Beinschuss-Direkt: "Vielschichtiger und effektiver denn je"

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Janis Sepper (li.) und Patrick Steinberger

Beinschuss-Direkt ist zurück aus der Winterpause und hat heute gleich zwei Gesprächspartner. Janis Sepper und Patrick Steinberger berichten über die neuesten Entwicklungen ihres Fußball-Entwicklungsprojektes in Tansania.

Erinnert ihr euch noch an das FELS-Project in Tansania? Vor mittlerweile über einem Jahr begannen die beiden Fußballpioniere, Janis Sepper und Patrick Steinberger, zusammen mit anderen Freiwilligen aus Deutschland, mit der Gründung der Fußballcharity FELS-Project in der tansanischen Millionenstadt Mwanza am Viktoriasee. Beinschuss traf die beiden nun exklusiv zu einem Interview. Wir wollen euch natürlich nicht vorenthalten, was es für spannende Neuigkeiten und Geschichten aus dem ostafrikanischen Land gibt. Bereits im Januar 2015 konnten wir in einem Beinschuss-Direkt mit Patrick Steinberger (http://beinschuss.de/magazin/beinschuss-direkt-ein-fussballbekloppter-im-gespraech/8052) einiges über das Projekt erfahren.

beinschuss.de: Hallo Janis, Servus Patrick! Vor einigen Tagen konntest du mit deiner Mannschaft, der U11 des SV Schloßberg, die Hallenkreismeisterschaft im Kreis Inn/Salzach gewinnen. Erst mal noch herzlichen Glückwunsch dazu, Patrick!

Patrick Steinberger: Vielen Dank! Ja, das war ein hartes Stück Arbeit, aber wir haben eine tolle Mannschaft, die sich das wirklich verdient hat.

Auch wer mal am DFB-Stützpunkt in Schloßberg vorbeischaut, kann sehen, was du die ganze Woche über so treibst. Wen man aktuell aber selten an den Fußballplätzen sieht, bist du Janis. Was machst du zurzeit so?

Janis Sepper: Als Spieler bin ich zu Beginn der Saison vom SB Rosenheim zu meinem Heimatverein nach Schloßberg zurückgewechselt. Dort habe ich im August und September noch ein paar Spiele in der 1.Mannschaft gemacht. Nun habe ich aber mit meinem Studium in Würzburg begonnen, weshalb ich aktuell selten auf den heimischen Sportplätzen unterwegs bin.

Euer Aufenthalt in Mwanza ist ja nun schon länger her. Nun erst mal die wichtigste Frage: gibt es euer Projekt noch?

Steinberger: Ja, das Projekt gibt es noch. Und es ist vielschichtiger und effektiver denn je. Allerdings hat sich einiges geändert. Wir haben das Projekt, mit all den positiven und negativen Eindrücken aus unserer Zeit vor Ort, neu aufgesetzt. Ein neuer Name und ein neues Konzept sorgen jetzt dafür, unsere Ziele besser umzusetzen.

Sepper: Das ganze heißt jetzt FC Mwanza, wobei FC nicht wie üblich für Fußball-Club, sondern für Fußball-Charity steht. Wir sind auch weiterhin kein eigener Verein sondern versuchen, die einzelnen Vereine in Mwanza zu unterstützen. Das FELS Project war die Pilotphase, um wichtige Erkenntnisse zu sammeln, die dann in die Fußball Charity Mwanza geflossen sind.

Das klingt ja gut. Habt ihr denn aktuell wieder Freiwillige vor Ort?

Sepper: Um das Projekt dauerhaft weiterzuentwickeln und zu etablieren, ist es wichtig, dauerhaft Volunteers vor Ort zu haben. Wir haben es geschafft im Sommer ein sehr gutes, internationales Team für das Projekt zu finden. Sportwissenschaftler, Eventmanager und Lehrer aus mehreren europäischen Ländern, aber auch aus den USA, sind aktuell in Mwanza und setzen das Projekt vor Ort um.

