Beinschuss-Direkt: Der "Leitwolf" hat noch viel vor

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Michael Kokocinski

Der Rosenheimer wechselte Anfang der Saison zum TSV 1860 München - Beinschuss traf "Koko" zum Interview. Dabei schwärmt der "Leitwolf" von alten Zeiten, erzählt von seiner neuen Aufgabe und macht deutlich, dass er fußballerisch noch so einiges vor hat.

Das Interview führte Christoph Herberth

Michael Kokocinski führte den TSV 1860 Rosenheim als Kapitän in die Regionalliga und schoss die Sechziger im Elfmeterschießen gegen den SV Wacker Burghausen zum Toto-Pokal-Sieg und den daraus resultierenden DFB-Pokal-Einzug. Er durchlebte alle Höhen und Tiefen der letzten Jahre und identifizierte sich wie kaum ein anderer mit dem Verein. Im vergangenen Sommer wechselte der Ex-Profi überraschenderweise zurück zum TSV 1860 München, wo seine Karriere vor mehr als 10 Jahren begann. Im Beinschuss-Interview spricht der gebürtige Rosenheimer über seine Beweggründe und die neue Herausforderung bei den Münchner Löwen.

Hallo Koko, das erste halbe Jahr beim TSV 1860 München ist rum, wie sind deine ersten Eindrücke?

Kokocinski: Die ersten Eindrücke sind sehr positiv, der TSV 1860 München ist immer noch eine Top-Adresse im deutschen Fußball mit einer hervorragenden Jugendarbeit. Es freut mich sehr, dass ich wieder unter professionellen Bedingungen trainieren und spielen kann.

Du warst bereits von 2004 bis 2006 für die „Löwen“ in der Regionalliga aktiv, was hat sich seitdem verändert?

Kokocinski: Vor der Reform war die Regionalliga etwas stärker und der Altersdurchschnitt der Mannschaften deutlich höher. Es gab mehrere Traditionsvereine, wie zum Beispiel Augsburg, Hoffenheim oder auch Darmstadt, die neue Regionalliga Bayern besteht größtenteils aus Reserveteams und kleineren Amateurmannschaften. Die Regionalliga Süd war damals die dritthöchste Spielklasse im deutschen Fußball und somit auch etwas höher angesehen. Für unsere jungen Spieler ist die aktuelle Liga eine super Sache, sie bekommen viele Einsätze und können sich dadurch schneller an den Herrenfußball gewöhnen.

Du hast dir in den letzten Jahren in Rosenheim ein zweites Standbein aufgebaut und hast dich dennoch für den Schritt zurück zum professionellen Fußball entschieden. Wie kam es dazu?

Kokocinski: Wolfgang Schellenberg, der mich damals auch nach Rosenheim geholt hatte, hat mich im Urlaub angerufen und mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, als „Leitwolf“ zu den Löwen zurückzukehren. Ich habe kurz mit meiner Frau gesprochen und dann recht schnell zugesagt. Es war eine Entscheidung aus einem Bauchgefühl heraus.

Ist dir diese Entscheidung schwer gefallen, welche Rolle hat deine Familie dabei gespielt?

Kokocinski: Ich hatte im letzten Jahr kaum Zeit für meine Familie. Nach der Arbeit musste ich ins Training, vor 21 Uhr war ich nicht daheim. Nebenbei habe ich auch noch ein eigenes kleines Unternehmen aufgebaut, das ebenfalls viel Zeit in Anspruch nimmt. Die Entscheidung ist mir somit nicht allzu schwer gefallen, ganz im Gegenteil das Angebot kam zum richtigen Zeitpunkt.

Wie kann man sich den Alltag eines Regionalligaspielers vorstellen?

Kokocinski: Wir trainieren 5-7 mal die Woche unter professionellen Bedingungen, das ist vergleichbar mit der Trainingsintensität eines Zweit- oder Erstligisten. Wenn wir zweimal am Tag trainieren bleibe ich in München und verbringe die Zeit mit meinen Teamkollegen, wenn nicht kümmere ich mich um meine Automatenfirma in Rosenheim.

