Beinschuss-Direkt: "Hier entsteht etwas Großes"

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Hansjörg Kroneck (li.) im Gespräch mit Tobias Ruf

Seit dieser Saison ist er der neue Sportliche Leiter beim TSV 1860 Rosenheim und er hat Großes vor. In dieser Woche ist Hansjörg Kroneck der Gesprächspartner bei Beinschuss-Direkt!

Seit dieser Saison ist er der neue Sportliche Leiter beim TSV 1860 Rosenheim und er hat Großes vor. In dieser Woche ist Hansjörg Kroneck der Gesprächspartner bei Beinschuss-Direkt!

beinschuss.de: Hans, wie geht es dir in deinem neuen Amt?

Hansjörg Kroneck: Ich fühle mich richtig wohl. Abteilungsleitung, Mannschaft und Trainerteam haben mich super aufgenommen. Die Arbeit macht richtig Spaß, es ist schon faszinierend, mit welcher Begeisterung dieser Verein dem Fußball gegenüber eingestellt ist.

Hast du das in dieser Form erwartet?

Kroneck: Ich hatte ein wenig Bammel, in dieser Form hatte ich das nicht erwartet.

Was waren deine Bedenken?

Kroneck: Wie sind die Strukturen? Wie wird in Rosenheim gearbeitet? Man spricht in der Umgebung nicht immer gut über den TSV 1860. Die letzte Saison war aus sportlicher und finanzieller Sicht schwierig. Da bleibt natürlich immer eine Portion Skepsis zurück.

Haben sich die Befürchtungen bestätigt?

Kroneck: Ganz im Gegenteil. Die Abteilungsleitung leistet in meinen Augen grandiose Arbeit. Der Abstieg aus der Regionalliga war ein schwerer Schlag für den Verein, aber für die Neuausrichtung vielleicht der bessere Weg. Das Wichtigste war der Klassenerhalt in der vergangenen Saison. Und wenn man sieht, wie der TSV heute daherkommt, kann man nur den Hut ziehen. Wir haben die jüngste Mannschaft der Liga, alle Spieler kommen aus der Region, viele davon haben bei 1860 einen Teil ihrer Ausbildung genossen. Das macht uns wahnsinnig stolz.

Wie ist der Kontakt zustande gekommen?

Kroneck: Franz Höhensteiger, der bisherige Sportliche Leiter, hat mich kontaktiert und mir die Pläne des Vereins dargestellt. Ich habe nach reichlicher Überlegung und schweren Herzens meinen Heimatverein SV Amerang verlassen und mich der neuen Aufgabe gestellt.

Wie sehen deine Aufgaben aus?

Kroneck: Die sind klar definiert. Ich habe im sportlichen Bereich der Herren alle Kompetenzen. Transfers, Transferabwicklungen und alle organisatorischen Bereiche rund um die erste Mannschaft. Ich bin das Bindeglied zwischen Abteilungsleitung, Mannschaft und Trainerteam.

Wie umfangreich ist diese Aufgabe?

Kroneck: Es fällt schon viel an, aber ich mache die Arbeit gerne. Natürlich ist der Job nicht einfach zu organisieren, ich bin berufstätig und habe drei kleine Kinder. Ich bin meiner Frau sehr dankbar, dass sie mir den Rücken freihält und mich in meiner neuen Aufgabe so unterstützt.

Wie geht es dem Verein aus wirtschaftlicher Sicht?

Kroneck: Die Abteilungsleitung ist auf einem sehr guten Weg. Aber das Finanzielle obliegt nicht meinem Kompetenzbereich, ich bin der Mann fürs Sportliche.

Wie geht es dem Verein dann aus sportlicher Sicht?

