Beinschuss-Direkt mit Harry Mayer (SB Rosenheim II)

Direkt: "Ich war Priener und hatte ein Ziel!"

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Interview am SBR-Campus: Harry Mayer (rechts) mit seinem ehemaligen Spieler und Beinschuss-Reporter Max Böning.
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Rosenheim / Prien - Als er wusste, gegen wen er mit Prien in der Relegation ran muss, dachte sich Harry Mayer kurz 'Scheiße!' Denn mit dem Sportbund Rosenheim II wartete sein neuer Verein auf ihn - und den schoss der Noch-Priener kurzerhand in die Kreisklasse runter.

Es war eine sehr kuriose Konstellation im vergangenen Frühsommer: Harry Mayer muss mit seinem TuS Prien in die Relegation - gegen den SV Rosenheim II. Prien steigt mit Mayer in die Kreisliga auf, er selber heuert als Trainer beim Absteiger an. Jetzt ist der Sportbund II wieder auf Aufstiegskurs. Wie er die pikante Situation ausblenden konnte und warum der Aufstieg mit seinen "Brüdern" so emotional war, darüber hat er sich mit Beinschuss-Reporter Max Böning unterhalten. Teil 1 des ausführlichen und sehr ehrlichen Gesprächs:

 

Beinschuss: Harry, hast du in letzter Zeit mal Spiele von Ramerberg oder Amerang besucht? 

Mayer: (überlegt) Nein, ich glaube eher nicht. Wieso denn? 

Das wären mögliche Gegner in der Relegation heuer. Und du bist ja nach dem Aufstieg ein Experte für Entscheidungsspiele. Wie blickst du denn auf das letzte Jahr mit Prien zurück? 

Die Situation war nicht gerade ohne. Wir hatten eine sehr gute Vorbereitung. Wir waren topvorbereitet - innerhalb einer Woche sind wichtige Spieler ausgefallen. Wie die Jungs dann gearbeitet haben, das war bärenstark. Das war eine Mannschaftsleistung und ein Kraftakt. Wie es dann am Ende war, das hätte ich mir schon anders vorgestellt. 

Du triffst mit Prien in der ersten Runde auf deinen neuen Verein, den Sportbund Rosenheim. Was ist dir als erstes durch den Kopf gegangen? 

Das erste Mal, dass ich es gehört habe, da habe ich unserer Zweiten zugeschaut. Im Hintergrund haben ich dann die andere Relegations-Paarung gehört, da habe ich mir schon gedacht: ‚Scheiße, jetzt ist es soweit‘. Dann war es soweit. 

Es war kein Problem für dich? 

Nein. Drei Jahre haben wir auf das Ziel hingearbeitet. Wir waren Vorletzter, als ich die Mannschaft übernommen habe. Wir haben uns komplett neu aufgebaut, verbessert, junge Spieler miteingebaut. Dass natürlich am Ende eine Mannschaft auf dem Platz steht, von denen ich jeden schon in der Jugend trainiert habe, das war schon ganz geil. 

Wie konntest du aber verdrängen, dass du deinen neuen Arbeitgeber eine Liga nach unten schießen kannst? 

Mein Ziel war immer, dass man irgendwann aufsteigt. Der Traum ist nie geplatzt. Ich war Priener und hatte ein Ziel, mein Jungs hatten ein Ziel. Mein Vorteil war natürlich auch, dass ich in der Zeit viele Sportbund-Spiele gesehen hab – geschadet hat das ja sicher nicht. Da konnte ich schon die ein oder anderen Schlüsse ziehen.

Bestens vorbereitet auf den neuen Arbeitgeber

Das war ja fast ein kleiner Wettbewerbsvorteil für dich. 

Bestimmt. Auf jeden Fall wusste ich über die Taktik bestens Bescheid. Ein, zwei Positionen war schon anders, aber von der Ausrichtung habe ich es ungefähr gewusst. Für mich hat es nur den Aufstieg gegeben – egal, wer der Gegner gewesen wäre. Sicher, jetzt bin ich in der Kreisklasse. Dann müssen wir heuer halt wieder aufsteigen. Aber insgesamt gibt es natürlich schönere Situationen! 

Wie hast du deine Priener Spieler heiß gemacht? Musste du das überhaupt noch? 

Nein, ich musste die Jungs im Training sogar zügeln. Beim Elf gegen Elf hatte ich zum Teil Angst, dass sie sich noch mehr auf die Füße klopfen. Jeder war heiß und wollte spielen – die musst du beruhigen. Die Mannschaft war komplett jung. Im Schnitt keine 23 Jahre alt, nur der Jury (Guwa; Anm. d. Red.) hat das Alter hochgetrieben (lacht). Die haben solche Situationen noch nicht erlebt. Ich habe denen in der Kabine gesagt, dass sie wieder mehr lachen und Spaß haben sollen. 

