Florian Hauser machte sein Hobby zum Beruf

Priener Fußballer kommentiert für DAZN: „Das Spiel muss immer im Fokus stehen“

Florian Hauser kommentiert für DAZN Fußballspiele aus den europäischen Topligen, sowie Champions- und Europa League und Spiele in der NFL.
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Florian Hauser kommentiert für DAZN Fußballspiele aus den europäischen Topligen, sowie Champions- und Europa League und Spiele in der NFL.

Prien - Florian Hauser und Maximilian Nicu kennen sich seit mehr als zehn Jahren. Der Ex-Profi und Trainer des TuS Prien lotste Hauser zum Kreisligisten, wo er aber nicht allzu viele Spiele bislang bestritt. Hintergrund: Der 29-Jährige arbeitet als Kommentator bei DAZN, am Mittwoch (6. Januar) kommentierte er das Spiel zwischen Lazio Rom und Florenz. beinschuss.de hat mit Hauser über den TuS Prien und seine Arbeit gesprochen.

Seit Herbst 2018 trainiert Florian Hauser beim TuS Prien mit. Der gebürtige Dingolfinger zog mit neun Jahren nach Berlin und wuchs in der Hauptstadt auf. Dort spielte er in der Jugend- und im Herrenbereich in höherklassigen Ligen. Über seinen Schulfreund Sascha Bigalke, der in der Jugend bei der Hertha BSC spielte und den Sprung zu den Profis schaffte, lernte der 29-Jährige den ehemaligen Fußballprofi aus Prien Maximilian Nicu kennen. Seit mehr als zehn Jahren sind die beiden nun Freunde und Nicu lotste Hauser zum TuS.

Hallo Herr Hauser, wie kam der Wechsel nach Prien genau zustande?
Florian Hauser: Nachdem ich Max in Berlin kennengelernt habe, ist der Kontakt nie ganz abgerissen, auch wenn er danach bei anderen Vereinen gespielt hat. Als ich 2017 beruflich nach München umgezogen bin, habe ich zuerst beim DJK Fasanengarten gespielt. Als Max seine Profikarriere beendete und dann in Prien das Traineramt übernommen hat, fragte er mich, ob ich auch kommen will. Dann habe ich mir das angeschaut und fand es super. Daraufhin bin ich beim TuS im Sommer 2019 eingetreten.
Wie gefällt es Ihnen bei TuS Prien?
Hauser: Es ist eine super coole Truppe und es gefällt mir sehr. Die Mannschaft ist sehr ehrgeizig. Ich gebe den jungen Spielern Ratschläge und bin der verlängerte Arm von Max. Ansonsten sehe ich mich als Motivator und Spaßvogel. Das Gemeinschaftsgefühl im Verein gefällt mir sehr. Ich habe einmal drei Tage, nachdem wir den Sparkassenpokal gewannen, in Prien verbracht und mit dem Team gefeiert. Danach wollte ich gar nicht mehr weg (lacht). Das Training und das Zusammensein geht mir aktuell schon ab. Ich kann mir mittlerweile sogar vorstellen, mal in die Gegend zu ziehen.

Viele Spiele bestritt Florian Hauser allerdings nicht. “Man kann die Pflichtspiele, die ich für Prien absolviert habe, an einer Hand abzählen. Aber es war von vornherein klar, dass ich mal da bin und mal nicht”, sagt der 29-Jährige. Der Grund dafür ist, dass Hauser, wenn er nicht selbst auf dem Platz steht, für DAZN Fußballspiele und Partien aus der NFL kommentiert.

Florian Hauser an seinem Arbeitsplatz. Der 29-Jährige bereitet sich etwa sechs bis acht Stunden auf ein Spiel vor.

Hauser machte eine Ausbildung im Eventmanagement und hat in diesem Bereich auch gearbeitet. 2016 wurde er zunächst nebenberuflich Sportreporter bei DAZN, was er seit 2018 hauptberuflich macht. Dazu seit 2017 Pressesprecher bei der SpVgg Unterhaching, wo er auch als Moderator für Haching TV und Stadionsprecher tätig war.

