Teil zwei des Exklusiv-Interviews

Daniel Butenko: "Wenn Schach ein Sport ist, dann ist eSport auch Sport"

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Daniel Butenko nahm an der offiziellen FIFA-Weltmeisterschaft teil und wurde 2015/16 Deutscher Meister. Seit 2017 ist der 20-Jährige bei 1. FC Nürnberg unter Vertrag.

Neumarkt-St. Veit - Daniel Butenko kommt aus Neumarkt-St. Veit und ist eSport-Profi. Der 20-Jährige steht seit 2017 beim 1. FC Nürnberg unter Vertrag und gewann zuletzt für den TSV Neumarkt-St. Veit den Kicker-Heimspiel-Cup. Beinschuss.de hat exklusiv mit Butenko über seine Karriere, sein Training und die eSport-Branche gesprochen. Heute Teil zwei:

Daniel Butenko (20) machte zuletzt wieder auf sich aufmerksam. Der 20-Jährige eSport-Profi aus Neumarkt-St. Veit gewann für seinen Heimatverein den Kicker-Heimspiel-Cup und spulte damit 1.000 Euro in die Vereinskasse des Kreisklassisten. Butenko steht seit Oktober 2017 beim 1. FC Nürnberg unter Vertrag, war im Alter von 15 Jahren bei der FIFA-Weltmeisterschaft dabei und wurde in der Saison 2015/16 Deutscher Meister. Die Karriere des mittlerweile 20-Jährigen liest sich wie ein Märchen. Beinschuss.de hat mit Butenko exklusiv gesprochen. Im ersten Teil ging es um die Anfänge seiner Karriere, die Weltmeisterschaft und was nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft alles auf ihn zukam. Im zweiten Teil spricht Butenko über sein Training, über die Branche eSport und über seine Zeit als Fußballer.


Herr Butenko, wie oft trainieren Sie in der Woche beziehungsweise pro Tag?

Butenko: “Ich trainiere täglich zwischen vier und fünf Stunden. Das gehört für einen eSPort-Profi einfach dazu. Man braucht Spielpraxis, die Laufwege müssen einstudiert und neue Skills und Standards geübt werden. Vor großen Turnieren ist dann der Trainingsaufwand deutlich größer. Dann können es auch sieben bis acht Stunden täglich sein.


Wie kann man sich ein Training bei einem eSportler vorstellen?

Butenko: “Das ist ganz unterschiedlich. Wenn ein neues FIFA rauskommt, muss man zunächst die neusten Features, Skills und Bucks herausfinden und lernen. Man muss trainieren, wie man am einfachsten Tore erzielt. Oftmals spielt man gegen andere eSportler und tauscht sich aus und hilft sich. Oder man spielt online gegen zufällige Gegner, auch hier lernt man viel dazu.

Wie ist Ihr Tagesablauf?

Butenko: “Seit ich das hauptberuflich mache, ist das viel entspannter. Ich habe mehr Zeit mich mit der Materie auseinanderzusetzen und zu trainieren. Aber jeder Tag ist unterschiedlich. Meist stehe ich auf, trainiere zwei Stunden, gehe raus oder mach Sport, trainiere wieder zwei Stunden. Am Abend Freunde treffen oder ich spiel noch ein Turnier.

Welche Fähigkeiten braucht ein eSport-Profi?

Butenko: “Das ist eine schwierige Frage. Ich weiß selbst nicht, was ich besser mache als andere. Für mich sind die Abläufe und meine Handlungen logisch. Aber an sich ist es wichtig, dass man ein Spielverständnis für Fußball hat, man schnell antizipieren kann, Instinkt und Erfahrung hat. Man muss schlau spielen und seinen Gegner lesen können. Dazu kommt, dass man Entscheidungen schnell treffen und die richtigen Tasten zur richtigen Zeit drücken muss."

Immer wieder gibt es die Diskussion, ob eSport wirklich Sport ist. Was antworten Sie darauf?