Im zweiten Spiel gegen Oberteisendorf war es nicht mehr der ganz feine Fußball, den ihr gezeigt habt. 

Das hatte auch Gründe: Wir hatten unser erstes Spiel am Donnerstag (wegen schlechter Witterung abgebrochen; Anm. d. Red.), das Zweite am Samstag. Der SVO hat schon am Dienstag gespielt. Die hatten eine ganze Woche zum Regenerieren, wir hatten innerhalb von 5 Tagen drei Spiele gehabt. Nach dem zweiten Spiel hat sich die Mannschaft jetzt auch nicht so vorbildlich verhalten. Die Jungs hatten die Info, dass das nächste Spiel am Donnerstag ist, nicht am Dienstag. 

Es wurde schon ein bisschen gefeiert am Wochenende? 

Ja, es wurden ein paar Spieler am Samstag schon gesichtet beim Feiern. 

Ein ganz normaler Samstag in der Kreisklasse eigentlich. 

Nein, in der Saison waren sie total diszipliniert. Aber da dachten sie wohl, dass es schon passen wird bis zum Donnerstag. Aber wir standen schon Dienstag wieder auf dem Platz. 

Und wie lief es dann gegen den SVO?

Bei Oberteisendorf war niemand kleiner als 1,85 Meter, des hat meinen Zwergen ja schon etwas zugesetzt. Es kam dann, wie es kommen sollte: Nicolai Estermann hat durch den einen schönen Angriff das Tor gemacht. Für ihn freut es mich brutal, dass er nach seiner Krankheit den Siegtreffer erzielt hat. Da hat er es allen zurückgedankt. Unser Zusammenhalt in dem Aufstiegsjahr war einfach der Wahnsinn.

Aufstiegshelden schon in der F-Jugend trainiert

Dann steigt ihr auf, du gehst zum Sportbund. Das muss doch unglaublich schwierig gewesen sein? 

Dadurch, dass frühzeitig feststand, dass ich Prien verlassen werde, konnten sich alle darauf einstellen. Vielleicht kam dadurch auch die „Jetzt-Erst-Recht-Mentalität“. 

Der Aufstieg war vielleicht auch ein bisschen dir gewidmet! 

In der Mannschaft hat nicht nur ein Bruder für mich gespielt, sondern 35. Die waren bei mir jeden zweiten Tag zuhause: Der eine hat sich über andere ausgekotzt, der andere hat sich bei mir ausgeheult. Da machst du ein Grillfest mit der Familie und dann steht die ganze Mannschaft im Garten. Den Abschied habe ich immer etwas vor mir hergeschoben, dann kam der Abpfiff. Da war ich erst erleichtert, wusste aber auch, dass es jetzt vorbei ist in Prien. Die Jungs müssen selber schwimmen. Helmut Faber macht mit denen einen super Job, als Aufsteiger behaupten die sich sehr gut in der Kreisliga. 

Du musst es wissen, schließlich kennst du die Jungs schon von klein auf! 

Ich habe vier Spieler gehabt aus der Aufstiegsmannschaft, die habe ich schon in der F-Jugend mit 18 Jahren trainiert habe. Ein paar sind dann auch noch in der E-Jugend dazugestoßen. Das war das Geile! Ich kannte alle Jungs. In der ersten Saison, als ich die Erste übernommen habe, haben wir aus den ganzen Jungs eine junge Truppe aufgebaut. Aus denen entstand das Gerüst. Franz Anzinger habe ich dann als zentralen Spieler geholt. 

Wie schwierig war, ihn von 1860 Rosenheim zu holen? 

Brutal schwierig! Den habe ich wahnsinnig beackern müssen, aber ich glaube er ist es mir noch heute dankbar dafür. Im Januar letzten Jahres hat er ja eine Kreuzbandverletzung gehabt, hat sich aber so fit gemacht, dass er in der Relegation wieder auf dem Platz stehen kann. Ein vorbildlicher Kapitän, der sich für die Mannschaft geopfert hat. Ganz wichtig war aber auch, dass wir dann mit Thomas Sollacher aus Grassau jemanden hatten, der als echtes Schwergewicht ihn im Zentrum vertreten konnte. 

Im zweiten Teil Mittwochmittag spricht Harry Mayer mit uns über seine neue Aufgabe beim Sportbund Rosenheim, warum er nächste Saison nicht mehr Trainer der Zweiten sein wird – und warum er besser nicht ohne Fußball leben sollte.

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