Beinschuss-Direkt mit Harry Mayer (SB Rosenheim II) Teil 2

Mayer ohne Fußball? "Dann werde ich Daheim rausgeschmissen!"

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Harry Mayer (links) vom SB Rosenheim stand Beinschuss-Reporter Max Böning Rede und Antwort.
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Rosenheim - Teil 2 des großen Beinschuss-Interviews mit Harry Mayer: Jetzt erklärt der SBR-Trainer warum er in der kommenden Saison nicht mehr Trainer der Zweiten sein will, zu welchen Vereinen er sicher nicht geht - und warum eine fußballfreie Zeit aus privaten Gründen nicht in Frage kommt:

Nachdem im ersten Teil der TuS Prien im Vordergrund stand, drehten sich die Fragen von Beinschuss-Reporter Max Böning nun um den Sportbund Rosenheim. Mayer erklärte unter anderem, was er von dem Trainer der Landesliga-Mannschaft, Klaus Seidel, hält:

Nach dem Aufstieg mit Prien in die Kreisliga ging es zum SBR II in die Kreisklasse. Warum war das kein Rückschritt?

Erste Gespräche fanden schon im Januar statt. Wir haben uns getroffen, es war aber nichts konkret. Ich habe aber gesagt, ich rede erst mit Prien – der TuS war mein erster Ansprechpartner. Danach können wir weiter schauen. Dann ging es relativ schnell. 

Was hat dann aber den Ausschlag gegeben? 

Es gab nicht viel Vereine, für die ich Prien verlassen würde. Der Sportbund ist einer der größten Vereine im Landkreis und war schon immer eine Art Wunschverein. Fußballerisch habe ich es nicht geschafft, dann bin ich halt als Trainer hergekommen. Für mich persönlich ist es auch kein Rückschritt. Was ich hier alles gelernt habe, ist für mich sehr entscheidend - auch als Klaus Seidel Ende März zur Ersten gekommen ist. Von ihm und den anderen her kann ich nur profitieren. Für mich war das ganze Projekt interessant. 

Das Projekt 2020. 

Genau. Ich habe sie runtergeschossen. Aber deswegen mag ich es jetzt auch wieder richten. Ich bin kein Trainer, der tief stapelt. In der Kreisliga hätte ich auch gesagt, wir bauen eine Mannschaft auf, die oben mitspielt. Mit gefällt es hier, von den ganzen Leuten und Persönlichkeiten kann ich nur lernen. Hier hatte ich eine große Chance, mich weiterzuentwickeln. 

Der SBR steht auch mit der Zweiten deutlich mehr im Fokus! 

Klar. Viele Leute haben mich sofort darauf angesprochen, weil der Sportbund schon zu den bekanntesten Vereinen gehört. ‚Wie ist es da oben?‘, ‚Wie kommt ihr zu euren Leuten?‘. Die Leute haben viele Fragen gestellt, der Klub polarisiert eben. Zurzeit läuft es nicht gut mit der Ersten, aber solche Phasen gibt es immer. Aber da muss man wieder raus.

Mayers ehemaliger Trainer jetzt Chef der Ersten

Mit Klaus Seidel kam ein neuer Trainer, auch ein alter Weggefährte von dir. Wurdest du vorab um eine Meinung gefragt?

Der Klaus ist ein super Trainer. Wenn du den in dieser Situation kriegen kannst, musst du ihn nehmen. Man sieht, wie er mit der Mannschaft arbeitet. Er ist fachlich gigantisch. Wenn es einer schafft, die Klasse mit der Ersten zuhalten, dann Klaus Seidel. Ich wüsste niemand anderen, der es schaffen kann. 

Für dich und deine Elf sieht es besser aus. Ihr steht auf einem Reli-Rang, aber auf einem, der zur Aufstiegsrunde berechtigt. Wann war dir klar, dass die direkte Rückkehr in die Kreisliga realistisch ist? 

Im ersten Testspiel sofort! 

So früh schon? 

Ja. Gegen Brannenburg damals, das war das im Sommer. Ich lass ein komplexes System spielen. In Prien habe ich fast ein halbes Jahr gebraucht, um es den Jungs einzuprügeln. Im ersten Freundschaftsspiel haben die Jungs es gleich so umgesetzt, wie ich es mir vorgestellt habe. 

Was ist am System so komplex? 

(Lacht) Ja, das wenn ich verraten würde. (Macht eine kleine Pause) Es verbindet drei Systeme im Prinzip zu einem. Die verschmelzen alle – das ist schon sehr anspruchsvoll. Ich lasse immer recht offensiv spielen. Eine halbe Stunde habe ich es den Sportbündlern erklärt und es ist sofort aufgegangen. Die Klasse hatten die Jungs natürlich auch. Da ich die Liga mittlerweile sehr gut kenne, weiß ich, dass es schwer wird, uns zu schlagen. 