Butenko: “Wenn Schach ein Sport ist, dann ist eSport auch Sport. Es ist zwar nicht körperlich anstrengend, dafür aber physisch. Man muss sich bei großen Turnieren zum Teil über acht Stunden konzentrieren und mit Druck umgehen können. Deshalb ist es für mich ganz klar eine Sportart.”

Was können Sie anderen raten, die auch eSport-Profi werden wollen?

Butenko: “Das ist auch eine schwierige Frage, die mir aber oft gestellt wird. In der heutigen Zeit ist es aber einfacher als früher. Jedes Jahr kommen durch die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft Newcomer heraus. Wichtig ist aber dann, dass man seine guten Leistungen konstant über mehrere Jahre zeigt. Außerdem sollte man viel Social Media betrieben und viele Turniere spiele, um auf sich aufmerksam zu machen. Aber am Ende braucht man, wie auch beim Fußball, einfach das Quäntchen Glück.

Wie sehen Sie die Zukunft vom eSport?

Butenko: “Die Branche hat sich in den letzten Jahren stetig vergrößert. Die Preisgelder sind enorm gestiegen, vor ein paar Jahren bekam der Weltmeister noch 20.000 Dollar, heute sind das bereits 250.000 Dollar. Dazu kommt, dass immer mehr Vereine eine eSport-Abteilung gründen und die Medien nun vermehrt darüber berichten. Ich glaube, diese Entwicklung wird noch weiter gehen und das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht.”

Sie haben selbst Fußball gespielt und spielten auf der Zehner-Position. Wie würden Sie ihre eigene Spielzeit auf dem Platz beschreiben?

Butenko: “Ich habe mit fünf Jahren beim TSV Neumarkt angefangen. Ich bin zwar nie der große Läufer gewesen, aber ich habe das mit meinem Auge und meiner Technik ausgeglichen. Dann bin ich nach Landshut gewechselt und habe dort in der Jugend sogar in der Bezirksoberliga gespielt. Doch danach ging der Weg zurück nach Neumarkt.

Warum wurde es mit der eigenen Spielerkarriere nichts?

Butenko: “Als in Landshut gespielt habe, war die Situation schwierig. Ich musste damals jeden zweiten Tag die 40 Kilometer nach Landshut zum Training fahren und wieder zurück, während ich gleichzeitig noch in die Schule ging. Meine Eltern kamen aus Kasachstan nach Deutschland, deshalb hatten wir nicht so viel Geld und irgendwann war das zu kosten- und zeitintensiv. Darum bin ich nach Neumarkt zurückgekommen. Zu der Zeit habe ich auch vom Gewicht her zugenommen. Dadurch nahmen auch meine Verletzungen zu. Deshalb habe ich dann entschieden, nicht mehr selbst Fußball zu spielen.

Wie groß ist Ihre Verbundenheit zu ihrem Heimatverein?

Butenko: “Ich trainiere seit dem vergangenen Jahr die C-Jugend, von daher bin ich im Verein noch sehr aktiv. Außerdem schaue ich mir, wenn möglich, jedes Heimspiel der Herrenmannschaften und von den Jugendteams an. Ich habe im Verein noch viele Freunde und einige Jugendspieler habe ich selber trainiert. Von daher reißt der Kontakt nicht ab.

Sie haben höherklassig gespielt, musstest dann aber aufhören. Ist der eSport für Sie nun Ausgleich, was Sie auf dem Platz verpasst haben?

Butenke: “Jeder junge Spieler, der mal höherklassig gespielt und für seine Leistungen Lob erhalten hat, träumt davon Profi zu werden. Wer weiß, vielleicht hätte ich von Landshut beispielsweise zum TSV 1860 München gehen können. Aber dann hat das Leben eine Wendung genommen. Nun bin ich zwar nicht auf dem richtigen Rasen, dafür aber virtuell ein Profi-Sportler. Darauf bin sehr stolz."

Danke für das Interview

ma



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