„Lockdown“ im Berchtesgadener Land

Fußballklubs müssen Betrieb einstellen: „Die Situation ist zermürbend“

Fußball in Zeiten von Corona (Symbolbild)
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Fußball in Zeiten von Corona (Symbolbild)

Berchtesgadener Land - Der regionale Lockdown, der am Dienstag um 14 Uhr in Kraft tritt und zwei Wochen gilt, zwingt auch die Fußballklubs aus dem Berchtesgadener Land zum Zusehen. Sämtliche Sportanlagen wurden gesperrt, sodass der Trainings- und Spielbetrieb bis mindesten 2. November ruht.

Im Landkreis Berchtesgadener Land gingen die Corona-Zahlen zuletzt durch die Decke. Die 7-Tage-Inzidenz liegt aktuell bei 236,0, damit ist der Landkreis deutschlandweit der größten Corona-Hotspot. Am Montagabend gaben Landrat Bernhard Kern (CSU) und Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) auf einer Pressekonferenz bekannt, dass am Dienstag, 20. Oktober, um 14 Uhr umfangreiche Corona-Maßnahmen in Kraft treten. Ministerpräsident Söder (CSU) hatte zuvor sogar das Wort „Lockdown“ benutzt.

Der regionale Lockdown gilt bis zum 2. November

So wird das öffentliches Leben heruntergefahren (regionaler Lockdown), Kontakte sollen vermieden werden, Menschen dürfen die eigene Wohnung nur noch aus triftigen Gründen verlassen (Arbeit, Einkaufen) und Schulen, Kindergärten und Kindertagesstätten werden geschlossen. Zudem schließen sämtliche Freizeiteinrichtungen und Veranstaltungen (außer Gottesdiensten) sind untersagt. Die Maßnahmen gelten zunächst bis zum 2. November.

Davon betroffen sind auch die Fußballklubs aus der Region. Bereits seit vergangener Woche wird beim SC Anger nicht mehr trainiert und die Spiel am Wochenende fielen aus. Für zwei Wochen sind sämtliche Anlagen gesperrt, wodurch der Trainings- und Spielbetrieb eingestellt werden musste.. „Diese Maßnahme betrifft sämtliche Abteilungen und Teams des SVL. Wie es mit dem Spielbetrieb weitergeht, ist aktuell noch nicht abzusehen und wird sich in den nächsten Tagen entscheiden“, teilt beispielweise der SV Leobendorf mit.

„Es macht aktuell keinen Sinn weiter zu spielen“

Beim SV Saaldorf entschieden die Verantwortliche bereits am Montag, dass alle Teams nicht mehr auf den Platz zurückkehren werden und die Herrenteams wurden vom Ligapokal abgemeldet. „Beim Anblick der Zahlen war für mich klar, dass ich den Betrieb für alle ab sofort einstelle“, sagt Saaldorfs Abteilungsleiter Marcus Dinkler gegenüber beinschuss.de. „Es macht unter den aktuellen Umständen keinen Spaß und auch keinen Sinn weiter zu spielen. Das Verständnis im Verein war groß.“ Damit wird der SVS im Jahr 2020 nicht mehr auflaufen.

Bereits Montagmittag gab der SV Laufen bekannt, den Betrieb komplett einzustellen. „Für mich stellt sich schon die Frage, wie sinnvoll es ist den Spielbetrieb noch einmal aufzunehmen“, sagt Laufens Christian Schmidbauer. „Meiner Meinung nach wäre es das Beste, wenn wir den Hut draufhauen und im Frühjahr schauen wie die Situation ist.“ Der SVL hofft, dass der Verband bald eine Entscheidung trifft. „Für die Jugendlichen ist die Situation schon brutal. Die Erwachsenen und deren Arbeitgeber werden wahrscheinlich froh sein, wenn nicht mehr gespielt wird“, so Schmidbauer weiter.

„Jeder Verein kann für sich seine eigenen Entscheidungen treffen“

Der ESV Freilassing gab bereits am Samstag bekannt, dass aufgrund eines positiven Corona-Falls innerhalb der Mannschaft der Trainingsbetrieb ruht. „Dem Infizierten geht es soweit gut. Drei Personen aus unserem Verein sind aktuell in Quarantäne“, sagt Helmut Fraisl, Sportlicher Leiter des Bezirksligisten. Beim ESV ist man derzeit noch gewillt, nach dem regionalen Lockdown wieder den Betrieb aufzunehmen. „Jeder Verein kann für sich seine eigenen Entscheidungen treffen. Wir wollen Stand jetzt weiter spielen, solange es Sinn macht“, so Fraisl weiter. „Wir sind der Meinung, dass wir uns von der Pandemie nicht in Knie zwingen lassen sollten.“

„Es ist eine ganz schwierige Situation, die sehr zermürbend ist“, sagt FC Hammeraus 1. Vorstand Gernot Althammer gegenüber beinschuss.de. „Der Sport bringt den Spielern viel, vor allem als psychologische Entlastung.“ Althammer hofft, dass es nach den 14 Tagen wieder weitergeht. „Bei uns kommt die Grenzsituation dazu. Wenn in Österreich weiter gespielt wird, kann es sein, dass welche die Fußballspielen wollen dorthin wechseln.“

„Wir wussten, dass so eine Phase eintreten kann“

Für den Bayerischen Fußball-Verband und deren Spielleiter steht also viel Arbeit mit Spielverlegungen bevor. „Es ist eine außergwöhnliche Situation, aber wir wussten, dass so eine Phase eintreten kann“, so BFV-Pressesprecher Fabian Frühwirth auf Nachfrage von beinschuss.de. Wie es mit dem Ligapokal weitergehen soll, ist noch nicht entschieden. „Klar ist, dass der Ligapokal der erste Streichkandidat wäre. Aber das Modell ist flexibel, sodass wir sehr viele Optionen haben“, so Frühwirth weiter, der sich in der Entscheidung, die Saison 2019/20 fortzuführen, bestätigt sieht: „Hätten wir eine neue Saison gestartet, würde die spätestens jetzt auf sehr wackligen Beinen stehen.“

Kern und Kaniber sehen die neue Allgemeinverfügung als Chance, der Pandemie die Stirn zu bieten, Infektionsketten zu unterbrechen und bald wieder einen geregelten Ablauf im Landkreis möglich zu machen. Die Allgemeinverfügung gilt vorerst bis 2. November um 24 Uhr.

ma

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