Beinschuss-Interview der Woche: 15 Spieler in Quarantäne

Emmerings Sedlmaier: „Bei vielen Spielern geht es um ihre berufliche Existenz“

TSV Emmerings zweiter Vorstand Manuel Seldmaier.
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Ist skeptisch, ob die Saison zu Ende gespielt werden kann: TSV Emmerings zweiter Vorstand Manuel Seldmaier.

Emmering - Ein Moment den viele Vereine fürchten, ist in Emmering Realität geworden. 15 Spieler mussten wegen eines positiv getesteten Mitspielers, der sich im Training befand, in zweiwöchige Quarantäne. beinschuss.de hat mit zweiten Vorstand Manuel Sedlmaier gesprochen.

Der Re-Start für den TSV Emmering ging gründlich daneben. Die erste Partie wurde von Seiten des SC Danubius Waldkraiburg abgesagt, weil sie zu wenig Spieler hatten. Die nächsten drei Spiele, inklusive Ligapokal, konnten ebenfalls nicht stattfinden, weil sich insgesamt 15 Spieler des TSV Emmering in Quarantäne befinden. Der Grund: ein zufällig positiv getesteter Mitspieler war im Mannschaftstraining.

Emmerings Sedlmaier: „Es ist wie ein Faustschlag ins Gesicht“

„Bisher sind wir intern davon ausgegangen, dass ein negativer Test ausreicht, um wieder zum Spielbetrieb – und auch ins Arbeitsleben zurückzukehren. Das Gesundheitsamt hat uns aber aufgeklärt, dass dem nicht so ist und auch ein verpflichtend angeordneter zweiter (negativer) Test, nichts an der Quarantäne Zeit von 14 Tagen ändert", zeigte sich der Kreisligist anschließend überrascht. beinschuss.de hat mit Emmerings zweiten Vorstand Manuel Sedlmaier, der sich ebenfalls in Quarantäne befindet, über die aktuelle Situation gesprochen und wie der Verein sowie die Spieler damit umgehen.

Herr Sedlmaier, Wie geht es Ihnen persönlich und den Spielern? Wie sind die zweiten Tests ausgefallen?
Manuel Seldmaier: Danke der Nachfrage, uns geht es allen gut. Wir haben keine Symptome, außer dass wir alle auf Fußballentzug sind. Auch der positiv getestete Spieler hat keinerlei Symptome und ist wohlauf. Der zweite Test letzten Donnerstag ist bei allen negativ ausgefallen, doch leider müssen alle Betroffenen trotzdem bis einschließlich Donnerstag, 1. Oktober, in Quarantäne bleiben. Aber das Wichtigste ist, dass wir alle gesund sind.
Wie geht der Verein mit der Situation um?
Seldmaier: Der Verein ist durch die Situation natürlich noch mehr sensibilisiert, was Corona-Maßnahmen betrifft. Vor dem vereinsinternen „Lockdown“ für beide Mannschaften hat der Verein sämtliche Vorbereitungen getroffen, um gut für das erste Punktspiel gerüstet zu sein, doch leider kam es ja nicht dazu. Aktuell finden die Spiele der Jugendmannschaften statt, so dass es in Emmering wenigstens noch ein bisschen Fußball gibt.
Wie gehen die Spieler mit der Situation um?
Seldmaier: Es ist für jeden Fußballer schwer, nicht spielen zu dürfen und zwei Wochen lang nur andere Spiele zu verfolgen. Alle Spieler sind froh, wenn sie am Freitag wieder in das Fußball-Leben zurückkehren dürfen, allerdings wird es sicher berufsbedingte Ausfälle geben.
Haben die Spieler noch Lust beziehungsweise Interesse daran zu spielen?
Seldmaier: Soweit ich das beurteilen kann, haben alle Spieler der 1. und 2. Mannschaft Lust, doch leider geht es bei vielen Spielern um ihre berufliche Existenz. Wir sind ein kleiner Dorfverein, der Fußball ohne großes Geld lebt, liebt und genießt, aber genau darum ist jeder auf seine Arbeit angewiesen. Leider gab es schon die ein oder andere Ankündigung, dass Spieler es sich in Bezug auf den Beruf nicht mehr leisten können wegen einem Spiel nochmal 14 Tage in Quarantäne zu gehen. Natürlich ist jedem bewusst, dass eine Infektion derzeit überall möglich ist, nicht nur beim Kontakt auf dem Platz, aber in den doch wirtschaftlich schwierigeren Zeiten, wird der Arbeitgeber versuchen jedes Risiko beim Arbeitnehmer zu minimieren. Man kann in dem Fall auch Spieler verstehen, die in Erwägung ziehen vorerst nicht mehr zu spielen.
Wie lief die Kommunikation mit dem Verband? Wie hat der BFV auf die eure Situation reagiert?
Seldmaier: Eigentlich sehr nüchtern. Ich hab den Spielleiter darüber informiert, dass wir einen positiven Fall haben und dies wurde zur Kenntnis genommen – nachdem wir die offizielle Quarantäneanordnung geschickt hatten wurden die Spiele abgesetzt.
Ist es nach dem Vorfall aus eurer Sicht sinnvoll, die Saison noch fortzuführen? Was wäre euer Vorschlag?
Seldmaier: Aus unserer Sicht ist es nicht möglich die Saison so fortzusetzen. Auch wir haben damals für die Weiterführung der Saison gestimmt, aber wenn du einmal in diese Situation kommst, ist es wie ein Faustschlag ins Gesicht. Mir ist durchaus bewusst, dass ein Umdenken erst kommt wenn man selbst betroffen ist. Aber wenn man bedenkt, welcher Rattenschwanz dahinter hängt, wird es schwierig eine vernünftige Saison fertig zu spielen. Man kann davon ausgehen, dass sich die Lage diesbezüglich nicht verbessern, sondern eher verschlimmern wird. Es werden immer mehr Mannschaften betroffen sein und ab einem gewissen Zeitpunkt ist es nicht mehr möglich die Spiele alle nachzuholen. Ein Saisonabbruch wird allerdings nur funktionieren wenn viele Vereine mitziehen. Je mehr Vereine sich gegen die Weiterführung der Saison aussprechen, desto schneller/eher muss der BFV handeln. Jeder Verein muss sich das Risiko abwägen und entscheiden, ob es sinnvoll ist. Wir hoffen natürlich trotz allem, dass es sich bei uns nur um einen Einzelfall gehandelt hat und sowohl wir als auch andere Mannschaften künftig verschont bleiben.
Danke für das Interview

ma

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