Direkt: "Ich habe es einfach vermisst, auf dem Platz zu stehen!"

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Leo Haas (Obere Reihe rechts) an seinem neuen Arbeitsplatz: das Therapie- und Trainingszentrum Hansi Friedl (li.) und der TSV 1880 Wasserburg

Beinschuss-Reporter Christoph Herberth hat sich in dieser Woche mit Leo Haas zu einem spannenden Interview getroffen

Ex-Profi Leonhard Haas hat sich vor knapp einem Monat dem Kreisklassisten TSV Wasserburg angeschlossen und wird ab sofort mit seinen beiden Brüdern Matthias und Dominik in einer Mannschaft auflaufen. Beinschuss.de hat sich mit dem gebürtigen Rosenheimer, der in seiner Karriere mehr als 100 Zweitligaspiele (13 Tore) für den FC Augsburg, die Spielvereinigung Greuther Fürth und den FC Ingolstadt  absolviert hat, zu einem spannenden Interview getroffen.

beinschuss.de: Hallo Leo, du hast dich trotz höherklassiger Angebote dazu entschlossen, deine Karriere beim TSV Wasserburg in der Kreisklasse ausklingen zu lassen. Was waren die Gründe für deine Entscheidung?

Leo Haas: Durch meine Umschulung bin ich beruflich sehr eingespannt. In Wasserburg kann ich das Ganze sehr gut miteinander verbinden, sodass auch meine Familie nicht zu kurz kommt. Ich hatte in der Vergangenheit einige Verletzungen, das war auch mit ein Grund, warum ich es nicht noch einmal höherklassig versucht habe. Beim TSV Wasserburg hat sich im vergangenen Jahr einiges getant und jetzt darf ich auch zum ersten Mal mit meinen beiden Brüdern zusammenspielen, das hat meine Entscheidung natürlich auch beeinflusst.

Die Vorbereitung auf die bevorstehende Kreisklassen-Saison ist bereits im vollem Gange. Was sind deiner Meinung nach die größten Unterschiede zum professionellen Fußball?

Leo Haas: Es gibt im Amateurbereich, was natürlich auch legitim ist, einfach Wichtigeres als den Fußball. Das macht sich insbesondere an der Trainingsbeteilung und der Einstellung einiger Spieler bemerkbar. Die Spieler setzten auf diesem Niveau einfach andere Prioritäten, das ist für mich der größte Unterschied zum professionellen Fußball. Dazu kommen dann natürlich auch die Unterschiede im sportlichen Bereich, wie unter anderem das Tempo und die individuelle Qualität sowie das taktische Verständnis der einzelnen Spieler. Nichtsdestotrotz ist es immer noch der Fußball, den wir alle so lieben.

Du hast in deiner Laufbahn etliche Zweit- und Drittligaspiele absolviert. Wie groß ist die Umstellung für dich persönlich?

Leo Haas: Ich spiele einfach unglaublich gern Fußball, ob mit Freunden, meinen Kindern oder jetzt mit meinen Brüdern beim TSV Wasserburg. Es geht mir einfach nur um den Sport selber, ich habe es einfach vermisst auf dem Platz zu stehen. Ich betrachte das Ganze jetzt natürlich aus einem anderen Blickwinkel, ich habe deutlich weniger Druck und kann viel gelassener an die Sache rangehen. Ich möchte dem Fußball auch nach meiner aktiven Laufbahn treu bleiben und bin deshalb sehr froh, dass ich den Sport jetzt auch einmal auf einer anderen Ebene kennenlernen darf. Hamburg, Fürth oder zuletzt Rostock, jeder Verein war eine Umstellung für mich, so sehe ich das jetzt auch in Wasserburg.

Der TSV Wasserburg wird in der Kreisklasse als absoluter Aufstiegsfavorit gehandelt. Alles andere wie der erneute Aufstieg wäre somit eine Enttäuschung?

