Beinschuss-Direkt: "Innerlich, da kocht es in dir!"

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Talip Sarikaya (rechts) im Gespräch mit Tobias Ruf

Nach fünf Jahren beendet Talip Sarikaya am Saisonende sein Engagement beim ESV Rosenheim. Im Gespräch mit Beinschuss-Chefredakteur Tobias Ruf spricht Sarikaya über den Abstiegskampf, blickt auf seine Zeit beim ESV zurück und macht klar, dass seine Trainerkarriere damit noch lange nicht beendet ist.

Nach fünf Jahren beendet Talip Sarikaya am Saisonende sein Engagement beim ESV Rosenheim. Der Coach der Eisenbahner steckt mit seiner Mannschaft derzeit im Abstiegskampf der Kreisklasse 1, konnte aber am vergangenen Samstag einen wichtigen 3:2-Erfolg einfahren. Im Gespräch mit Beinschuss-Chefredakteur Tobias Ruf spricht Sarikaya über den Abstiegskampf, blickt auf seine Zeit beim ESV zurück und macht klar, dass seine Trainerkarriere damit noch lange nicht beendet ist.

beinschuss.de: Talip, wie groß war die Erleichterung nach dem Last-Minute-Sieg im Abstiegsduell gegen Frasdorf?

Talip Sarikaya: Die Erleichterung war riesig. Wenn du im Abstiegskampf steckst und dann zuhause gegen den Tabellenletzten spielst, ist ein Sieg Pflicht. Du befindest dich ohnehin schon in einer schwierigen Phase, da käme ein weiterer Rückschlag natürlich ungelegen.

Wie schätzt du den Abstiegskampf ein?

Sarikaya: Das wird ein heißer Kampf bis zum letzten Spieltag. Auch einige Teams, die jetzt noch nicht damit rechenen, können da noch unten reinrutschen. Die Tabelle ist so eng, Veränderungen können entsprechend schnell gehen.

Wie groß ist die Anspannung vor so einem wichtigen Spiel?

Sarikaya: Auch wenn ich nach außen Ruhe bewahre, kocht es innerlich. So ein Spiel willst und darfst du nicht verlieren. Ich will mich ja schließlich nicht mit einem Abstieg vom ESV verabschieden.

Im letzten Jahr habt Ihr um den Aufstieg mitgespielt. Heuer geht es ums Überleben. Wie ist das zu erklären?

Sarikaya: Das ist zum großen Teil natürlich Kopfsache. Wenn du oben mitspielst, laufen viele Dinge wie von selbst. Im Abstiegskampf ist dann das Gegenteil der Fall. In unserem Fall kommt erschwerend hinzu, dass wir einen großen Umbruch in der Mannschaft hatten. Viele Schlüsselpositionen, z. B. die des Torwarts, sind uns weggebrochen. Wir laufen oft mit fünf oder sechs Spielern auf, die in der letzten Saison noch in der B-Klasse gespielt haben. Da ist der Schritt in die Kreisklasse natürlich groß, entsprechend schwer tut sich die Mannschaft.

Hast du an deiner Arbeit gezweifelt?

Sarikaya: Eigentlich nicht. Der Umbruch war zu groß, um an die Leistungen der Vorsaison anknüpfen zu können. Außerdem waren wir in keinem Spiel wirklich unterlegen, das spricht letztlich für die Mannschaft und auch für meine Arbeit und die des Trainerstabs.

Bleibt Ihr in der Liga?

Sarikaya: Ja, davon bin ich überzeugt. Wir sind spielerisch noch immer auf einem guten Niveau, zudem geben die Jungs Gas und wollen die Liga unbedingt halten.

Auch das Rennen um die Meisterschaft ist hart umkämpft. Wer holt sich den Titel?

Sarikaya: Ich glaube, dass Grassau Meister wird. Der ASV hat mich in der letzten Saison schon mit seiner kompakten Spielweise überzeugt und mit Torjäger Dejan Pajic den entscheidenden Transfer vor der Saison getätigt. Wenn du einen Goalgetter hast, ist das die halbe Miete. Ich muss aber dazu sagen, dass ich den SV Seeon-Seebruck nicht so gut kenne. Seeon hat nie bei uns in der Gruppe gespielt, daher kann ich den SV nicht so gut einschätzen wie Grassau.

Du selbst wirst dein Engagement beim ESV nach dieser Saison beenden. Aus welchem Grund?