Ihr sagt das Projekt unter dem neuen Namen FC Mwanza ist nun breiter aufgestellt. Wie muss man sich das Ganze vorstellen?

Steinberger: Als wir damals mit unserer Arbeit in Tansania angefangen haben, haben wir drei Vereine unterstützt. Das war schon einiges an Arbeit und wir haben wirklich viele Kinder und Jugendliche damit erreicht. Heute aber kann ein noch größeres Team, welches aktuell in Mwanza ist, noch mehr bewegen. Die lokalen Vereine bekommen weiterhin unsere Unterstützung. Noch zu unserer Zeit vor Ort konnten wir auch erste Traineraus- und -fortbildungen für die tansanischen Trainer abhalten. Neu ist nun ein Talentförderprogramm zudem sind wir dabei, den Mädchenfußball aufzubauen. In naher Zeit sollen dazu auch noch mobile Fußballcamps außerhalb der Metropole Mwanza dafür sorgen, dass wir noch mehr Kinder erreichen. Und auch ein jährliches Jugendturnier ist in Planung.

Sepper: Die Freiwilligen vor Ort leisten da wirklich super Arbeit. Wir beide haben ja selbst mitbekommen, dass es die afrikanische Kultur nicht immer ganz einfach macht, neue Strukturen zu legen. Da muss man mit Nachdruck dranbleiben. Da geht wirklich Vieles voran. Während unserer Zeit haben wir ja noch im Freiwilligenhaus einer anderen Organisation gelebt. Heute haben wir unsere eigene Unterkunft, in der unsere Volunteers zusammenleben. Und dann haben wir ja auch noch die Zusammenarbeit mit Toto Africa…

Toto Africa? Um was genau handelt es sich da?

Steinberger: Toto Africa ist ein tansanischer Erstligaverein aus Mwanza. Die Mannschaft ist letztes Jahr aus der zweiten Liga in die tansanische Premier League aufgestiegen. Der Verein hat uns um Hilfe gebeten und gilt als „Krisenverein in Tansania“. Im Prinzip wollten sie Geld von uns. Gelder setzen wir aber ausschließlich für unsere Breiten- und Jugendfußballprogramme ein. Fußball ist für die jungen Tansanier oft das einzige Hobby, das sie ausüben können. Und in einem von finanzieller Knappheit und Arbeitslosigkeit (86% bei jungen Tansaniern) geprägten Alltag kann ein sportliches Hobby viel Stabilität, Selbstvertrauen und Freude im Leben bringen. Aber zurück zu den Toto Africans, dem Erstligateam. Das „Projekt Toto“ haben wir deshalb als Schwesterprojekt gegründet und hierbei sammeln wir keine Gelder, sondern vermitteln nur junge Trainer.

Sepper: Da wir aber gute Erfahrung in der Vermittlung von Freiwilligen gemacht haben, haben wir gesagt, dass wir immer zwei Freiwillige suchen können, die gemeinsam mit zwei Tansaniern das Team trainieren. So gehen immer junge B- oder A-Lizenztrainer für ein halbes Jahr nach Tansania und tragen aber, wie alle anderen Freiwilligen bei uns auch, ihre Kosten selbst. Allerdings ist die finanzielle Situation des Vereins sehr schlecht. Streiks der Spieler wegen ausstehenden Gehaltszahlungen sind hier leider an der Tagesordnung. Die Trainer erleben hier unglaubliche Dinge, positive wie negative, das kann man sich gar nicht vorstellen, wie es da zugeht. Die Mannschaft steht als Aufsteiger völlig überraschend im gesicherten Mittelfeld. Da wenig Geld da ist, haben die jungen deutschen Trainer beim Scouting nach Talenten geschaut. Das Team ist im Durschnitt 22 Jahre alt und damit deutlich jünger als der Rest der Liga.

Im FELS-Project ging es ja neben Fußball auch um Bildung und Lebenskompetenzen. Ist das nun bei FC Mwanza immer noch so?

