Beinschuss-Interview der Woche

Verbands-Jugendleiter Weißmann: „Das Trainingsverbot stößt auf Unverständnis“

Florian Weißmann ist Verbands-Jugendleiter beim Bayerischen Fußball-Verband.
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Florian Weißmann ist Verbands-Jugendleiter beim Bayerischen Fußball-Verband.

Bayern - Der bayerische Amateurfußball hat sich in die Winterpause verabschiedet und damit auch der Jugendbereich. beinschuss.de hat mit Florian Weißmann, Verbands-Jugendausschuss Vorsitzender, über die aktuelle Situation, den weiteren Saisonverlauf und die Angst, weitere Jugendliche zu verlieren, gesprochen.

Seit Montag, den 2. November, gilt bundesweit das Sportverbot im Amateurbereich und damit auch im Amateurfußball. Das beschlossen die Ministerpräsidenten vergangene Woche in einer Konferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Am Montagabend beschloss der Vorstand des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) den vorzeitigen Gang in die Winterpause. Damit wird in allen Ligen vom Jugend- bis zum Herren- und Frauenbereich im Jahr 2020 kein Spiel mehr stattfinden.

Florian Weißmann: „Wir haben bereits über den ersten Lockdown einige Jugendliche verloren“

Nun haben sich alle Präsidenten der Regional- und Landesverbände an die Politik gewandt und sich dafür ausgesprochen, bundesweit den Trainingsbetrieb im Amateursport wieder zuzulassen. Der an die Politik gerichtete Appell bezieht sich in erster Linie auf Training für Kinder und Jugendliche unter freiem Himmel und schließt dabei ausdrücklich nicht nur den Fußball ein. Dabei geht es den Verbänden darum, dass Kinder und Jugendliche sich weiterhin bewegen können. Aber auch die Angst vor dem Verlust weitere Nachwuchsspieler wird mit Sicherheit eine Rolle spielen.

beinschuss.de hat über dieses Thema mit Florian Weißmann, Verbands-Jugendausschuss Vorsitzender, im „Beinschuss-Interview der Woche“ gesprochen. Zudem spricht Weißmann über den Spielbetrieb im Juniorenbereich und den weiteren Saisonverlauf.

Hallo Herr Weißmann, wie lautet Ihre Bilanz aus dem Juniorenbereich seit dem Re-Start? Gab es Probleme mit dem Spielbetrieb oder verlief alles wie erhofft?
Florian Weißmann: Der Re-Start ist aus unserer Sicht sehr gut gelungen. Natürlich gab es aufgrund vom Corona-(Verdachts-)fällen auch absagen.
Jetzt ist Winterpause: Wie war die Reaktion aus dem Jugendbereich der Vereine: waren diese mit der Entscheidung zufrieden?
Weißmann: Die Regierung hat das Wettkampfverbot bis zum 30. November festgelegt. Im Dezember waren im Juniorenbereich keine Spieltage mehr vorgesehen. Somit war die Winterpause der logische Schritt und sicher nicht verwunderlich. Das Trainingsverbot stößt auf deutlich größeres Unverständnis bei den Vereinen.
Wie wirkt sich die erneute Aussetzung des Spielbetriebs und dem damit verbundenen vorzeitigen Gang in die Winterpause auf die Juniorenfußball aus? Kann die neu begonnene Saison noch fertig gespielt werden?
Weißmann: Unser Spielkonzept sieht vor, dass die Spielzeit eins - also die jetzt begonnene Einfach-Runde - auf jeden Fall zu Ende gespielt wird und somit eine sportliche Entscheidung über Auf-, Abstieg und Klassenerhalt gegeben ist. Sollten wir nach Abschluss dieser Spielrunde noch Zeit haben, geht es in eine zweite Spielzeit.
Wie groß ist die Angst, dass durch das zweite Sportverbot Jugendliche für den Fußball verloren gehen?
Weißmann: Wir haben bereits über den ersten Lockdown einige Jugendliche verloren bzw. Kinder nicht für den Fußball gewinnen können. Wir hoffen sehr, dass die Winterpause nicht zu einem weiteren Verlust an Spielern führt.
In Mecklenburg-Vorpommern dürfen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren trotz Sport-Verbots unter gewissen Regeln weiterhin trainieren. Würden Sie sich eine solche Regelung auch in Bayern wünschen?
Weißmann: Die Thematik haben wir bereits gemeinsam mit dem BLSV und der Bayerischen Sportjugend aufgegriffen und wollen hier eine Lösung beim Innenministerium erwirken. Hier gilt es die nächsten Tage abzuwarten.
 Sollte Ihrer Meinung nach stärker zwischen Jugend- und Herren/Frauenfußball unterschieden werden? Wenn ja, warum?
Weißmann: Die Reduzierung von sozialen Kontakten ist sicher für Kinder und Jugendliche deutlich schwerer. Diese beschränken sich im Regelfall auf einen halben Tag in der Schule, der jedoch wenig freie Austauschmöglichen bietet. Erwachsene haben im Berufsleben in der Regel viel sozialen Kontakt mit anderen Menschen. Auch wird man in jungen Jahren durch soziale Kontakte geprägt. Daher halte ich die Öffnung des Sports für Kinder und Jugendlich aus sozialen Gründen schon für sehr wertvoll. Gleichzeitig sollten wir darauf achten, dass unser Nachwuchs nicht in absoluten Bewegungsmangel verfällt.
Herr Weißmann, vielen Dank für das Interview

ma

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