Von geilen Zeiten, fehlendem Talent und der besseren Hälfte

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Thomas Masberg im weißen Trikot des 1. FC Miesbach und zu 1860-Zeiten im roten Dress

Beinschuss-Direkt: Thomas Masberg blickt im Interview der Woche auf seine interessante Karriere zurück und spricht über seine neue Herausforderung beim 1. FC Miesbach.

Thomas Masberg vom 1. FC Miesbach ist in dieser Woche unser Beinschuss-Direkt Interviewpartner. Der Torjäger wird im August 35 Jahre alt und hat immer noch nicht genug. Im Interview mit Beinschuss-Reporter Christoph Herberth spricht der Stürmer über seine neu gewonnenen Erfahrungen in der Bezirksliga und die schönsten Momente seiner bisherigen Karriere.

beinschuss.de: Hallo Thomas, die Vorbereitung ist bereits in vollem Gange, wie läuft es bisher?

Thomas Masberg: Bis auf die Sache mit dem neuen Trainingsort bin ich eigentlich sehr zufrieden. Das Training macht Spaß, wir trainieren fast ausschließlich mit dem Ball. Unser Trainer schafft es auch in der Vorbereitung, alle Spieler bei Laune zu halten und uns trotzdem optimal auf die Rückrunde vorzubereiten. 

Was hat es mit dem Trainingsort auf sich?

Thomas Masberg: Da wir in Miesbach keinen eigenen Kunstrasenplatz haben, müssen wir zum Trainieren nach Bad Wiessee ausweichen. Von meinem Arbeitsplatz bis dorthin sind es knapp 100 Kilometer einfach.

Die Sache mit den externen Trainingsplätzen kennst du ja bereits aus deiner Zeit beim TSV 1860 Rosenheim.

Thomas Masberg: (lacht) Das stimmt! Was tut man nicht alles für den Fußball…

Der 1. FC Miesbach überwintert aktuell auf einem guten dritten Tabellenplatz. Was sind eure Ziele für die Restsaison?

Thomas Masberg: Wenn man auf dem dritten Tabellenplatz überwintert und auf Schlagdistanz zu den Aufstiegsrängen ist, dann gibt es eigentlich nur ein Ziel in der Rückrunde. Wir Spieler wollen natürlich aufsteigen. Ob es für den Verein letzten Endes auch Sinn macht, sei dahingestellt.

Inwiefern?

Thomas Masberg: Es gibt in Miesbach keine zweite Mannschaft und aktuell, soweit ich weiß, auch nur eine A-Jugend in Form einer Spielgemeinschaft mit dem TSV Weyarn. Wenn man dann auch noch den Altersdurchschnitt unserer Mannschaft betrachtet, sind die Voraussetzungen alles andere als optimal. 

Mit neun Treffern aus 17 Spielen bist du der beste Torschütze in deiner Mannschaft. Bist du mit deiner eigenen Leistung bisher zufrieden?

Thomas Masberg: Ich war im vergangenen Jahr viel mit unserem Hausbau beschäftigt und konnte deshalb nur einmal in der Woche trainieren. Ich habe seit meinem zwanzigsten Lebensjahr regelmäßig zwei bis dreimal, in der Regionalliga zuletzt sogar viermal, pro Woche trainiert, eine Einheit ist mir deshalb auf Dauer zu wenig und macht sich körperlich auch bemerkbar. In der Rückrunde werde ich wieder regelmäßig zwei Einheiten absolvieren. Ich bin mir sicher, dass ich dann noch den ein oder anderen Treffer drauflegen kann. Am meisten freut es mich allerdings, dass ich fast alle Spiele bestritten haben und von größeren Verletzungen verschont geblieben bin.

Ihr habt zuletzt den Bezirksliga Süd Spitzenreiter TUS Geretsried mit 4:1 besiegt. Wie stark ist die Bezirksliga Ost?

