Beinschuss-Direkt: Vom Mysterium der Doppelsechs und Fußballprofis als Restaurant-Gäste

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Giuseppe Tedesco (links) und Beinschuss-Chefreporter Mano Bonke mitten im Restaurant-Geschehen

In die Rosenheimer Hochglanzmagazine schafft es Giuseppe Tedesco als Geschäftsführer des Restaurants "Giuseppe e Amici" regelmäßig. Dank seines Engagements bei Croatia Rosenheim hat er es nun auch auf unsere Seite geschafft.

In die Rosenheimer Hochglanzmagazine schafft es Giuseppe Tedesco als Geschäftsführer des Restaurants "Giuseppe e Amici" regelmäßig. Dank seines Engagements als Spieler bei Croatia Rosenheim hat er es nun auch auf unsere Seite geschafft. Als Chefreporter Mano Bonke zur Mittagszeit zum Interview für "Beinschuss-Direkt vorbeikam, dauerte es keine zwei Minuten, bis ihn sein Interviewpartner fragte, welche Nudeln er denn essen wolle. Bei einer großen Portion Penne al Arrabiata kam folgendes Gespräch zustande:

Beinschuss: Ciao Giuseppe! Seit einiger Zeit gehst du der Gastronomie manchmal fremd und kickst, wenn du mal nicht im Restaurant bist, bei Croatia Rosenheim. Wo hast du deinen Spielerpass dafür denn rauskramen müssen, in Italien?

Giuseppe Tedesco: Nein, ganz so weit war mein Pass nicht weg (lacht). Das letzte Mal war ich beim FC Kaikenried in Niederbayern als Spieler aktiv, das war 2005. Mein Spielerpass lag aber gleich ums Eck - beim SV Ostermünchen. Dort habe ich vor zwei Jahren zur Gaudi mittrainiert, weil ich die Schiedermeier-Brüder gut kenne. Allerdings hat mich der Trainer nur eine Runde nach der anderen laufen lassen. Das fand ich dann nicht so toll und bin auch nicht mehr gekommen.  

Und wie bist du als Italiener ausgerechnet auf Croatia gekommen?

Giuseppe: Ich bin mit Silvio Havic gut befreundet, der ja ebenfalls in der Gastronomie tätig ist. Er hat mich gefragt, ob ich nicht einmal mittrainieren wolle. Mit den Jungs hat es mir so viel Spaß gemacht, dass ich meinen Pass aus Ostermünchen geholt und bei Croatia unterschrieben habe. An einem Sonntag-Vormittag hat plötzlich mein Handy geklingelt und Peter Jokic (Anm.d.Red.: Trainer Croatia Rosenheim) war am Telefon, weil er wenig Spieler hatte. Ich habe dann meine Tasche gepackt, bin zum Treffpunkt gefahren und sogar für 20 Minuten eingewechselt worden. Da habe ich schon gemerkt, dass in Niederbayern viel mehr getreten wird und der Fußball in Oberbayern gepflegter ist.

Wie ist deine Rolle in der Mannschaft? Mit 34 Jahren wirst du wahrscheinlich eher der clevere Stratege Pirlo sein und nicht die ungestüme Tormaschine Balotelli?

Giuseppe: Positionstechnisch fühle ich mich im Mittelfeld wohler, aber eher auf der Außenbahn. In einem meiner ersten Spiele hat mich unser Trainer auf die Doppelsechs gestellt. Ich musste mich erst erkundigen, was dort genau meine Aufgaben sind, weil ich es noch gewohnt war mit Manndecker und Vorstopper zu spielen. Mittlerweile habe ich aber auch schon Außen und sogar in der Innenverteidigung gespielt. Von unserem Trainer kann ich überhaupt nur schwärmen, er ist ein richtiger Glücksfall für den ganzen Verein und sehr professionell.

Dann ist es ja nur eine Frage der Zeit, bis so eine „Allzweckwaffe“ in die Stammelf rutscht!

Giuseppe: Natürlich ist es mein Ziel, mir in der Rückrunde einen Platz in der ersten Elf zu erkämpfen. Dafür muss ich aber fleißig trainieren. Schon jetzt nehme ich mir jeden Dienstag frei, um ins Training zu gehen. Aber die Jungs sind richtig gut und ich bin auch nicht mehr der Jüngste. Ich sehe das Kicken in erster Linie als Ausgleich zu meinem Beruf und ganz ehrlich: Ein Italiener, der ohne Fußball auskommen muss? Das geht nicht. Ich erlebe bei Croatia sowas wie meinen zweiten Fußballer-Frühling.

