Direkt: "Kämpfen, brennen und den Ball einfach mal in die Mangfall wixen"

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Charly Kunze (li.) mit Tobias Ruf

Beinschuss-Direkt kreuzt in dieser Woche dir Krücken. Der am Mittelfuß verletzte Charly Kunze von 1860 Rosenheim steht Tobias Ruf Rede und Antwort.

Beinschuss-Direkt kreuzt in dieser Woche die Krücken. Der am Mittelfußverletzte Charly Kunze von 1860 Rosenheim steht Tobias Ruf Rede und Antwort.

Beinschuss.de: Charly, wie geht es dir nach deiner Mittelfuß-OP?

Charly Kunze: Es geht allmählich aufwärts. Ab und an habe ich noch Schmerzen, aber ich kann zumindest wieder durchschlafen. Das ist ein echter Fortschritt.

Wie schwer fällt es dir, deinen Teamkollegen in der schweren sportlichen Lage nicht helfen zu können?

Kunze: Ich kann mir die Spiele ehrlich gesagt nicht in Ruhe anschauen. Ich sitze da draußen, bin schrecklich nervös, fange an zu zappeln und würde gerne helfen. Das fällt in einer Phase, in der es nicht läuft, natürlich doppelt schwer.

Nach dem Regionalliga-Abstieg steht ihr auch in der Bayernliga wieder im Tabellenkeller. Was sind dir Gründe dafür?

Kunze: Es gibt mehrere Gründe. Wir hatten eigentlich keine Sommerpause, spielen zudem seit dem ersten Spieltag ausschließlich Englische Wochen. Wir nutzen das Training primär zur Regeneration, für große taktische Einheiten und Vollgas-Sessions bleibt überhaupt kein Spielraum.

Ist man da nicht automatisch sauer auf den Verband?

Kunze: Natürlich. Der enge und straffe Terminkalender geht nur zu Lasten der Vereine. Verletzungen werden sich aufgrund der hohen Belastung häufen. Das ist nicht Sinn der Sache. Wieso muss man im Jahr 2014 noch Spiele aus der Rückrunde ansetzen? Und dann haben wir drei Monate frei. Das ergibt doch keinen Sinn.

Wie groß ist die Angst vor einem erneuten Abstieg?

Kunze: Nein, davor habe ich keine Angst. Wir haben viel Qualität, müssen diese aber schnell in Punkte ummünzen. Je länger das dauert, umso schwieriger wird es. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass uns das schon bald gelingen wird.

Was muss passieren, um den Bock umzustoßen?

Kunze: Wir brauchen ein Erfolgserlebnis in der Liga. Dies geht aber nur, wenn wir endlich die Zweikämpfe annehmen, kämpfen und dagegenhalten. Das fängt schon im Training an. Robert Mayer hat mir einmal gesagt, ich muss auch im Training brennen und einfach mal einen Ball in die Mangfall wixen. Das kostet mich dann zwar drei Euro, setzt aber Adrenalin frei, das ich dann ins Spiel mitnehme. Das fehlt einigen unserer jungen Spieler noch, aber das werden sie schnell begreifen.

Wohin führt der Weg in dieser Saison?

Kunze: In der Hinrunde müssen wir zusehen, den Anschluß an das gesicherte Mittelfeld nicht zu verlieren. In der Rückrunde ist nach einer guten Vorbereitung dann einiges drin. In der Mannschaft steckt ein brutales Potenzial, wenn wir alle an einem Strang ziehen, werden wir unsere Ziele erreichen

Und langfristig gedacht?

Kunze: Langfristig ist das Ziel, wieder in die Regionalliga aufzusteigen. Das geht aber nur mit einem soliden Fundament und braucht entsprechend Zeit. Ich bin da guter Dinge, der neue Vorstand hat die Weichen gestellt, das ist genau der richtige Ansatz für die Zukunft. Ich möchte ein Teil dieses Langzeitprojektes sein und stehe voll hinter dem Verein.

Was meinst du genau mit solidem Fundament?

Kunze: Dass eine Regionalliga-Mannschaft keinen eigenen Trainingsplatz hatte, ist ein Witz. Auch in Sachen Außendarstellung hat der Verein in den letzten Jahren Fehler gemacht.

Welche?

Kunze: Es gab fast nur Negativschlagzeilen und das, obwohl wir im letzten Jahr Regionalliga gespielt haben. Viele Spieler haben den Verein verlassen, das hat kein gutes Bild auf den TSV gerichtet.

Äußert sich das auch in den niedrigen Zuschauerzahlen?

Kunze: Leider ja. Solange wir nach außen nicht solide wirken, werden wir auch nicht mehr Zuschauer ins Jahnstadion kriegen. Aber genau da setzen wir ja jetzt an. Wir müssen zudem in Sachen Marketing einen echten Schritt nach vorne machen. Das beinhaltet die neuen Medien und die allgemeine Präsenz in der Stadt. Ich habe vor kurzem ein Plakat mit einer Spielankündigung in der Stadt hängen sehen. Das war ein halbes Jahr alt. Das darf nicht sein.

Du bist mit 20 Jahren schon ein echter Führungsspieler. Ist das eher Chance oder Ballast für dich?

Kunze: Das ist alles andere als ein Ballast für mich. Ich war schon in der Jugend ein Spieler, der vorne weggegangen ist und immer seine Meinung geäußert hat. Ich genieße zudem das Vertrauen der Trainer, das bestärkt mich in meiner Position.

Gab es nie Momente, in denen dir die Verantwortung zu viel wurde?

Kunze: Nein, die gab es tatsächlich noch nicht. Vielleicht kommen solchen Phasen noch, aber bislang habe ich mich in verantwortlicher Position immer wohlgefühlt.

Entspricht das auch deinem Naturell außerhalb des Platzes?

Kunze: Total. Ob auf meiner Arbeit oder im Privatleben, ich gehe gerne vorne weg. Man muss damit richtig umgehen können, wenn es einmal nicht läuft, steht man schnell in der Schusslinie. Aber das Risiko gehe ich gerne ein.

Wann sehen wir dich wieder auf dem Platz?

Kunze: Mein Ziel ist es, in zehn Wochen wieder fit zu sein. Aber ich gehe die Regeneration in Ruhe an, wenn es nach zehn Wochen nicht klappt, dann spiele ich eben erst zur Rückrunde wieder.

Vielen Dank für das Interview

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