Der Kreisligist verrät seine Ziele für dieses Jahr

SV Westerndorf blickt auf 2020 zurück: „Wir müssen sparsam wirtschaften“

Spieler SV Westerndorf freuen sich über ein Tor.
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Der SV Westerndorf will mit einem Sieg gegen den Verfolger TuS Prien einen großen Schritt Richtung Meisterschaft machen.

Die Fußballvereine aus der Region standen 2020 vor großen Herausforderungen. beinschuss.de hat beim Kreisligisten SV Westerndorf St. Peter nachgefragt, wie der Verein auf das vergangene Jahr zurückblickt, wie sich die Corona-Pandemie auswirkt und welche Wünsche der Klub für 2021 hat.

Rosenheim - Die Corona-Pandemie wirkte sich im vergangenen Jahr auch auf die Fußballvereine aus der Region aus und stellte diese vor große Herausforderungen. beinschuss.de blickt mit den Klubs aus der Region auf 2020 zurück und fragte nach, wie sehr sich die Auswirkungen der Corona-Pandemie im Verein bemerkbar machen und ob es trotzdem schöne Momente gab. Zudem blicken wir auf 2021 und die Klubs verraten, was sie sich für 2021 wünschen.

SV Westerndorf: „Wir planen kein größeres Fest, außer die Aufstiegsparty!“

Nun beantwortete Klaus Jordan, 1. Vorstand des Kreisligisten SV Westerndorf St. Peter, die Fragen von beinschuss.de:

