Neuer Spielmodus in Planung

Eine Fußball-Revolution unter der Zugspitze: Schluss mit Hin- und Rückrunde

Der SV Westerndorf und der ASV Au gehören zu den Spitzenteams in der Fußball-Kreisliga 1 im Kreis Inn/Salzach. Würden sie zum Kreis Zugspitze gehören, dann würden sie ihren Meister künftig in der Aufstiegsrunde ausspielen.
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Der SV Westerndorf und der ASV Au gehören zu den Spitzenteams in der Fußball-Kreisliga 1 im Kreis Inn/Salzach. Würden sie zum Kreis Zugspitze gehören, dann würden sie ihren Meister künftig in der Aufstiegsrunde ausspielen.

Seit mindestens 75 Jahren verläuft eine Saison im bayerischen Fußball nach dem gleichen Muster: Hin- und Rückrunde, jeder spielt zweimal gegen jeden, und am Ende ist einer Meister und ein paar Vereine steigen ab. Im Kreis Zugspitze könnte sich das nun grundlegend ändern – das interessiert auch die Spielleiter im Kreis Inn/Salzach.

Rosenheim – Es ist eine kleine Revolution. Nein, es geht nicht um die Frage, ob man die Corona-Saison abbrechen soll oder nicht. Es geht um die Zukunft. Zwischen Fischbachau und Landsberg, zwischen Garmisch und Holzkirchen soll in der neuen Saison nach einem anderen Modus Fußball gespielt werden als bisher. Die Kurzfassung: Im Herbst wird eine Qualifikationsrunde gespielt, im Frühjahr geht es in getrennten Auf- und Abstiegsrunden um Meisterschaft und Klassenerhalt. Die Relegation bleibt – oder wird durch Play-off- und Play-down-Runden wie im Eishockey ersetzt.

Pilotprojekt auf zwei bis drei Jahre

„Es wäre spannend, einfach mal was Neues zu machen“, erklärt Zugspitz-Kreisspielleiter Heinz Eckl (Altenstadt bei Schongau), warum die Funktionäre zusammen mit zwei Dutzend Vereinsvertretern – von Abteilungsleitern über Trainer bis zum Torhüter – in Online-Sitzungen wochenlang über einem neuen Spielsystem gebrütet haben. Mehr Spannung soll es vor allem bringen. Es ist ein Pilotprojekt, auf zwei bis drei Jahre angelegt, auf das ganz Bayern schaut. Ob und wie es umgesetzt wird, sollen die rund 230 Vereine selbst entscheiden, denen Eckl die Pläne am Wochenende vorstellte. Bis zum 19. April haben sie Zeit abzustimmen. Sprechen sich mindestens zwei Drittel dafür aus, geht es im August los.

„Wenn es nicht zustande kommt, ist keiner beleidigt“, schickt Eckl voraus. Aber enttäuscht wäre er schon, das merkt man ihn an. Selbstverständlich ist die Zustimmung nicht: In Mittelfranken fiel Bezirks-Spielleiter Thomas Jäger mit einem ähnlichen Modell für die Bezirksligen kürzlich mit Pauken und Trompeten durch – die Vereine wollten lieber eine Mammut-Saison mit bis zu 34 Spielen. Die ersten Reaktionen in der Videokonferenz im Kreis Zugspitze waren positiv: „Ich war am Anfang total dagegen“, gestand Trainer Patrick Lachemeier vom Kreisklassisten DJK Darching (bei Holzkirchen), der der Arbeitsgruppe angehörte. „Aber ich habe mich überzeugen lassen, und jetzt finde ich das richtig gut.“

Eckls Inn/Salzach-Kollege Hans Mayer (Petting) hat die Planungen von Anfang an mitverfolgt. „Ich finde das sehr interessant“, sagt der Kreisspielleiter. „Ich kann mir das auch bei uns gut vorstellen. Aber in der Saison 2021/22 käme das für uns zu früh.“

So funktioniert das neue System

Qualifikationsrunde:Die Zahl der Spielgruppen wird verdoppelt, sodass in jeder Liga nur sieben bis acht Mannschaften spielen. Die Kreisliga bestünde also aus vier Gruppen, die Kreisklasse aus acht. 14 Spieltage lang wird von Anfang August bis Mitte November in Hin- und Rückspiel gekickt, dann wird abgerechnet: Die ersten Drei jeder Liga qualifizieren sich für die Aufstiegsrunde, der Rest muss in die Abstiegsrunde.

