Beinschuss-Direkt: Besessenheit, eine klare Philosophie und Clarence Seedorf

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van Lierop (li.) mit Beinschuss-Redakteur Tobias Ruf

Beinschuss hat den sportlichen Leiter des Deutschen Fußball Internats Percy van Lierop getroffen und dabei eine Person kennenlernen dürfen, die für den Fußball lebt, eine bemerkenswerte Philosophie verfolgt und den ein oder anderen ganz großen Star persönlich kennt.

Beinschuss hat den sportlichen Leiter des Deutschen Fußball Internats Percy van Lierop getroffen und dabei eine Person kennenlernen dürfen, die für den Fußball lebt, eine bemerkenswerte Philosophie verfolgt und den ein oder anderen ganz großen Star persönlich kennt.

Beinschuss: Herr van Lierop. Sie sind nun seit knapp einem Jahr Teil des DFI. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Percy van Lierop:Absolut positiv. Ich passe zu 100 Prozent zum DFI in Bad Aibling. Das ist eine tolle Einrichtung, an der ich mich verwirklichen kann.

Was hat Sie bewegt, nach Bad Aibling zu wechseln?

Van Lierop: Ich habe das DFI nicht gekannt und es mir im vergangenen September angeschaut. Ich war sofort begeistert, weil hier ein klares Konzept vorherrscht, das mit meinen Vorstellungen identisch ist. Das ist genial und war natürlich einer der Beweggründe hier nach Bad Aibling zu kommen. Außerdem ist es wichtig, dass hier alles in eigener Hand liegt. Die Geschäftsführer stecken mit ihrem Privatvermögen in diesem Projekt und sind entsprechend engagiert.

Sie waren über sieben Jahre lang der Jugendkoordinator bei der Red Bull-Academy. Dann sind Sie von heute auf morgen von Ihren Aufgaben entbunden worden. Kam das überraschend für Sie?

Van Lierop: So läuft es manchmal leider im Fußball. Man kann nicht langfristig planen, das macht es nicht leichter. Aber ich will nicht nachtreten, ich habe unheimlich viel bei Red Bull gelernt und mich fachlich wie auch persönlich weiterentwickelt. Es war eine schöne Zeit dort, aber jetzt bin ich mit meiner neuen Aufgabe glücklich.

 Haben Sie noch Kontakt nach Salzburg? Wie beurteilen Sie die dortige Entwicklung?

Van Lierop: Natürlich habe ich noch ein Auge auf die Entwicklungen bei Red Bull. Aber das wird immer weniger. Grundsätzlich muss ich sagen, dass die neue Art, wie dort ausgebildet wird, ohnehin nicht mit meinen Vorstellungen übereinstimmt. Ich bin darauf bedacht, individuelle Spieler auszubilden, die sich durch hohe Flexibilität und eine starke und gefestigte Persönlichkeit auszeichnen. Bei Red Bull wird eher in ganzen Mannschaften gedacht. Verstehen Sie mich nicht falsch, auch ich bin ein absoluter Teamplayer und möchte meine Spieler entsprechend ausbilden. Aber ein starkes Individuum kann in jedem Team funktionieren, das ist meine zentrale Idee!

Sie sind bereits mit 16 Jahren Trainer geworden und noch keine 40 Jahre alt. Entwickelt man sich da überhaupt noch weiter?

Van Lierop: Auf jeden Fall. Jeder Mensch entwickelt sich immer weiter, egal wie alt er ist oder wie lange er schon einen Beruf ausübt. Man macht immer neue Erfahrungen und lernt natürlich daraus.

Was ist das bei Ihnen im Detail?

Van Lierop: Ich werde wie so viele Menschen im Alter immer ruhiger und gelassener. Viele junge Trainer sind sehr hektisch und zu ambitioniert. Mit der Zeit lernt man einfach, die Prioritäten klarer zu setzen.

Erklären Sie unseren Lesern doch einmal, was aus Ihrer Sicht einen guten Trainer ausmacht.

Van Lierop: Es gibt vier wichtige Komponenten. Ein guter Trainer muss sich immer ins zweite Glied stellen. Er muss alles dafür tun, den Spieler besser zu machen, menschlich und fußballerisch. Dann muss er von diesem Spiel besessen sein. Ohne Liebe zum Fußball geht es nicht. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass er über hohe soziale Kompetenz verfügen muss. Er muss situativ erkennen, was ein Spieler braucht und taktisch-technisch natürlich ein absoluter Fachmann sein.

Sind Sie selbst sein Fußball-Besessener?

Van Lierop: Ja, definitiv. Für mich gibt es nur Fußball.

Das DFI ist eine echte Erfolgsgeschichte. Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe dafür?

Van Lierop: Hier ist alles in eigener Hand, die Inhaber sind mit Ihrem Privatvermögen beteiligt. Alle Mitarbeiter stehen unter der gleichen Führung, das vermeidet Interessenkonflikte und steigert die Qualität.

Welchen Teil tragen Sie zu diesem Erfolg bei?

Van Lierop: Meine Aufgabe liegt ganz klar im sportlichen Bereich. Ich bin dafür zuständig, Spieler zu kreieren, die den Weg ins Profigeschäft schaffen und zudem über eine starke Persönlichkeit verfügen.

Wohin führt der Weg in den kommenden Jahren?

Van Lierop: Zunächst ist es aus sportlicher Sicht nicht wichtig, jeden Tag größer zu werden. Ich habe hier mein Konzept etabliert und jetzt ist das Wichtigste, im Detail besser zu werden.

Sehen Sie Ihre persönliche Zukunft hier in Bad Aibling?

Van Lierop:Das Beispiel Salzburg zeigt ja, dass man im Fußball nicht langfristig planen kann. Mein Ziel ist aber natürlich, so lange wie möglich beim DFI zu bleiben. Ich arbeite nach einem klaren Konzept, das einfach Zeit benötigt.

Johan Cruyff, Clarence Seedorf, Giovanni van Bronckhorst, Alex Ferguson oder Ricardo Moniz sind nur einige prominente Namen, die Ihnen in ihrem Fußballerleben begenet sind. Wer hat Sie am meisten geprägt bzw. beeindruckt?

Van Lierop: Da muss ich als erstes Clarence Seedorf nennen. Es gibt keinen Fußballer, der mich so beeindruckt hat. Ihn schätze ich aus verschiedenen Gründen. Er ist ein unglaublich weitsichtiger und lockerer Mensch. Zwei Minuten vor dem Anpfiff eines Champions-League-Finals war er noch unheimlich entspannt. Aber mit dem Spielbeginn war er die Professionalität in Person. Dann noch Johan Cruyff. An ihm hat mir besonders der Team-Gedanke imponiert. Johan hat immer gesagt, dass er ohne seine Helfer im Hintergrund nie so ein guter Fußballer geworden wäre. Wiel Coerver, der leider nicht mehr lebt, hat mir viel über die Individualität eines Spielers beigebracht, das war für meinen weiteren Weg von großer Bedeutung.

Haben Sie noch Kontakt zu einem der ehemaligen Weggefährten?

Van Lierop: Ja, mit Clarence Seedorf habe ich noch Kontakt. Das bedeutet mir viel und ich kann an meine Jungs viele Sachen weitergeben, die ich bei Clarence sehe.

Ein Holländer in Oberbayern. Wie haben Sie sich persönlich eingelebt?

Van Lierop: Ja, mir und meiner Frau geht es sehr gut. Wir mögen die Natur, da sind wir natürlich goldrichtig in Bad Aibling. Und wenn wir mal etwas Lärm wollen, dann fahren wir nach München.

Vielen Dank für das Interview

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