Volle Kraft wieder Richtung Kreisliga? 

Bisher haben wir eine Niederlage, es geht also auf! Mit dem Relegationsplatz will ich mich eigentlich nicht begnügen. Wenn ich die anderen Kreisklassen sehe, hätten wir schon riesigen Vorsprung auf den Zweiten. Das zeigt die Qualität der ersten drei Teams in der Kreisklasse 1.

Am 7. Mai kommt es zum Topspiel SBR gegen Riedering. Auch dort bist du ja mal gewesen: Das ist ja schon wieder eine kuriose Situation! 

(Lacht) Ja irgendwie verfolgt mich die Vergangenheit. Meine Riederinger Freunde machen einen super Job. Die Mannschaft hat ein gutes Alter mittlerweile, auch wenn sie nicht so breit aufgestellt sind. Die aber, die auf dem Platz stehen, sind alle mit Herz dabei. Die kommen über den Kampf und die Dynamik, so wie Söllhuben letztes Jahr. Aber ihre Schwachpunkte kenn' ich schon auch. 

Nach denen traue ich mich jetzt gar nicht zu fragen. 

Ja (lacht)

Nach dieser Saison ist aber auch für dich beim SBR Schluss. Warum denn eigentlich nach dieser tollen Spielzeit. 

Ich habe nicht gesagt, dass beim Sportbund Schluss ist. Ich werde die zweite Mannschaft nicht mehr machen. Viele wissen das noch nicht, der Mannschaft habe ich das aber schon mitgeteilt. Ich bin einfach jemand der sehr gerne im taktischen Bereich mit den Leuten arbeitete. Das ist mit einer Zweiten immer schwierig. Klar, die Landesliga-Mannschaft braucht auch meine Leute. Ich will deswegen nächstes Jahr wieder eine erste Mannschaft trainieren – oder Co-Trainer von einer höherklassigen Mannschaft sein.

Mayer will wieder eine Erste!

Deine Trainerlizenzen hast du ja auch in der Tasche. 

Ja, ich habe den B- und den C-Schein gemacht. Den DFB-Elite-Jugend-Ausbildung habe ich auch. Vielleicht kommt in zwei Jahren noch der A-Schein. Ich will weiterkommen und mich weiterentwickeln. Das hat überhaupt nichts mit dem Verein hier zu tun. Dass ich eine große Auswahl an Spielern habe und das Tagesgeschäft besser planen und strukturieren kann, ist mein Ziel. Deswegen möchte ich eine Erste coachen! 

Wie sieht es aus mit der Ersten Mannschaft vom Sportbund? 

Ich würde mich sehr freuen, wenn Klaus dableibt. Für den Sportbund wäre es das Beste, wenn er auch nächstes Jahr hier trainiert. Er kann jetzt noch meine ganze Unterstützung haben. Es geht um den Verein und wir müssen schauen, dass wir die Landesliga halten und mit der Zweiten aus der Kreisklasse aufsteigen. 

Deinen zukünftigen Arbeitgeber wirst du aber nicht eine Liga wieder runterschießen in einer möglichen Relegation? 

Ich habe im Sommer noch keinen Verein. Ich sage zu nichts nein. (Überlegt) Naja, zu Bernau oder Rimsting werde ich nicht gehen – zu Söllhuben auch nicht. 

Sondern? 

Wenn ich Sommer nichts Passendes finde, kann es auch gut sein, dass ich höherklassig hospitieren werde. Vielleicht auch bei Bundesligisten in der Jugendabteilung. Im Endeffekt würde ich jetzt nichts ausschließen. 

Außer dass du ohne Fußball nicht kannst! 

Nein, überhaupt nicht. Meine bessere Hälfte zeigt mir in der zweiten Woche der Winterpause schon den Vogel, weil ich Trainingspläne schreibe oder Spieler kontaktiere. Da bin ich ein Kranker. Ich kann nicht ohne Fußball. Ich werde auch nicht ohne Fußball auskommen. Mal schauen, wie es weitergeht – auf jeden Fall mit Fußball. Sonst werde ich dann Daheim glaube ich irgendwann rausgeschmissen. 

Harry, wir bedanken uns bei dir für das ausführliche und sehr ehrliche Gespräch und wünschen Dir für die kommenden Aufgaben alles Gute – und dass du noch lange Zuhause wohnen darfst!

Anmerkung der Redaktion: Am Mittwochabend trifft der SB Rosenheim beim ESV Rosenheim an und kann durch einen Punkt im Nachholspiel wieder am SV Riedering vorbeiziehen.

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