Beinschuss-Serien-Interview vor dem Re-Start

Inzells Schaffler: „Hoffe Verband kommt zur Einsicht und führt Saison nicht fort“

Michael Schaffler vom Kreisligisten SC Inzell im Portät.
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Die Vorfreude auf das erste Spiel ist bei Schaffler Michael vom SC Inzell nicht besonders groß.

Inzell - Langsam kehren die bayerischen Vereine und Fußballer zur Normalität zurück. Training mit Körperkontakt und Testspiele sind wieder erlaubt. beinschuss.de hat bei Michael Schaffler vom SC Inzell nachgefragt, wie groß die Vorfreude auf das erste Training war und wie er zum Start des Spielbetriebs steht.

Die Corona-Zwangspause ist nun auch für die bayerischen Amateurfußballer vorbei. Bereits Anfang Juli hat die bayerische Staatsregierung entscheiden, dass Training mit Körperkontakt erlaubt ist. Damit konnten die Vereine und Spieler nach Monaten wieder richtig trainieren. Am Mittwoch, den 29. Juli, gab das bayerische Innenministerium dann auch den Spielbetrieb wieder frei, sodass die Klubs nun endlich die ersten Testspiele austragen können.

beinschuss.de fragt bei den Spielern aus der Region nach, wie sie die fußballfreie Zeit verbracht haben, ob einem Teamkameraden der Trainingsrückstand anzumerken war, wie groß die Vorfreude auf das erste Spiel ist und wie sie zum Ligapokal stehen. Michael Schaffler vom Kreisligisten SC Inzell stellt sich nun den Fragen.

Hallo Herr Schaffler, wie haben Sie die Corona-Zwangspause ohne Fußball überstanden?
Michael Schaffler: Insgesamt glücklicherweise sehr gut. Familie, Freunde und ich selbst sind alle gesund geblieben, das war mal das Wichtigste. Ansonsten konnte ich die frei gewordene Zeit sehr gut nutzen. Arbeit, persönliche Projekte und natürlich auch individueller Sport (Laufen, Berggehen, Mountainbiken und Zirkeltraining) haben diese Zeit sofort gefüllt. Die Frage wird eher sein, wie zukünftig der zeitintensive Fußball wieder in den Alltag passen soll.
Es herrschte wochenlange Trainingspause: Wie sehr haben Sie sich auf das erste Mannschaftstraining gefreut und wie war das Wiedersehen mit den Teamkameraden? Hat man einem Mitspieler den Trainingsrückstand angemerkt?
Schaffler: Teilweise ja, teilweise nein. Natürlich war es schön die Teamkameraden nach langer Zeit wieder zu sehen und zu wissen, dass es allen gut geht. Trainingsrückstand, zumindest konditionell, ist keiner erkennbar. Fussballspezifisches, wie beispielsweise Schnellkraft, Spritzigkeit, Ballbehandlung, Pass- und Schusspräzision, ist ohne Training natürlich in den letzten Wochen/ Monaten zu kurz gekommen.
Haben Sie in ihrem Verein besondere Hygiene-Maßnahmen getroffen?
Schaffler: Wir halten uns an die vom Verband vorgegebenen und die generell geltenden Hygiene-Maßnahmen.
Wie groß ist Ihre Vorfreude auf das erste Spiel?
Schaffler: Ehrlich gesagt ist keine Vorfreude da, eher Ärger, dass wir mehr oder minder gezwungen
werden die weiteren Saisonspiele zu spielen, um nicht zwangsabsteigen zu müssen. Wir befinden uns immer noch in Mitten der Corona-Pandemie. Insbesondere in Zeiten von ansteigenden Infektionszahlen, Abstands- und Maskengeboten, halte ich es für unangemessen und auch für nicht geboten, wenn Kontaktsport wieder ausgeübt „werden muss“, da von Verbandsseite unbedingt auf eine Saison-Fortsetzung gedrängt wird. Ich persönlich halte es für verantwortungslos. Sollte es im Training oder in Spielen, in der eigenen oder auch der gegnerischen Mannschaft zu einer Infektion oder auch „nur“ zu einem positiven Corona-Test kommen, was sind die Folgen? Wer übernimmt die Verantwortung für die gesundheitlichen Folgen? Noch ist völlig unklar, welche negativen Langzeitfolgen der Virus auf den menschlichen Organismus hat. Auch weiß niemand, wie die akuten Beschwerden auf eine mögliche Virusinfektion sind. Des Weiteren werden die möglichen Folgen von Quarantäne-Maßnahmen meiner Meinung nach völlig außer Acht gelassen. Was passiert mit selbstständig und freiberuflich tägigen Spielern, Betreuern, Trainern und deren Familien und Betriebe? Auch bei Angestellten und deren Betriebe? Sollen alle zwei Wochen zu Hause bleiben, wegen einem Fußballspiel, wegen Fußballtraining? In meinen Augen verantwortungslos hier ein solches absolut vermeidbares Risiko einzugehen!
Glauben Sie, dass die Saison im September fortgeführt werden kann und der Spielbetrieb problemlos verläuft?
Schaffler: Ich hoffe, dass von Verbandsseite noch Einsicht kommt und die Saison im September nicht
fortgeführt wird, sondern frühestens nächstes Jahr im Frühjahr, sofern die Pandemie überwunden ist oder eine Impfstoff verfügbar ist. Die Risiken aktuell sind meiner Meinung nach nicht tragbar.
War es aus Ihrer Sicht richtig, die Saison 2020/21 zu streichen und die aktuelle Saison fortzuführen?
Schaffler: Nein, aus meiner Sicht hätte die Saison abgebrochen werden sollen.
Wie lautet Ihre Meinung zum Ligapokal? Ist das für Sie ein interessanter Zusatzwettbewerb?
Schaffler: Nein, zum einen nicht interessant und zum anderen sind die damit zusammenhängenden Risiken nicht tragbar.
Haben Sie Bedenken aufgrund des Coronavirus‘s wieder Fußball zu spielen oder machen Sie sich dahingehend keine Gedanken?
Schaffler: Ja ich habe Bedenken! Warum habe ich zuvor schon ausführlich erklärt.
Zum Abschluss: Was sind Ihre persönlichen Ziele für die restliche Saison und welche Ziele habt ihr euch als Mannschaft gesteckt?
Schaffler: Ich möchte gesund bleiben und mich nirgendwo unnötigerweise anstecken. Ebenso hoffe ich, dass meine Mannschaft und alle gegnerischen Mannschaften gesund bleiben. Alles Weitere ist nebensächlich.

Danke für das Interview.

ma

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