"Ein Schlag ins Gesicht der Schiedsrichter!"

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Vier Jahre nach der brutalen Attacke gegen Ex-Schiedsrichterin Rebekka Redinger ist der Täter nun von BFV-Präsident Dr. Koch begnadigt worden.

Im Januar 2010 brannten einem Fußball-Torwart eines damaligen C-Klassisten aus dem Landkreis Altötting bei einem Hallenturnier in Emmerting die Sicherungen durch. Nach einer Roten Karte für einen Teamkollegen stürmte er auf die damals 20-jährige Schiedsrichterin Rebekka Redinger zu, trat und würgte sie und zog sie mehrfach massiv an den Haaren, so dass die junge Frau auch Verletzungen an der Halswirbelsäule erlitt. Redinger musste in ärztliche Behandlung, war krank geschrieben. Der Täter wurde daraufhin vom Bayerischen Fußball-Verband (BFV) (vermeintlich) lebenslang aus dem Verband ausgeschlossen.

Schläger nach vier Jahren begnadigt

Nun gab es in diesem Fall eine Wende: Wie beinschuss.de und innsalzach24.de erfahren haben, ist dem Gnadengesuch des Brutalo-Keepers von Verbandspräsident Dr. Rainer Koch jetzt stattgegeben worden. Die Sperre endet demnach zum 30. Juni 2014. Das hat der BFV bestätigt. „Das ist ein Schlag ins Gesicht – nicht nur für mich, sondern auch für jeden anderen Schiedsrichter“, sagte Redinger unserer Redaktion. „BFV-Präsident Dr. Koch hat mich in den Tagen nach der Tat angerufen und mir versichert, dass dieser Spieler keinen bayerischen Fußballplatz mehr betreten wird“, so die inzwischen 24-Jährige weiter. Auch Ex-Kreisschiedsrichter-Obmann Franz Eimannsberger, damals auch "Chef" in Redingers Gruppe Inn, kann die Entscheidung nicht nachvollziehen und hat sich per E-Mail an den Präsidenten gewandt (E-Mail liegt der Redaktion vor).

Der BFV verwies in Person des Bezirksvorsitzenden Horst Winkler (Rosenheim) gegenüber der PNP darauf, dass zu lebenslanger Sperre verurteilte Spieler „normalerweise nach zwei bis drei Jahren begnadigt werden“. Kurz nach der Tat hatte Oberbayerns oberster Fußballfunktionär noch ganz andere Töne angeschlagen. „Wer einen Schiedsrichter so angeht, wie es in diesem Fall der Torwart getan hat, der hat auf einem Fußballplatz nichts mehr zu suchen", wurde Winkler im Februar 2010 auf der BFV-Internetseite zitiert.

BFV äußert sich offiziell

Inzwischen hat sich der Bayerische Fußball-Verband auf Anfrage unserer Redaktion offiziell geäußert. „Der Bayerische Fußball-Verband verfolgt bei Gewalt auf Fußballplätzen eine Null-Toleranz-Politik. Dazu stehen wir ohne Wenn und Aber. Allerdings ist auch der BFV an das Recht der Bundesrepublik Deutschland gebunden. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs darf ein Monopolverband einen Spieler grundsätzlich nicht lebenslänglich sperren. Deswegen sieht die Rechts- und Verfahrensordnung des BFV (Paragraf 64 RVO) auch die Möglichkeit vor, per Gnadengesuch um eine Bewährung zu bitten“, erklärte Pressesprecher Thomas Müther auf Anfrage.

Harsche Kritik aus SR-Kreisen

In Schiedsrichterkreisen herrscht Fassungslosigkeit über diese Entscheidung. Vor allem in Internetforen und in sozialen Netzwerken wird massiv Dampf abgelassen und der BFV harsch kritisiert. „Dies ist eine saubere Watschn für alle Schiedsrichter“, schreibt ein User, selbst seit vielen Jahren an der Pfeife aktiv. Ein anderer stellt gar die Wertschätzung für die Referees an sich in Frage: „Der Verantwortliche hierfür (Anm. der Redaktion: für die Begnadigung) sollte jetzt nicht nach Rechtfertigungen suchen, sondern endlich zugeben, dass ihm der Amateurfußball und die Schiedsrichter nichts bedeuten.“ Sogar einen möglichen „Schiedsrichterstreik“ hat ein Nutzer in die Runde geworfen.

Dieser Vorfall ist übrigens nicht der einzige Fall von Gewalt auf Fußballplätzen im Kreis Inn/Salzach. Die wohl schlimmste Tat ereignete sich im Oktober 2012, als ein Spieler des FC Iliria Rosenheim Referee Thomas K. krankenhausreif schlug und trat. Der Unparteiische hat bei der brutalen Attacke bleibende Schäden an einem Auge erlitten und leidet bis heute darunter. Auch der Trainer von Gegner ESV Rosenheim wurde bei der Auseinandersetzung verletzt. Die beiden Täter sind danach vom BFV ebenfalls ausgeschlossen worden.

"Scheinheiligkeit des Verbandes ärgert mich!"

Für Redinger ist die Sache inzwischen sowohl körperlich als auch psychisch abgehakt. Das hat sie uns gegenüber versichert. Doch selbst mit einigem Abstand ärgert sie sich immer noch über einige Verbandsfunktionäre: „Was mich aufregt, ist diese Scheinheiligkeit des Verbandes! Da wird immer behauptet, man müsse die Schiedsrichter schützen und dann folgt so eine Entscheidung.“ Immerhin wollen die Verantwortlichen den Täter im Auge behalten. „Der Spieler steht natürlich weiterhin unter Beobachtung. Wir gehen davon aus, dass er sich in Zukunft vorbildlich verhält, weil er sein Fehlverhalten eingesehen hat. Er hat sich außerdem entschuldigt und Schmerzensgeld bezahlt", so Müther.

Bleibt zu hoffen, dass beim Täter wirklich die geistige Kehrtwende eingetreten ist. beinschuss.de und innsalzach24.de haben nämlich erfahren, dass ein Verein aus dem Landkreis Altötting ernsthaft darüber nachgedacht hat/darüber nachdenkt, diesen Akteur ab Sommer in seine Fußballmannschaft aufzunehmen.

Martin Weidner/rosenheim24

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