Beinschuss-Serien-Interview vor dem Re-Start

Altenmarkts Schmid: „Der bayerische Einzelweg ist für mich die schlechteste Lösung

Josef Schmid trägt das rote Trikot des TSV Altenmarkt.
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Josef Schmid vom Kreisligisten TSV Altenmarkt glaubt nicht, dass der Re-Start ohne Probleme funktioniert.

Altenmarkt - Langsam kehren die bayerischen Vereine und Fußballer zur Normalität zurück. Training mit Körperkontakt und Testspiele sind wieder erlaubt. beinschuss.de hat bei Josef Schmid vom TSV Altenmarkt nachgefragt, wie groß die Vorfreude auf das erste Training war und wie er zum Start des Spielbetriebs steht.

Die Corona-Zwangspause ist nun auch für die bayerischen Amateurfußballer vorbei. Bereits Anfang Juli hat die bayerische Staatsregierung entscheiden, dass Training mit Körperkontakt erlaubt ist. Damit konnten die Vereine und Spieler nach Monaten wieder richtig trainieren. Am Mittwoch, den 29. Juli, gab das bayerische Innenministerium dann auch den Spielbetrieb wieder frei, sodass die Klubs nun endlich die ersten Testspiele austragen können.

beinschuss.de fragt bei den Spielern aus der Region nach, wie sie die fußballfreie Zeit verbracht haben, ob einem Teamkameraden der Trainingsrückstand anzumerken war, wie groß die Vorfreude auf das erste Spiel ist und wie sie zum Ligapokal stehen. Josef Schmid vom Kreisligisten TSV Altenmarkt stellt sich nun den Fragen.

Hallo Herr Schmid, wie haben Sie die Corona-Zwangspause ohne Fußball überstanden?
Die Pause habe ich persönlich sehr gut überstanden. Da ich in einer systemrelevanten Einrichtung arbeite, hatte ich eine regelmäßige, herausfordernde Tätigkeit. Sportlich bekamen wir von den Trainern Anreize in Form von Stabi- und Laufübungen. In unserem WhatsApp-Chat haben wir beispielsweise immer Laufstrecken verglichen. Wir haben uns dann gegenseitig ein wenig angestachelt, um so die Zeiten zu verbessern.
Es herrschte wochenlange Trainingspause: Wie sehr haben Sie sich auf das erste Mannschaftstraining gefreut und wie war das Wiedersehen mit den Teamkameraden?
Das erste Training war geprägt von Unsicherheit im Umgang mit den Hygieneregeln. Was dürfen wir? Was nicht? Was passiert, wenn jemand unabsichtlich dagegen verstößt? Es war dann aber eine lockere Einheit mit Abstand und natürlich ohne Zweikämpfe. Er war super, die Jungs wieder persönlich zu treffen und gemeinsam auf dem grünen Rasen zu stehen. Selbstverständlich gab es einige Spiele, die haben es ein wenig schleifen lassen. Werde natürlich keine Namen nennen, das wissen die betreffenden selber (lacht). Der Großteil aber hat sich eigenständig sehr fit gehalten.
Haben Sie in ihrem Verein besondere Hygiene-Maßnahmen getroffen?
Wir haben unser Hygienekonzept wirklich voll durchgezogen, mit Händedesinfektion, Ball nicht in die Hand nehmen, nicht duschen und vieles mehr. Nach wie vor versuchen wir, einen guten Weg zu finden zwischen sinnvollem Training und dem Umsetzen der Regeln. Etwas Spezielles ist da aber nicht dabei.
Wie groß ist Ihre Vorfreude auf das erste Spiel?
Die Vorfreude hat kurz einen Dämpfer erhalten, als mitgeteilt wurde, dass bis Mitte August keine Freundschaftsspiele stattfinden dürfen. Mittlerweile hat sich das ja wieder geändert und natürlich war die Vorfreude groß – schließlich trainiert man ja, um sich im Spiel zu messen.
Glauben Sie, dass die Saison im September fortgeführt werden kann und der Spielbetrieb problemlos verläuft?
Ich persönlich bin nach wie vor sehr skeptisch, dass das im September ohne Probleme verläuft. Schon allein der Gedanke, dass ein Spieler einer Mannschaft positiv getestet wird, bereitet mir Kopfzerbrechen hinsichtlich der Entscheidung des BFV die Saison fortzuführen. So einfach, wie sich der Verband das vorstellt, wird das mit Sicherheit nicht.
War es aus Ihrer Sicht richtig, die Saison 2020/21 zu streichen und die aktuelle Saison fortzuführen?
Meiner Meinung nach hätte die jetzige Saison abgebrochen und mit der neuen Saison so lange gewartet werden sollen, bis ein sicherer Spielbetrieb gewährleistet ist. Eine bundesweite Lösung hätte ich mir gewünscht, diese wäre sicher nicht so einfach realisierbar gewesen. Den bayerischen Einzelweg halte ich für die schlechteste Lösung. Sie beruht auf einer Abstimmung der Vereine, die weit zurückliegt und bei der Pro und Contra ungleich präsentiert wurde. Es wurde deutlich, auf was der BFV raus will und das Ergebnis sprach dann eine deutliche Sprache. Ich bin mir sicher, dass eine neuerliche Abstimmung unter fairen Ausgangsbedingungen und mit dem heutigen Kenntnisstand, einen anderen Ausgang bringen würden.
Wie lautet Ihre Meinung zum Ligapokal? Ist das für Sie ein interessanter Zusatzwettbewerb?
Für mich eine sehr Interessante Alternative, in der jetzigen Zeit halte ich ihn aber für völlig fehl am Platz. Hier hätte man die Energie, ein solches System auszutüfteln, lieber in wichtigere Aufgaben stecken sollen, die beim Verband anstehen.
Haben Sie Bedenken aufgrund des Coronavirus‘ wieder Fußball zu spielen oder machen Sie sich dahingehend keine Gedanken?
Natürlich spielen die Gedanken eine Rolle. Was passiert, wenn ein Mit- oder Gegenspieler positiv getestet wird? Welche Auswirkungen hat das für mich und mein Umfeld (Familie, Arbeit, …)? Jeder hat eine andere Sicht auf diese Dinge. Trotzdem müssen respektvoll und vorausschauend miteinander umgehen und die derzeitigen Hygienemaßnahmen berücksichtigen. Nur so können wir die Gefahren auf ein Minimum reduzieren und uns auf den Sport konzentrieren.
Zum Abschluss: Was sind Ihre persönlichen Ziele für die restliche Saison und welche Ziele habt ihr euch als Mannschaft gesteckt?
Persönlich steht für mich im Vordergrund fit zu bleiben, um weiterhin Spieler für den Sport begeistern zu können. Meine Befürchtung ist, dass für viele, die die (fußball-)freie Zeit für andere Hobbys genutzt haben, der Fußball zu zeitaufwendig geworden ist. Darunter werden einige Amateurteams, vor allem die 2. Mannschaften, leiden. Als Mannschaft wollen wir, sofern die Saison fertig gespielt wird, mit beiden Herren-Teams den Klassenerhalt so schnell wie möglich sichern.

Danke für das Interview!

ma



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