Was haben du und die Mannschaft noch für Ziele in der Rückrunde?

Giuseppe: Der Trainer hat uns verboten vom Aufstieg zu sprechen. Aber ich muss ehrlich sagen, das ist schon ein kleiner Traum von uns. Uns trennen ja nur fünf Punkte vom Tabellen-Ersten. Aber egal ob wir aufsteigen oder nicht: Ich muss sagen, dass es mich echt beeindruckt, was ein kleiner Verein wie Croatia Rosenheim alles auf die Beine stellt und wie viel Erfolg dort vorhanden ist. Für unsere Weihnachtsfeier haben sich 200 Leute angemeldet, das ist eine Menge!

Apropos feiern, wie muss man sich eine kroatisch-italienische Siegesfeier in der Kabine vorstellen? Mit Lugana-Wein und Cevapcici vermutlich…

Giuseppe: Fast richtig! Wir hatten wirklich schon eine Kabinenparty. Bei ein paar Bierchen haben wir in Boxershorts und Badeschlappen gefeiert. Ein Mitspieler hat dann Cevapcici organisiert und ich habe Pizzen von mir bringen lassen. Das habe ich so richtig genossen, weil es mein Job ja normalerweise von mir verlangt, schick gekleidet und vornehm zu sein.

Schicke Klamotten ist ein gutes Stichwort: Zu dir kommen regelmäßig modebewusste Fußballprofis zum Essen.

Giuseppe: Bei uns im Restaurant waren wirklich schon viele Profis. Die ganze Mannschaft von Schalke 04 zum Beispiel, als sie ein Testspiel gegen den SB Rosenheim absolviert haben. Sven und Lars Bender kommen auch öfters. Sven war erst vor ein paar Wochen hier, als Länderspielpause war.

Mit Benny Lauth bist du sogar sehr gut befreundet.

Giuseppe: Benny ist vor ein paar Jahren plötzlich auf einer Crystal-Club-Party aufgetaucht. Dort haben wir uns gut unterhalten. Wir waren sogar schon zusammen im Skiurlaub und schreiben uns regelmäßig. Er hat mich sogar zu seinem Abschiedsspiel eigeladen und hat mir die Allianz-Arena von Innen gezeigt. Außerdem haben wir zwei Söhne im gleichen Alter, das verbindet (lacht).

Welcher Junge hat mehr Talent am Ball?

Giuseppe: Ganz klar Benny´s Sohn. Da kann mein Kleiner noch eine ganze Menge lernen.

Was sagt Benny Lauth eigentlich zu deinem Engagement bei Croatia?

Giuseppe: Er hat mir versprochen, dass er mir bei einem Spiel zuschaut. Es kann als durchaus passieren, dass Benny in der Rückrunde im Käfig steht und mich vom Zaun aus anfeuert.

Es gibt noch einen Löwen, den du gut kennst. Er hat sogar bei dem Verein seine fußballerische Karriere begonnen, bei dem du einst nur Runden um den Platz laufen durftest.

Giuseppe: Klar, Julian Weigl. Er ist der zweite Grund, warum ich insgeheim ein Fan von 1860 München bin. In erster Linie schlägt mein Herz aber für Juventus Turin. Julian hat mir ein Löwen-Trikot geschenkt. Julian ist ein feiner Kerl. Benny Lauth vergleicht seine Spielweise oft mit der von Michael Ballack.

Das waren jetzt schon eine Menge bekannter Kicker. Alles Pasta-Fans oder Pizza-Esser?

Giuseppe: Weder noch. Alle Profi-Kicker bevorzugen meiner Erfahrung nach Fisch und Fleisch. Vor allem das Rinderfilet ist bei ihnen ganz hoch im Kurs.

Als Italo-Techniker wirst du dich wohl sehr auf die Hallensaison freuen. Oder kannst du es einfach nur nicht mehr erwarten, bis du wieder im Freien kicken kannst?

Giuseppe: In der Halle spiele ich nicht. Das geht in meinem Alter auf die Knie. Ich freue mich besonders auf unser Trainingslager in Kroatien. Da komme ich mir vor wie ein kleines Kind, das mit seinen Fußball-Spezln den ganzen Tag den schönsten Sport der Welt nachgehen kann.

 Vielen Dank, dass du dir für uns Zeit genommen hast, Giuseppe. Weiterhin viel Erfolg bei deinem kroatisch-italienischem Abenteuer!

 

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