Sarikaya: In meinen Augen sind fünf Jahre genug. Es ist für meine Jungs und auch für mich an der Zeit, etwas Neues anzugehen. Ein anders Training, eine andere Ansprache in der Kabine, eine andere Grundstimmung . . . Ich denke nach fünf Jahren ist es für beide Seiten Zeit für eine Veränderung.

Wann hast du den Entschluss gefasst?

Sarikaya: Eigentlich wollte ich nach der letzten Saison schon aufhören. Aber damals habe ich mich noch für ein weiteres Jahr überreden lassen. Im Winter habe ich mich dann endgültig entschieden und das dann auch der sportlichen Leitung mitgeteilt.

Auch wenn die fünf Jahre noch nicht ganz vorbei sind, wie fällt dein Fazit aus?

Sarikaya: Vor allem mit unserem sportlichen Leiter Lu Pertl hatte ich immer ein super Verhältnis, das hat mir die Arbeit sehr erleichtert. Ich bin jetzt seit über 20 Jahren Trainer, die vergangenen fünf Jahre waren etwas ganz Besonderes für mich. Ich werde den ESV immer in bester Erinnerung behalten. Die Trennung verläuft absolut im Guten, das war mir ein wichtiges Anliegen.

Wie geht es auf der Trainerposition beim ESV weiter?

Sarikaya: Das weiß ich ehrlich gesagt nicht, mir ist bisher nichts bekannt. Aber da mische ich mich auch nicht ein.

Was war dein schönster Moment als ESV-Coach?

Sarikaya: Die Meisterschaft 2013 war sicherlich das Highlight. Ein Traditionsverein wie der ESV muss in meinen Augen mindestens in der Kreisklasse spielen. Das haben wir dann realisiert, ein tolles Gefühl.

Und an was erinnerst du dich gar nicht gerne?

Sarikaya: Es gab natürlich immer wieder kleinere Rückschläge, ein wirklich dramatischer Moment war aber nicht dabei.

Verabschiedest du dich damit endgültig aus dem Fußball-Geschäft?

Sarikaya: Nein, natürlich nicht. Ich bin Trainer mit Leib und Seele, habe die B-Lizenz und besuche regelmäßig Fortbildungen. Diese Aufgabe bereitet mir so viel Freude, ein paar Jahre will ich schon noch dranhängen. 

Gibt's schon konkrete Pläne?

Sarikaya: Ich werde mich sicher einer neuen Aufgabe stellen. Wo und wie sich diese gestaltet, kann ich aber noch nicht sagen.

Welche Kriterien sind für Dich von Bedeutung?

Sarikaya: Ich bin prinzipiell für Vieles offen. Ein Verein muss eine gute Perspektive haben, was zum Beispiel die Jugend angeht. Aber auch die Infrastruktur spielt eine wichtige Rolle. Dazu gehören vor allem eine gute Trainingsanlage und ein guter Platz.

Wie würdest Du dich als Trainer beschreiben?

Sarikaya: Ich lege viel wert auf taktische Komponenten und eine gute Bindung zu meiner Mannschaft. Lautsprecher bin ich keiner, auch wenn ich an manchen Stellen auch mal auf den Tisch hauen kann. Aber dieser Trainer-Typ, der wie verrückt an der Linie entlang hüpt und durchgehened brüllt, bin ich sicher nicht. Ich arbeite eher ruhig und sachlich, informiere mich regelmäßig über neue Trainingsmethoden und konzentriere mich auf meine Aufgabe.

Du bist schon lange im Geschäft. Wie hat sich der Fußball in deinen Augen verändert?

Sarikaya: Es ist wesentlich mehr Geld im Spiel. Das macht es für viele Vereine nicht einfacher, da sich einige Spieler nicht mehr an der sportlichen, sondern an der finanziellen Perspektive orientieren. Natürlich war auch früher schon Geld im Spiel, aber nicht in diesem Ausmaß.

Und im sportlichen Bereich?

Sarikaya: Das Spiel ist natürlich viel schneller geworden. Zudem haben sich die Spieler im technischen Bereich weiter entwickelt, das hat auch Auswirkungen auf den Trainer. Unser Einfluss auf das Spielerische ist längst nicht mehr so groß, wie noch vor einigen Jahren. Dafür sind wir im psycholgischen Bereich wesentlich mehr gefragt, als es früher der Fall war.

Was wünscht du Dir zum Abschied beim ESV?

Sarikaya: Den Klassenerhalt und eine schöne Abschiedsfeier mit meinen Jungs.

Dafür drücken wir Dir die Daumen und danken für das Gespräch

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