Hallo Herr Jordan, wie lautet aus Sicht eures Vereins die Bilanz des vergangenen Jahres?
Klaus Jordan: Die Bilanz sieht naturgemäß „durchwachsen“ aus. Positiv in 2020 waren die sportlichen Ergebnisse der Herren- und Jugendmannschaften. Unsere Kreisligamannschaft hat den ersten Platz verteidigt. Die Jugendmannschaften haben zum Teil sehr erfreuliche Ergebnisse eingespielt und können überall gut mithalten. Sehr positiv in 2020 war, dass wir mit Thomas Neumeier einen neuen Jugendleiter gewinnen konnten, der unsere Jugendarbeit auf hohem Niveau noch weiter nach vorne bringen wird. An dieser Stelle nochmal ein herzliches Dankeschön an Georg Huber und sein Team, die das bisher so erfolgreich gestaltet haben. Zu den negativen Seiten des Jahres 2020 braucht man nicht viel zu sagen, das spüren alle Vereine gleichermaßen. Für uns als SV Westerndorf ist 2020 schon schrecklich losgegangen, mit dem Unfalltod unseres beliebten Spieler und Freund Matthias Zagler. Damit haben wir immer noch zu tun.
Wie wirkt sich die lange Aussetzung des Trainings- und Spielbetriebs auf euer Vereinsleben, auch hinsichtlich möglicher Abmeldungen von Mitgliedern, aus?
Jordan: Natürlich schmerzt es sehr, dass unsere Sportler bei den sehr guten Trainingsbedingungen über viele Monate gar nicht oder nur eingeschränkt trainieren konnten. Gerade den Jugendlichen ist die Sehnsucht nach einem ungezwungenen, geregelten Trainings- und Spielbetrieb anzumerken. Aber in dieser Ausnahmesituation muss man sich an die Vorgaben halten, was unsere jungen Sportler und die Trainer bislang hervorragend gemacht haben. Klar ist im Vereinsleben viel weggefallen und gerade die sozialen Kontakte sind für die heutige Jugend in unserer Gesellschaft eminent wichtig. Unser Nachwuchs hält aber zusammen und so hat es bislang nur wenige Abmeldungen gegeben. Aber es ist noch nicht vorbei, weshalb man noch kein abschließendes Fazit ziehen kann. Ich denke nur daran, dass wir im Sommer Spieler in den Herrenbereich bekommen, die in zwei Jahren keine zehn A-Junioren-Spiele bestritten haben und womöglich auch im Frühjahr kaum auf den Herrenfußball vorbereitet werden können. Vielleicht sollte sich der BFV darüber noch einmal Gedanken machen.
Das Thema „Finanzen“ ist im Profibereich allgegenwärtig. In eurem Verein auch?
Jordan: Natürlich gehen uns auch Einnahmen ab. Unter anderem die Zuschauereinnahmen aus den Kreisligaspielen und natürlich die Bewirtung dieser Zuschauer im Vereinsheim nach den Spielen. Da klafft eine große Lücke, die wir so nicht schließen können. Wir müssen halt sparsam wirtschaften. Aber klar ist auch, dass ein Vergleich mit dem Profibereich nicht zulässig ist, bei uns läuft halt doch das meiste ehrenamtlich. Bedanken möchte ich mich bei allen Trainern und Übungsleitern, die gewisse Einschnitte zu ertragen hatten, und das immer zum Wohl des Vereins mitgetragen haben.
Gab es für euch als Verein in diesem Jahr schöne Momente? Wenn ja welche?
Jordan: Es war schön zu sehen, wie der Verein und vor allem die Fußballabteilung mit dem Trauerfall Matthias Zagler umgegangen ist und wie da alle zusammen gehalten haben – das war beeindruckend. Angefangen vom Abteilungsleiter über Trainer und Spieler, das war wirklich ein Verein!
Wie habt ihr im Verein den Re-Start im September erlebt?
Jordan: Sehr schwierig, weil wir kaum Vorbereitungsspiele im August hatten, die wurden alle kurzfristig wegen diverser Corona-Fälle bei den Gegnern abgesagt. So gingen wir mit relativ wenig Spielpraxis in die ersten Spiele, und die liefen dann auch nicht ganz glücklich für uns (2:3-Niederlage gegen Prien, 4:4-Remis in Pang, 2:2-Remis gegen Au). Aber auch hier zeigte die Mannschaft und der Trainer Stefan Mayr wirkliche Kämpfertugenden, und sie spielten sich aus dieser Phase beeindruckend zurück. Was dann vom Verband sehr unglücklich angesetzt wurde, war der unsägliche Pokal – statt die Liga weiterzuspielen, wurden auf einmal Pokalspiele terminiert – das war eher seltsam.
Stehen in diesem Jahr im Verein besondere Highlights oder Feste an, solange die Corona-Pandemie dies zulässt?
Jordan: Ich würde uns allen raten, das Jahr 2021 nicht mit Plänen zu überfrachten – ich wäre schon froh, wenn wir wieder eine einigermaßen „normale“ Situation hätten, was den Verein und auch das Leben allgemein betrifft. Nein, wir planen kein größeres Fest, außer die Aufstiegsparty!
Welche sportliche Ziele habt ihr als Verein im Herren- und Jugendbereich in diesem Jahr?
Jordan: Bei der ersten Herrenmannschaft geht es ganz klar um den Titel und den Aufstieg: Wir haben zwei Punkte Vorsprung und zwei Spiele weniger als unser erster Verfolger – bei noch acht ausstehenden Spielen, da kann es nur ein Ziel geben. Unsere 2. Mannschaft in der B-Klasse sollte sich weiterhin in der Verfolgungsgruppe aufhalten können, für ganz vorne wird es nicht reichen, aber auch das ist in Ordnung für die Truppe. Unser Ziel im Nachwuchs ist die persönliche Weiterentwicklung der Spieler und unserer Jugendtrainer. Unsere jungen Spieler zeigen eine hohe Identifikation mit dem Verein und wir sind dazu verpflichtet, ihnen eine gute Ausbildung zu bieten und den Weg in unsere Herrenteams zu bereiten. Mit unseren Neuverpflichtungen Thomas Neumeier als neuem Jugendleiter und Heiko Drube als neuem leitenden Trainer für das sehr engagierte Trainerteam im A- und B-Jugendbereich haben wir zwei Verstärkungen hinzubekommen, deren höherklassige Vita wir im Nachwuchsbereich unseres Vereins noch nie hatten und deshalb zuversichtlich in die Zukunft schauen können. Zudem haben wir viele weitere engagierte Trainer im Nachwuchs, darunter auch Spieler der Herrenteams, der A- und B-Junioren, die wir ebenfalls fördern wollen. Wir hoffen, dass wir in Deutschland das Pandemie-Geschehen bald in den Griff bekommen, damit alle wieder fleißig trainieren und dann richtig angreifen können.
Zum Abschluss: Welche Wünsche habt ihr aus Sicht des Vereins für das Jahr 2021?
Jordan: Als Verein wünschen wir uns ein ruhigeres, normaleres Jahr 2021, und dass wir verschont bleiben von solchen Schicksalsschlägen wie im vergangenen Jahr. Für die Fußballabteilung wünschen wir uns, dass unser neuer Trainer Markus Wallner ein ähnlich glückliches „Händchen“ im Umgang mit den Spielern hat wie unser scheidender Coach Stefan Mayr. Insgesamt wünsche ich uns allen ein etwas bescheideneres Auftreten – das vergangene Jahr hat doch allen deutlich gemacht, was wirklich zählt!
Herr Jordan, vielen Dank für das Interview.

ma

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