Steinberger: Natürlich geht es in dem Projekt wieder um deutlich mehr als nur um Sport. Unsere Programme zielen darauf ab, möglichst vielen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Mwanza die Möglichkeit zu geben, ihrer größten Leidenschaft, dem Fußball, nachzugehen. Aber der Sport ist nur ein Medium um die Kindern zu erreichen. Bei uns geht es um viel mehr.

Sepper: Genau. Unsere Programme zielen darauf ab, eine Bindung zu den jungen Tansaniern aufzubauen und ihnen so wichtige Ratschläge und Life Skills mit auf den Weg zu geben. Dabei beschäftigen wir uns auf interaktive und kreative Art und mit Themen wie Gesundheitsprävention, Eigenverantwortung und sozialem Bewusstsein.

Klingt schon alles echt super! Aber wie aktiv seid ihr aktuell eigentlich noch in das Projekt eingebunden. Was sind eure Aufgaben?

Steinberger: Bei der Auswahl der neuen Freiwilligen waren wir natürlich aktiv mit eingebunden und bei der Überarbeitung der Konzepte für FC Mwanza sind unsere Erfahrungen stark mit eingeflossen. Auch beim Aufbau unserer neuen Homepage waren wir aktiv beteiligt. Unter http://fcmwanza.org/de/ kann man sich nun über die Ziele und Programme des Projektes informieren und auch unsere Prinzipien einsehen. Die Homepage ist wirklich sehenswert.

Sepper: Zudem haben wir auch wieder eine Spendenaktion im Dezember durchgeführt um etwas Geld für das Projekt zu sammeln. Zusätzlich versuchen wir immer wieder Materialspenden zu bekommen. Fußballschuhe, Bälle, Leibchen, alles wird bei unseren Partnervereinen benötigt. Wir versuchen die Sachen einzusammeln und möglichst kostengünstig nach Tansania zu bringen, was nicht so einfach ist.

Es fällt irgendwie schon schwer sich vorzustellen, wie genau es dort aussieht und unter welchen Bedingungen die Kinder und Jugendlichen trotzdem ihrer großen Leidenschaft nachgehen. Kann man irgendwo einen Eindruck über eure Arbeit erhalten?“

Sepper: Ja da gibt es eine tolle Möglichkeit. Anfang 2015, als Patrick schon wieder zurück in Deutschland war, konnten wir einen Filmemacher in Mwanza begrüßen, der uns für ein paar Tage bei unserer alltäglichen Arbeit begleitet hat. Er hat auch komplett unentgeltlich gearbeitet, da er mit dem Leiter unseres Projektes befreundet ist. Seine Arbeit war echt der Hammer. Es sind einige tolle Kurzfilme entstanden. Eine Vorstellung von unserem Projekt seht ihr beispielsweise unter https://vimeo.com/148001542. Zudem gibt es noch ein längeres Interview mit mir und einem anderen Freiwilligen: https://vimeo.com/149696840. Gerade im zweiten Video sieht man auch einige schöne Impressionen von Mwanza.

Kann man auch hier in Deutschland Erfahrungen machen wie sich das Leben und der Fußball in Tansania anfühlen?

Steinberger: Ja, im Sommer planen wir in Deutschland ein oder mehrere 1-tägige Workshops mit Jugendfußballern zu halten. Dabei wird dann trainiert, unter Bedingungen wie in Tansania, und wir werden auch neben dem Platz viel von den Unterschieden und vor allem der Lebensfreude in Tansania erzählen. Das ganze wird mit Filmen und Basteleinheiten untermalt. Das wird eine klasse Sache, auf die wir uns sehr freuen. Als FC Mwanza wollen wir nämliche auch umgekehrt Entwicklungsarbeit leisten. Ja, auch wir können viel von den Tansaniern lernen.

Wahnsinn was ihr beiden da leistet und dass euer Projekt immer noch auf einem solch guten Weg ist und sich weiterentwickelt. Vielen Dank euch beiden, dass es mit dem Interview geklappt hat und weiterhin viel Erfolg!

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