Beinschuss-Direkt: "Ich glaube, dass mir der Tapetenwechsel sehr gut tut!"

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Johannes Zottl (re.) mit Beinschuss-Redakteur Tobias Ruf

SBR-Eigengewächs Zottl sprach mit Beinschuss-Reporter Tobias Ruf über seinen Wechsel zum TSV 1860 Rosenheim

Dieser Wechsel ist für viele Rosenheimer überraschend und nicht nachvollziehbar. Johannes Zottl geht vom Sportbund zum TSV 1860 Rosenheim und sprach mit Beinschuss-Reporter Tobias Ruf nach der Pokalklatsche gegen Burghausen über seine Beweggründe und seine schwere Verletzung.

Hallo Johannes, zuallererst einmal, wie geht es dir nach deinem Kreuzbandriss?

Zottl: Es geht mir den Umständen entsprechend gut. Die Narben sind gut verheilt und auch die Reha verläuft nach Plan. Die Ärzte und Physiotherapeuten meinen sogar, dass der Heilungsprozess deutlich schneller verläuft wie bei manch anderen, doch das kann täuschen. Ich mache mir persönlich keinen Stress, mein Ziel war von Anfang an die Rückrunde.

Als Sportbund-Eigengewächs hast du dich für einen Wechsel zum TSV 1860 Rosenheim entschieden. Wie kam es dazu, was sind deine Beweggründe?

Zottl: Der TSV war in den letzten Jahren sportlich sehr erfolgreich. Außerdem stand ich regelmäßig im Kontakt mit einigen Spielern, weshalb ich immer mal wieder mit dem Gedanken gespielt habe. Nach den ersten Gesprächen haben sich die Verantwortlichen intensiv um meine Person bemüht und das trotz meiner Verletzung. Das hat mir während der Reha in den letzten zwei Monaten viel Kraft gegeben und mich noch einmal zusätzlich motiviert, dafür möchte ich mich beim TSV 1860 Rosenheim bedanken.

Wie haben die Verantwortlichen und deine Ex-Mitspieler reagiert, als du deinen Abschied verkündet hast?

Zottl: Natürlich war der Großteil überrascht, dass ich mich in der aktuellen Situation für diesen Wechsel entschieden habe. Meine Beweggründe sind natürlich nicht für jeden verständlich, das muss aber auch nicht sein. Es war eine rein persönliche Entscheidung und hatte nichts mit dem SBR zu tun. Andi Sollinger hat mir zum Abschied mein Trikot, unterschrieben von allen Spieler, zukommen lassen, das hat mich sehr gefreut und zeigt den Charakter der Jungs.

In der Hinrunde warst du noch fester Bestandteil der Bayernligamannschaft, in der Rückrunde kamst du fast nur noch in der Bezirksliga zum Einsatz. Wieso?

Zottl: Ja das stimmt. Warum das so war, das weiß ich nicht. Ich habe im Spiel und im Training immer alles gegeben. Der Knackpunkt war die rote Karte in Unterföhring kurz vor der Winterpause. Ich war im ersten Rückrundenspiel noch gesperrt und wurde deshalb in der Vorbereitung nicht berücksichtig. Warum der Trainer mir dann kein Vertrauen mehr geschenkt hat, das musst du ihn selber fragen. Ich habe mir nichts vorzuwerfen.

Du hast in deinem ersten Jahr im Herrenbereich eine sehr gute Bilanz vorzuweisen. In der Bayernliga warst du in 17 Spielen dreimal erfolgreich, in der Bezirksliga in 14 Spielen gleich 10-mal. Gab es keine höherklassigen Angebote?

Zottl: Doch die gab es! Ich hatte vor meiner Verletzung zwei bis drei gute Optionen, eigentlich war auch schon alles schon unter Dach und Fach, doch dann hat mir mein Knie einen Strich durch die Rechnung gemacht. Unter diesen Vorraussetzungen wollte mich natürlich niemand mehr verpflichten, wofür ich auch Verständnis hatte. Umso glücklicher bin ich, dass es jetzt mit dem TSV 1860 Rosenheim geklappt hat. Ich glaube, dass mir der Tapetenwechsel persönlich sehr gut tut.

Du bist ja erst 20 Jahre alt, was sind deine persönlichen Ziele in den nächsten Jahren?

Zottl: Zunächst einmal möchte ich wieder gesund werden und endlich wieder Fußball spielen, ich lebe und liebe diesen Sport. Vor meiner Verletzung habe ich mir selber sehr viel Druck gemacht, in Zukunft werde ich die Dinge etwas gelassener angehen. Ich möchte einfach wieder Spaß haben, der Rest kommt dann von ganz allein, davon bin ich überzeugt.

In den letzten Jahren sind viele Spieler vom TSV zum SBR gewechselt, bei dir ist es andersrum. Wen siehst du auf lange Sicht weiter vorne?

Zottl: In der Bayernliga wird es in dieser Saison für beide Teams sehr schwer. Der Rosenheimer Fußball durchlebt gerade eine schwierige Zeit. In den letzten Jahren waren beide Mannschaften sportlich sehr erfolgreich, die Leute sind verwöhnt, nun ist es eben einmal andersrum. Es kommen mit Sicherheit wieder gute Zeiten, auch davon bin ich überzeugt. Ich wünsche dem ganzen SBR und allen Beteiligten viel Erfolg, der Klassenerhalt sollte auf jeden Fall machbar sein. Dennoch hoffe ich, dass ich mit den Sechzigern Ende Mai vor den Grünen stehen werde. 

Was wirst du am meisten beim SBR vermissen, auf was freust du dich beim TSV?

Zottl: Vermissen werde ich so einiges. Die Jungs sind mir in den letzten Jahren sehr ans Herz gewachsen, ich habe viele neue Freunde gewonnen, mit denen ich auch in Zukunft im Kontakt bleiben werde. Meine neue Wirkungsstätte ist ja zum Glück nur ein paar Meter Luftlinie entfernt. Beim TSV freue ich mich vor allem auf die etwas professionelleren Bedingungen. Man merkt schon deutlich, dass der Verein zwei Jahre auf höchstem Amateurniveau gespielt hat und auch so schnell wie möglich wieder dort hin möchte. Ich glaube, dass ich mit meiner Einstellung, meinem Ehrgeiz und meinen persönlichen Zielen optimal zu dem TSV 1860 Rosenheim passe.

Zum Schluss, was sagst du zu dem Trainerwechsel am vergangenen Montag?

Zottl: Dazu kann ich nicht allzu viel sagen, ich gehöre ja schließlich erst seit zwei Wochen zur Mannschaft. Ich hatte von beiden Trainern einen sehr guten Eindruck, die Verantwortlichen werden diesen Schritt bestimmt gut durchdacht haben. Für mich persönlich ändert der Trainerwechsel überhaupt nichts. Egal wer an der Seitenlinie steht, ich werde versuchen, ihn von meinen Fähigkeiten zu überzeugen.

Johannes, vielen Dank für das Interview, viel Erfolg bei deinem neuen Verein und weiterhin gute Genesung!

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