Wie kam es dazu, dass Sie bei DAZN gelandet sind?
Hauser: Durch meine Kontakte zu Sascha Bigalke und Maximilian Nicu, sowie meine Arbeit bei Unterhaching, habe ich mir ein Netzwerk im Fußball aufgebaut. Kenne deutschlandweit sehr viele Spieler, Funktionäre und Co. Max wurde damals von DAZN gefragt, ob er als Experte Spiele begleiten möchte und dabei hat er mich als Kommentator vorgeschlagen. Weil ich immer einen Kommentar auf den Lippen habe, dachte er wohl, dass ich das kann (lacht). Danach wurde ich zu einem Casting eingeladen und dort habe ich überzeugt.
Das klingt eher nach Zufall als geplant.
Hauser: Ja, das Ganze kam aus dem Nichts. Aber ich bin Chris Nicu, Bruder von Max, der den Kontakt in erster Linie herstellte durch seine langjährige Tätigkeit in der TV Branche, und DAZN sehr dankbar, dass ich die Chance bekommen habe. Ich wollte mich auch unbedingt durchsetzen.
War das Ihr Traumberuf?
Hauser: Mein Vater hat mal zu mir gesagt, dass ich schon im Alter von drei Jahren immer alles kommentiert habe. Ich war schon immer eine “Rampensau” und liebe Fußball, habe im Amateurbereich immer alles kommentiert und war nie ruhig. Deshalb kann ich das als meinen Traumberuf bezeichnen. Ich bin sehr dankbar, als Quereinsteiger die Chance bekommen zu haben, mein Hobby zum Beruf zu machen.
In welchen Bereichen werden Sie bei DAZN eingesetzt?
Hauser: Ich kommentiere Fußballspiele kreuz und quer durch alle Ligen, überwiegend die europäischen Topligen. Dazu Champions- und Europa League. Außerdem werde ich bei Spielen in der Amerikanischen Football League NFL eingesetzt.
Wie bereiten Sie sich auf ein Spiel als Kommentator vor?
Hauser: Ich schaue mir die gängigsten und wichtigsten Statistiken an und durchforste die jeweiligen Medien über die Spieler und die Vereine, um immer auf dem neuesten Stand zu sein. Dazu schaue ich mir Pressekonferenzen vor den jeweiligen Spielen an und schaue mir die letzten Partien beider Teams an. Einen Tag davor informiere ich mich beispielsweise über die Plattform transfermarkt.de über die einzelnen Spieler und ihre Statistiken. Dabei geht es auch darum, ob etwas besonderes ansteht wie beispielsweise sein 100. Einsatz für sein jeweiliges Team.
Wie lange dauert so eine Vorbereitung auf ein Spiel?
Hauser: In der Regel brauche ich dafür etwa sechs bis acht Stunden. Ich habe den eigenen Anspruch an mich selbst, top vorbereitet auf das Spiel zu sein und bei der Vorbereitung nichts auszulassen. Bei einem Spiel in der NFL dauert die Recherche vorab ein wenig länger.
Wie viele Spiele kommentieren Sie pro Woche?
Hauser: Das ist schwer zu sagen, weil das doch sehr unterschiedlich ist. Aber im Monat sind es zwischen acht und zwölf Einsätze.
Bei DAZN ist es meist üblich, dass ein Experte mit Ihnen zusammen ein Spiel kommentiert. Macht das die Aufgabe leichter?
Hauser: Ich persönlich finde das super cool und empfinde das als tolle Ergänzung. Sie liefern den Zuschauern mit ihrem Fachwissen einen Mehrwert. Ich nehme mich bezüglich taktischer Analysen gerne zurück, weil unsere Experten über mehr Erfahrung verfügen, da sie schon einige Jahre im Fußball auf dem Buckel haben. Es herrscht immer eine lockere Atmosphäre, ohne dass die Professionalität, die genauso dazugehört, abhanden kommt.
Sie kommentieren auch Spiele mit ihrem Freund Maximilian Nicu. Wie kann man sich das in der Kommentatorenkabine vorstellen?
Hauser: Es macht sehr viel Spaß. Normalerweise tausche ich mich vorab mit meinen Experten aus, über was wir in dem jeweiligen Spiel sprechen wollen. Bei Max brauche ich das aber in der Regel nicht. Wir kennen uns ja seit einigen Jahren und jeder von uns kennt die ganz persönliche Art und den Humor des anderen. Da können wir auch mal einen Witz machen. Zudem sind wir gut aufeinander abgestimmt.
Haben Sie ein Credo, das Sie bei Ihrem Job als Kommentator beherzigen?
Hauser: Am Ende des Tages zählt immer, dass ich zusammen mit meinem Experten die Show des Spiels nicht stehle. Es geht nicht um uns und was wir erzählen, sondern das Spiel muss immer im Fokus stehen. Wir bereichern mit Analysen, Geschichten und Unterhaltung das Erlebnis des Sportevents an den Bildschirmen.
Herr Hauser, vielen Dank für das Interview.

ma

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