Ihr überwintert auf dem zweiten Tabellenplatz in der Regionalliga Bayern, der Abstand auf die Würzburger Kickers beträgt nur drei Zähler. Was ist euer Ziel in dieser Saison?

Kokocinski: Natürlich wollen wir auch oben mitspielen, unser primäres Ziel ist jedoch ein anderes. Der TSV 1860 München ist für seine überragende Jugendarbeit bekannt, in den letzten Jahren hat der Verein zahlreiche Bundesligaspieler hervorgebracht, von denen viele nun bei Top-Teams unter Vertrag stehen. Aus kaum einem anderen Verein stammen so viele Erst- und Zweitligaspieler, wie dem TSV 1860 München. An erster Stelle steht die Talentförderung, dann kommt der Erfolg. Wir wollen am Ende der Saison auch vor dem FC Bayern München stehen, das wäre natürlich eine super Sache.

Dein Ex-Verein der TSV 1860 Rosenheim kämpft auch in dieser Saison um den Klassenerhalt, verfolgst du weiterhin die Geschehnisse in Rosenheim?

Kokocinski: Natürlich verfolge ich die Geschehnisse in Rosenheim weiterhin. Wenn es zeitlich passt, schaue ich mir auch gerne mal eine Bayernligaspiel im Jahnstadion an. Ich hatte eine super Zeit beim TSV und hoffe, dass der Verein seine Krise so schnell wie möglich überwindet und gestärkt daraus hervorgeht. Aktuell schaut es ja wieder ganz gut aus.

Als langfristiges Ziel haben die Rosenheimer Verantwortlichen die Rückkehr in die Regionalliga ausgegeben. Ist das deiner Meinung nach realistisch? Was müsste sich grundlegend ändern?

Kokocinski: Aktuell gibt es zwei Bayernligamannschaften in Rosenheim, die sich gegenseitig Zuschauer, Sponsoren und Punkte wegnehmen. Auf lange Sicht gesehen, ist eine Fusion die einzige Möglichkeit, um die Leute in Rosenheim für den Fußball zu begeistern und eventuell noch einmal oben anzugreifen.

Du hast im Juni einen Dreijahresvertrag beim TSV 1860 München unterschrieben, kannst du dir anschließend eine Rückkehr zu den „Sechzigern“ vorstellen?

Kokocinski: Mein Lebensmittelpunkt ist und bleibt in Rosenheim, was ich sportlich in drei Jahren mache das weiß ich jetzt noch nicht.

Hast du noch Kontakt zu deinen Ex-Kollegen? Was oder wen vermisst du am meisten?

Kokocinski: Natürlich habe ich noch Kontakt zu meinen Ex-Kollegen. Wir haben in den letzten Jahren gemeinsam viele Höhen und Tiefen durchlebt, wodurch einige enge Freundschaften entstanden sind. Eine Mannschaft wie wir es waren, gibt es nur ganz selten. Der Zusammenhalt und Teamgeist war einzigartig, das verbindet nunmal.

Du wirst im Februar 30 Jahre alt, hast mittlerweile zwei Kinder und bist immer für eine Überraschung gut. Was macht Michael Kokocinski in fünf Jahren?

Kokocinski: Wenn es mein Körper zulässt, spiele ich wahrscheinlich immer noch aktiv Fußball. Falls nicht, werde ich dem Fußball auf eine andere Art und Weise treu bleiben. Ich werde im nächsten Jahr meinen Trainerschein machen, ein Engagement als Trainer könnte ich mir nach meiner Karriere ganz gut vorstellen. Wie es dann beruflich ausschaut, steht noch in den Sternen. Schön wäre es natürlich, wenn meine Firma irgendwann genügend einspielt und ich das dann hauptberuflich machen könnte. Ich bin ein spontaner Mensch und lasse alles auf mich zukommen.

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