürlich keinen Bauch ansetzen. Das versuche ich zu vermeiden und ich denke: ich kann das schaffen (lacht). Außerdem werde ich mir auch die Spiele anschauen. Ob ich jetzt zu jedem Auswärtsspiel fahren werde, das weiß ich nicht, aber bei den Heimspielen bin ich auf alle Fälle da.”

Was war Ihr größter Karriere-Moment als Fußballer?

Haas: “Mein größtes Spiel war das Finale um die Deutsche Meisterschaft 2001 in Leverkusen mit der U19 des FC Bayern München. Wir haben vor etwa 18.000 Zuschauern 3:2 gewonnen. Ich habe ein Tor und eine Vorlage gemacht. Das war für mich persönlich das absolute Highlight und das größte Spiel meiner Karriere.

Sprechen wir über Ihre Zukunft. Ist für Sie ein Job als Trainer vorstellbar?

Haas: “Vorerst nicht. Mein Beruf als Realschullehrer hat vor allem im Fach Sport viele Parallelen mit dem eines Trainers. Und ich will in meiner Freizeit nicht etwas ähnliches machen wie im Beruf. Deshalb kann ich mir das jetzt nicht vorstellen. Aber was in ein paar Jahren ist, das weiß ich nicht. Im Fußball sollte man nichts ausschließen. Vielleicht habe ich in ein paar Jahren wieder Lust. Aber das Ganze lasse ich auf mich zukommen.”

ma



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