Keine Saison 2020/21 im bayerischen Amateurfußball

Kastl kritisiert BFV scharf: "Wie ein Machthaber, maßregelt und erteilt Vorgaben"

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Kastl - Keine Saison 2020/21 im Herren- und Frauenbereich im bayerischen Amateurfußball. Diese Nachricht sorgte am vergangenen Wochenende für Aufsehen und Diskussionen. Beinschuss.de hat beim Landesligisten TSV Kastl nachgefragt, wie sie zu diesem Beschluss stehen.

Wie der Bayerische Fußball-Verband am Wochenende bekannt gab, wird es keine Saison 2020/21 im Erwachsenenbereich im bayerischen Amateurfußball geben. Die Gründe, die für den BFV für den Ausfall der kommenden Saison gesprochen haben, sind unter anderem, dass noch zu viele Spiele in der Liga und Pokal anstehen und dass aufgrund der unterschiedlichen Wetterbedingungen in den Regionen nur bis Mitte November gespielt werden kann. Beinschuss.de hat bei Jochen Brehm, Sportlicher Leiter und stellvertretender Abteilungsleiter des Landesligisten TSV Kastl, nachgefragt, wie der Verein zu diesem Beschluss steht.

Hallo Herr Brehm, danke, dass Sie sich die Zeit für ein Interview genommen haben. Wie steht ihr zu der BFV-Entscheidung?

Brehm: "Der Herrscher über die bayrischen Fußballvereine, der BFV, hat entschieden. Ob das Votum sauber verlaufen ist inklusive der Vorarbeit und der Aufklärung aller Vereine im Vorfeld, bleibt für uns fraglich. Ehrlich gesagt können wir diese Entscheidung nicht nachvollziehen. Anfangs der Corona-Pandemie war der BFV noch relativ kooperativ, war auf gemeinsame Lösungsansätze aus. Es fanden Webinare statt und plötzlich kommt eine Hiobsbotschaft nach der anderen! Der BFV bezeichnet sich als Dienstleister für die Verein im Amateurbereich, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Sie treten auf wie ein Machthaber, maßregeln und erteilen Vorgaben, welche umzusetzen sind. Warum der BFV so reagiert, agiert und auf die Fortsetzung der Saison bzw. den Ausfall der Saison 2020/2021 beharrt, bleibt mit großen Fragezeichen versehen. Man könnte fast glauben hier wird nicht mit offenen Karten gespielt. Bundesweit wurde die Saison 2019/2020 abgebrochen (19 Verbände von 21) und jetzt soll man bis Mitte 2021 die alte Saison 2019/2020 fertig spielen. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, wir sprechen hier von gut 13 Monaten wo eventuell eine neue Spielzeit starten soll und Turniere durchgezogen werden sollen, die nichts bringen und wertlos sind, wo der BFV, ohne einen Finger zu krümmen, bei jeder Veranstaltung abkassiert!"

Ein Abbruch wäre aus eurer Sicht damit die bessere Entscheidung gewesen? 

Brehm: "Ja ganz klar: Abbruch! Die anderen Verbände haben es doch vorgemacht. Warum muss hier der BFV einen Sonderweg gehen? Klagen, Rechtsansprüche, Verfahren sind zu befürchten, hört man immer wieder von BFV-Seite. Der Haftungsausschluss für die Verantwortlichen der Vorstandschaft des BFV wurden umgehend genehmigt. Wir als Verantwortlichen sollen/müssen jetzt schon unseren Kopf hinhalten gegenüber unseren Verpflichtungen (Verträge mit Trainer, Sponsoren....). Es ist wie im richtigen Leben. Es gibt Gewinner und Verlierer (z.B. Verein die aufsteigen könnten). Ein Abbruch mit der Entscheidung die beiden führenden der Tabelle aufsteigen zu lassen, dafür keine Absteiger und eine Saison mit größerer Liga durchführen, wäre auch ein Ansatz gewesen, der wohl organisatorisch nicht diese Herausforderungen ergeben hätte.

Sind für euch die versprochenen Zusatzangebote ausreichend bzw. was versprecht ihr euch davon?

Brehm: "Was soll man sich hier versprechen, Spiele um die goldene Ananas? Viel organisatorischer Aufwand, Bereitstellung der Spielstätte und Unkosten für die Vereine, die als Veranstalter auftreten. Wie bereits erwähnt, der BFV setzt die Turniere an, kassiert und wenn man nicht teilnimmt oder bereit ist, zahlt man Strafe, wie bei jedem vergehen Seitens BFV. Immer schön die Hand aufhalten..."

Habt ihr durch den Beschluss die Befürchtung, dass Spieler und Sponsoren abspringen werden?

Brehm: "Man hat null Planungssicherheit und alles ist auf Standby gesetzt. Egal ob bei Trainern, Spielern oder Neuverpflichtungen und auch bei den Sponsoren. Wie soll man hier argumentieren? Keiner weiß, was in gut einem Jahr ist. Gespräche verlaufen teilweise im Sand, weil die Unsicherheit zu groß ist, wann und wie es weitergehen wird. Auch das nun geöffnete Transferfenster mit den bekannten Rahmenbedingungen macht es für finanziell nicht so gutbetuchte Vereine schwer sich zu verstärken. Da aktuell keiner weiß, wie, wann und mit welchen Voraussetzungen irgendwann mal wieder Fußball gespielt wird, ist es aktuell ganz schwierig Nägel mit Köpfen zu machen. Zu befürchten ist, das finanzstarke Vereine sich bei anderen Vereinen, so wie z.B. bei uns, bereichern. Das ist eine klare Wettbewerbsverzerrung."

Danke für das Interview.

ma



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