Kroneck: Sehr gut! Hier entsteht etwas richtig Großes. Der Verein hat sich aus einer schwierigen Situation mit wahnsinnig guter Arbeit befreit und steht aus sportlicher Sicht wieder hervorragend da. Die Mannschaft ist jung, reißt sich für diesen Verein den Allerwertesten auf und das alles mit regionalem Bezug. Die heutige Mannschaft kommt aus Rosenheim, Brannenbrug, Söchtenau, Amerang und so weiter. Wir setzen auf junge Spieler aus dem Umkreis. Bei uns haben diese Talente die Chance, auf hohem Niveau Fußball zu spielen und sich zu entwickeln. Leider kommt das im Umland nicht so an.

Warum ist das so?

Kroneck: 1860 ist die erste Adresse in der Region. Das bringt automatisch gewisse Neidfaktoren mit sich. Die Erwartungshaltung ist entsprechend groß, das kommt erschwerend hinzu.

Wie wollt Ihr dem entgegenwirken?

Kroneck: Indem wir nach außen vermitteln, wie der Fußball bei uns verstanden wird. Junge Spieler können sich bei uns entwickeln, wir legen größten Wert auf die Ausbildung. Man sieht es doch aktuell, welches Sprungbrett der TSV 1860 Rosenheim ist. Markus Einsiedler, Nico Helmbrecht, Bastian Schweinsteiger, Julian Weigl oder Andreas Voglsammer, die haben alle bei uns gelernt.

Wie kann man wieder mehr Zuschauer ins Jahnstadion holen?

Kroneck: Wir wollen den Leuten einfach vermitteln, wie wir den Fußball leben. Die Jungs identifizieren sich mit Stadt, Verein und Landkreis. Sie sind begeisterte Fußballer und haben Werte. Die Leute müssen einfach mal wieder ins Jahnstadion kommen. Wir werden sie nicht enttäuschen, auch wenn wir Siege natürlich nicht garantieren können.

Muss sich der Verein nach außen besser verkaufen?

Kroneck: Mit Sicherheit. Wir haben diesbezüglich viele Ansatzpunkte, wollen aber erstmal zusehen, dass das sportliche Gerüst bis dahin steht. Da sind wir auf einem sehr guten Weg.

Was ist die Zielsetzung für dieser Saison?

Kroneck: Wir wollen zunächst mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Die Jungs sollen sich entfalten können und mit Begeisterung auf dem Platz stehen. Wir achten aktuell gezielt auf die Entwicklung der Spieler, das hat oberste Priorität. Aber wir sind natürlich nicht naiv und haben die Tabelle stets im Auge.

Gibt es langfristige Ziele?

Kroneck: Ja. Wir wollen langfristig gesehen wieder in die Regionalliga. Ob Mannschaft, Vorstand oder Trainerteam, wir haben dieses Ziel vor Augen.

Gibt es dafür einen klaren Zeitplan?

Kroneck: Nein! Wir müssen zunächst die sportlichen und wirtschaftlichen Grundlagen dafür schaffen. Der Fußball ist zu unberechenbar, um da einen konkreten Zeitpunkt nennen zu können.

Kommen wir zu einem anderen Thema. Wie stehst du einer Fusion mit dem Sportbund gegenüber?

Kroneck: Da spreche ich jetzt als Privatperson, nicht als Sportlicher Leiter. Eine Fusion würde den Fußball in Rosenheim natürlich viel besser präsentieren. Man muss ja nur noch Traunstein schauen, was sich dort getan hat. Aber man darf natürlich nicht unterschätzen, dass so eine Fusion nicht leicht umzusetzen ist. Beide Vereine haben ihre Tradition und ihr eigenes Selbstverständnis. Kurzfristig ist das nicht umsetzbar, langfristig halte ich eine Fusion aber für eine sehr gute Sache.

Das war deine private Meinung. Was sagt der Sportliche Leiter dazu?

Kroneck: Ich bin so frisch im Amt, da kann ich die ganzen Zusammenhänge noch nicht beurteilen.

Dann freue ich mich auf das nächste Gespräch und sage bis dahin: herzlichen Dank!

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