Aufstiegsrunde:In jeder Gruppe spielen sechs Vereine um Meisterschaft und Aufstieg – macht zehn Spieltage von Ende März bis Ende Mai. In der Kreisliga wären das insgesamt zwölf Mannschaften in zwei Gruppen, in der Kreisklasse 24 in vier Gruppen. Der Erste jeder Gruppe steigt auf, der Zweite geht in die Relegation um den Aufstieg.

Abstiegsrunde:Hier bestehen die Gruppen im Frühjahr aus fünf oder sechs Mannschaften, die in Hin- und Rückspiel gegeneinander antreten. In der Kreisliga wären das zum Beispiel drei Gruppen, in der Kreisklasse sechs. Nur die Tabellenletzten steigen direkt ab, die davor platzierten Mannschaften gehen in die Relegation mit den Vizemeistern der nächstniedrigeren Klasse.

Bonuspunkte:Die Auf- und Abstiegsrunden beginnen bei Null. Doch damit es im Herbst nicht nur um die Qualifikation geht, nehmen die Vereine je nach ihrem Tabellenplatz Bonuspunkte mit: Der Erste geht mit sechs Punkten in die Aufstiegsrunde, der Zweite mit vier, der Dritte mit zwei Punkten. In die Abstiegsrunde bekommt der Vierte sechs Punkte, der Fünfte vier, der Sechste zwei und der Siebte und Achte je einen Punkt mit.

C-Klassen:Eine Abstiegsrunde auszuspielen, wäre unsinnig – weiter runter geht es nicht. Trotzdem wird die Saison in zwei Hälften geteilt. Für den Sieger der Herbstrunde gibt es einen zusätzlichen Anreiz: Er rückt im Frühjahr in die Abstiegsrunde der B-Klasse auf – und nimmt zwei Bonuspunkte mit, einen mehr als die beiden Tabellenletzten der B-Klasse. Im Frühjahr werden die C-Klassisten neu gemischt, nehmen aber Bonuspunkte aus dem Herbst mit. Der Frühjahrsmeister steigt ebenfalls auf.

Relegation:Kreisspielleiter Eckl stellt die Zugspitz-Vereine vor die Wahl. Entweder die Relegation bleibt, wie sie ist – oder sie wird umgestellt auf einen Play-off-Modus „Best of three“, in dem zwei Vereine so oft gegeneinander spielen, bis einer zweimal gewonnen hat.

Die Vor- und Nachteile

Der größte Vorteil in den Augen von Eckl: Die Saison wird spannender, schon im Herbst geht es um Hopp oder Top. Im Frühjahr werden die Spiele enger, weil die Mannschaften in der gleichen Liga ähnlich stark sind. Bei den E- und F-Jugendlichen gibt es ein ähnliches System deshalb seit Jahren. Durch die kleineren Ligen winken mehr Lokalderbys und kürzere Fahrtstrecken. Das kann aber auch bedeuten: Man spielt viermal in einer Saison gegen den gleichen Gegner – ob sie das gut finden oder schlecht, müssen die Vereine beurteilen. Das gilt auch für die Tatsache, dass die Saison nach dem neuen Modus in der Regel zwei Spieltage kürzer ist.

Trotzdem kann der Termindruck größer werden: Die Herbstrunde muss im November abgeschlossen sein, wenn gerade im Voralpenland Spielausfälle drohen. Deshalb sollen Partien an den letzten vier Spieltagen notfalls auf des Gegners Platz – oder einen neutralen Platz – verlegt werden können. Weil die Gruppen im Frühjahr neu zusammengestellt werden, steht dann zudem ein Fragezeichen hinter den gemeinsamen Heimspielen von erster und zweiter Mannschaft, die vielen Vereinen wichtig sind.

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