Keine Saison 2020/21 im bayerischen Amateurfußball

SV DJK Kolbermoor: "Der BFV hat für die Basis die falschen Entscheidungen getroffen"

Kolbermoor - Keine Saison 2020/21 im Herren- und Frauenbereich im bayerischen Amateurfußball. Diese Nachricht sorgte am vergangenen Wochenende für Aufsehen und Diskussionen. Beinschuss.de hat beim Kreisligisten SV DJK Kolbermoor nachgefragt, wie sie zu diesem Beschluss stehen.

Wie der Bayerische Fußball-Verband am Wochenende bekannt gab, wird es keine Saison 2020/21 im Erwachsenenbereich im bayerischen Amateurfußball geben. "Die Entscheidung des Verbandes kann ich so nicht nachvollziehen. Von der gewünschten Planungssicherheit für die Vereine kann meiner Ansicht nach nur eingeschränkt die Rede sein", sagt SV DJK Kolbermoors Abteilungsleiter Robert Straub gegenüber beinschuss.de. 

"Man hätte mal grundsätzlich abbrechen sollen"

Aus der Sicht des Abteilungsleiters hat der Verband für die Basis die falsche Entscheidung getroffen. "Die Umsetzung des BFV-Beschlusses bedeutet einen großen Aufwand mit einer unsicheren Komponente", begründet Straub seine Sichtweise. "Man hätte, wie in anderen Ländern, Landesverbände oder auch in anderen Sportarten, mal grundsätzlich abbrechen sollen, genauso wie im Jugendbereich. Diese Entscheidung hätte schon vor zwei Monaten gefällt werden können und den Neustart, wie er nun auch im Jugendbereich kommt, für diesen Termin in Aussicht stellen sollen. Zudem hätte man das Sommerwechselfenster nach den gewohnten Kriterien, wie sonst in der Wechselperiode I üblich, lediglich um einen Monat nach hinten verschieben und die Sechs-Monatsfrist für den spielfreien Zeitraum bis zum 30. Juni einfach aussetzen können."

Für Abteilungsleiter Straub sind diese Gründe allerdings nicht nachvollziehbar

Die Gründe, die für den BFV für den Ausfall der kommenden Saison gesprochen haben, sind, dass noch zu viele Spiele in der Liga und Pokal anstehen. Zudem sind noch Entscheidungsspiele um Auf- oder Abstieg am Ende zu absolvieren. Hinzu kommt, dass aufgrund der unterschiedlichen Wetterbedingungen in den Regionen nur bis Mitte November gespielt werden kann und Spiele unter der Woche nur die Ausnahme seien sollen. 

Für Abteilungsleiter Straub sind diese Gründe allerdings nicht nachvollziehbar: "Zu den arbeitsrechtlichen Problemen mit Vertragsspielern und Trainern kommen auch noch vier Wechselperioden in einer Saison dazu, die noch größere Wettbewerbsverzerrung hervorruft, als es eine vermeintliche Ungerechtigkeit bei einem Abbruch nach rund Zweidrittel der Spiele wäre. Manche älteren Spieler haben dann aufgehört und die jüngeren Spieler suchen sich eine andere Sportart, weil sie nicht wegen zehn Spielen zwei mal einige Wochen Vorbereitung durchziehen wollen und man sich daran gewöhnt, seine Freizeit nicht nach dem Fußball richten zu müssen. Da würde ich lieber gleich den Rückrundenstart in das neue Jahr verlegen und den Vereinen dann die tatsächliche Planungssicherheit geben. Dann könnte man sich auch das Wechselfenster jetzt sparen. Natürlich kann ich die Entscheidung, den sportlichen Wettbewerb bestehen zu lassen nachvollziehen, aber ich würde das im Sinne der Vereine einfach rücksichtsvoller angehen."

"Zusatzangebote sind nur Zeitvertreib"

Sollte die Saison 2019/20 früher beendet sein, soll kein Leerlauf stattfinden. Stattdessen soll es attraktive Zusatzangebote mit sportlichem Wert geben. "Die Zusatzangebote sind, wie alle anderen Wettbewerbe, nur Zeitvertreib und für viele Vereine wegen der zusätzlichen Verletzungsgefahr uninteressant", sagt Straub. "Es zählt in erster Linie die Liga!" 

Die Befürchtung, dass durch diese Entscheidung nun Spieler und Sponsoren den Verein verlassen könnten, teilt Kolbermoors Abteilungsleiter nur teilweise. "Bei den Sponsoren mache ich mir in unserem Bereich eher weniger Sorgen, da die Treue zum Verein und das Verständnis für den Breitensport vorhanden ist", sagt Straub. "Man muss sich mal vorstellen, welche Auswirkung das für die Spieler hat. Jeder Einzelne verändert sich in neue oder andere Lebensphasen. Beginnen ein Studium, wechseln den Arbeitgeber oder gründen Familien beziehungsweise nutzen die Pause, um anschließend kürzer zu treten oder aufzuhören. Nochmal zwei Vorbereitungen tun sich verständlicherweise ältere Spieler wegen den paar Spielen dann eher seltener an." 

ma

Rubriklistenbild: © pixabay (Symbolbild)



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