"Geld ist nicht ausschlaggebend für die verpflichteten Spieler"

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Niki Wiedmann (l.) wechselt vom TSV 1860 Rosenheim nach Wasserburg

Wasserburg-Chef Simon Stürmlinger muss sich nach seinen Hammer-Transfers harter Kritik von außen stellen. Im beinschuss.de-Interview nimmt er dazu Stellung.

Diese Nachricht verursachte vor zwei Wochen einen heftigen Wirbel in der Amateur-Fußballwelt des Kreises Inn/Salzach: Der abstiegsbedrohte TSV Wasserburg verpflichtete mit Matthias Haas (1860 Rosenheim), Dominik Haas (SV Amerang), Georg Haas (TSV Grafing) und Niki Wiedmann (1860 Rosenheim) gleich vier hochkarätige Kicker, die auf jahrelange Erfahrung in höheren Ligen zurückblicken können. Wir berichteten darüber in unserem Transfer-Ticker. In einem Bericht der „Wasserburger Stimme" äußerten sich Trainer und Funktionäre einiger Nachbarverein ziemlich negativ zu dieser Transfer-Politik.

Einige Tage nach diesem Bericht erreichte beinschuss.de dann folgende Mitteilung, in der ein gebürtiger Wasserburger Fußballer die Sichtweise der Nachbarvereine anprangerte: „Ich hab mich geärgert, weil Wasserburg mein Heimatverein ist und nach vielen schlechten Jahren endlich wieder etwas Gutes passiert und sich freiwillig einige überragende Spieler finden, die helfen wollen, dass es wieder besser wird! Diese Spieler sind meine Freunde! Da mag ich es nicht, wenn dann über sie falsche Sachen erzählt werden! Noch dazu von Leuten, die keine Ahnung haben. Es kann doch jeder spielen, wo er will!“

Grund genug für beinschuss.de das Gespräch mit Wasserburg-Abteilungsleiter Simon Stürmlinger zu suchen.

beinschuss.de: Servus Simon, wie kamen diese „Hammer-Transfers“ denn überhaupt zustande?

Simon Stürmlinger: Ein erster Kontakt bestand schon vor meiner Zeit als Abteilungsleiter, als ich mit den Spielern - die ich zum Teil schon länger kenne - ins Gespräch kam. Sie erzählten mir, dass sie gerne helfen würden, den Fußball in Wasserburg wieder mitaufzubauen. Nachdem ich dann im März dieses Jahres in die Abteilungsleitung gewählt worden bin, habe ich weiterhin den Kontakt zu den Spielern gesucht und gepflegt.

beinschuss.de: Warum glaubst Du, dass diese Transfers so große Wellen in der Region schlagen?

Stürmlinger: Natürlich ist das für Außenstehende aus sportlicher Sicht schwer zu verstehen. Wenn man allerdings die persönlichen Motive der Spieler kennt, macht das alles mehr Sinn. Und dass im Amateurfußball viel spekuliert wird, ist ja auch nichts Neues.

beinschuss.de: Welche Rolle spielt die Lehrstelle von Matthias Haas bei der Sparkasse Wasserburg bei diesen Transfers?

Stürmlinger: Allgemein hat der Beruf eine große Rolle gespielt. Der Aufwand, den ein Regionalligaengagement mit sich bringt, ist einfach schwer mit Beruf zu bewältigen.

beinschuss.de: Es heißt ja, dass die genannten Spieler dem Verein helfen wollen und sie sich vor allem wegen der tollen Stadt für Wasserburg entschieden haben.

Stürmlinger: Die Spieler fühlen sich in Wasserburg wohl und sehen das Potenzial, das eine Stadt wie Wasserburg sportlich bieten kann.

beinschuss.de: Bekommen die vier Spieler für ihr Engagement wirklich kein Geld? Gibt es für sie wenigstens Auflauf- oder Punkte-Prämie?

Stürmlinger: Geld ist nicht ausschlaggebend für das Engagement der Spieler in Wasserburg, sondern ihre ganz persönliche Lebensplanung und das Gefühl, in dieser Stadt etwas bewegen zu können.

beinschuss.de: Fehlt in der Region das Verständnis dafür, dass talentierte Fußballer ihren Fokus mehr auf Beruf als auf den Fußball legen?

Stürmlinger: Offensichtlich ja!

beinschuss.de: Was war der größte Fehler, den Wasserburg in den letzten Jahren gemacht hat?

Stürmlinger: Dazu möchte ich mich nicht äußern, da es vor meiner Zeit als Abteilungsleiter war.

beinschuss.de: Ist der sofortige Wiederaufstieg in die Kreisklasse das anvisierte Ziel?

Stürmlinger: Natürlich ist mit solchen Spielern der Wiederaufstieg anvisiert, aber wie man weiß, besteht eine Mannschaft aus mehr als nur vier Spielern.

beinschuss.de: Kommen noch weitere Verstärkungen nach Wasserburg?

Stürmlinger: Natürlich versucht man sein Team immer weiter zu verstärken, aber wir haben schon im jetzigen Kader viele engagierte Spieler, auf die wir nicht verzichten wollen.

beinschuss.de: Wo siehst Du den TSV Wasserburg in fünf Jahren?

Stürmlinger: In fünf Jahren, zum 100-jährigen Bestehen unserer Fußballabteilung, würden wir gerne wieder in einer für eine Stadt wie Wasserburg angemessenen Liga spielen.

(Das Interview führte Mano Bonke)

 

 

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