Leo Haas: Nein auf keinen Fall. Wir gehen als Aufsteiger in die neue Saison und wollen uns erst einmal in der Kreisklasse etablieren. Es wäre vermessen, schon vor der Saison vom Aufstieg zu sprechen. Wir haben wieder eine gute Mannschaft und im Vergleich zum letzten Jahr auch noch Qualität dazubekommen. Wenn wir alle an einem Strang ziehen, werden wir auch in dieser Saison eine gute Rolle spielen, da bin ich mir sicher. Falls es nicht klappt, ist das aber auch kein Weltuntergang.

In dem vergangen Jahr hat in Wasserburg ein großer Umbruch stattgefunden, der TSV hat sich zu einem attraktiven Verein entwickelt, der nicht nur auf sondern auch neben dem Platz für positive Schlagzeilen sorgt. Was sind eure Ziele für die nächsten Jahr?

Leo Haas: Wir wollen nicht nur mit dem Aushängeschild des Vereins, der ersten Mannschaft, sportlich für positive Schlagzeilen sorgen, sondern auch mit der zweiten Mannschaft und unserer Jugend. Ziel ist es auf lange Sicht die eigenen Talente im Herrenbereich zu etablieren und Jahr für Jahr neue Eigengewächse hervorzubringen, sodass wir älteren Spieler uns in ein paar Jahren beruhigt zurückziehen können. 

Du hast im vergangenen Jahr eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann im Therapie- und Trainingszentrum Hansi Friedl begonnen, wie gefällt dir deine neue Aufgabe?

Leo Haas: Die Arbeit gefällt mir sehr gut. Durch meine Verletzungen habe ich mich auch als Profi viel mit diesem Thema beschäftig, das kommt mir jetzt natürlich zu Gute. In den vergangenen Jahren hat sich im Bezug auf das Athletiktraining, insbesondere im Fußball, einiges getan. Auch die Amateurvereine haben mittlerweile erkannt, wie wichtig das funktionelle Training für die Sportler ist. Das ist genau der richtige Ansatz, dem wir auch im Therapie- und Trainingszentrum, mit unserem eigens entwickelten Trainingskonzept namens Corox, nachgehen.

Ihr arbeitet mit vielen Fußballmannschaften aus der Region zusammen und habt zuletzt auch mit dem Bayernligisten TSV 1860 Rosenheim eine Partnerschaft abgeschlossen. Wie wichtig ist deiner Meinung nach das Athletiktraining im Fußball und speziell im Amateurbereich?

Leo Haas: Mit der COROX Trainingsmethode setzten wir genau da an, womit die Profimannschaften schon vor einigen Jahren begonnen haben. Ich finde es super, dass auch ein Bayernligist, wie der TSV 1860 Rosenheim, das erkannt hat und mit uns zusammen arbeitet. Ich bin mir sicher, dass sich das auf lange Sicht auch positiv auf den Erfolg auswirkt und der TSV in dieser Saison weniger verletzungsbedingte Ausfälle zu verzeichnen hat. Schon im vergangenen Jahr waren regelmäßig Amateurvereine aus der Region bei uns zu Gast, diese Entwicklung ist sehr positiv.

Am 16. August startet ihr in Ramerberg in die neue Saison. Wie viele Haas sehen wir dann in der Startformation?

Leo Haas: Aktuell schaut es sehr gut aus, ich hoffe, dass sich bis zum Ligastart am 16. August keiner mehr verletzt, dann sollten alle von Beginn an auflaufen. Das wäre natürlich eine tolle Geschichte.

Rückblickend auf deine sportliche Laufbahn, was war bisher der schönste und was der schwärzeste Moment in deiner Karriere?

Leo Haas: In meiner ersten Zweitligasaison mit Augsburg haben wir die Löwen mit 3:0 vor ausverkauftem Haus in der Münchner Allianz Arena besiegt und ich habe den Führungstreffer erzielt. Dieses Spiel zählt mit Sicherheit zu den schönsten Momenten in meiner Karriere. So etwas vergisst man als Fußballer einfach nie. Leider gab es auch den ein oder anderen Moment, an den man sich nicht so gern zurückerinnert. In erster Linie waren das die Verletzungen, die mich im Laufe meiner Karriere immer wieder zurückgeworfen haben.

Vielen Dank Leo für das Interview und viel Erfolg für die kommende Saison in der Kreisklasse!

 

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