Thomas Masberg: Das Ergebnis ist deutlicher ausgefallen, als das Spiel eigentlich war. Es war für beide Teams eines der ersten Testspiele im neuen Jahr, das sollte man deshalb nicht allzu hoch bewerten. Die Bezirksliga ist eine sehr gute und interessante Liga. Einige Vereine können spielerisch sicherlich auch mit dem ein oder anderen Bayernliga-Team mithalten, dafür mangelt es dann wiederum an anderen Dingen.

Zum Beispiel? Was sind deiner Meinung nach die größten Unterschiede zum höherklassigen Fußball?

Thomas Masberg: In der Bezirksliga kommen viele Mannschaften in erster Linie über den Kampf. Eine klare taktische Linie ist nur bei den wenigsten Teams zu erkennen. Auch die Einstellung der Spieler ist in der Regionalliga weitaus professioneller. Man merkt einfach, dass es dort für den Großteil der Spieler um Existenzen geht. In der Bezirksliga ist der Fußball für jeden nur ein Hobby, das ist sowohl auf als auch neben dem Platz deutlich zu erkennen.

Wie groß war die Umstellung für dich persönlich?

Thomas Masberg: Ich kenne die Bezirksliga ja noch aus meiner Zeit beim TSV 1860 Rosenheim. Ich habe damals zwischendurch auch immer mal wieder ein Spiel in unserer zweiten Mannschaft gemacht. Wenn du dein letztes Regionalligaspiel in Schweinfurt vor knapp 3.500 Zuschauern auf einem der schönsten Plätze überhaupt absolvierst und dann nur zwei Wochen später deinen ersten Test mit dem FC Miesbach hast, wäre es gelogen zu sagen, dass es keine große Umstellung für mich war. 

In den vergangenen Jahren hattest du immer mal wieder mit Verletzungen zu kämpfen, in dieser Saison bist du weitestgehend verschont geblieben. Sehen wir derzeit den fittesten Thomas Masberg seit vielen Jahren?

Thomas Masberg: Wie schon gesagt, ich habe in der Vorrunde nur einmal pro Woche trainiert, da kannst du nicht hundertprozentig fit sein. Dass ich fast alle Spiele bestreiten konnte, ist natürlich super. Ich hoffe, dass ich auch in der Rückrunde verletzungsfrei bleibe. In meinem Alter ist das nicht selbstverständlich.

Ein Grund für deinen Wechsel nach Miesbach war der geringere Zeitaufwand. Mal angenommen ihr steigt in die Landesliga auf, was machst du in der kommenden Saison?

Thomas Masberg: Das kann und will ich jetzt noch nicht sagen. Wenn es mein Körper zulässt, werde ich noch ein Jahr dranhängen, wenn nicht, dann war es das für mich. Ich fühle mich in Miesbach sehr wohl, die Mannschaft ist super. Wenn wir in der nächsten Saison so zusammenbleiben spricht nichts gegen ein weiteres Jahr bei FCM. 

Du wirst im August 35 Jahre alt. Wie lang hast du vor aktiv weiterzuspielen? 

Thomas Masberg: Ich werde so lange weiterspielen, wie es mein Körper und meine Familie zulassen. Der Fußball nimmt immer noch einen großen Stellenwert in meinem Leben ein, seit der Geburt meiner Tochter gibt es aber auch Wichtigeres. Ich möchte mich auf diesem Weg auch einmal bei meiner Frau bedanken. Sie musste in den vergangenen Jahren so einiges mitmachen und hat mich trotzdem immer unterstützt. Ohne ihre Unterstützung hätte ich meine Schuhe wahrscheinlich schon lange an den Nagel gehängt.

Was machst du nach deiner aktiven Laufbahn? Kannst du dir vorstellen ins Trainergeschäft einzusteigen?

Thomas Masberg: Ja das kann ich mir gut vorstellen. Ich habe schon seit Längerem vor, meinen Trainerschein zu machen, hatte jedoch aus beruflichen und privaten Gründen noch keine Zeit dafür.  

Mit Andreas Vogelsammer ist zuletzt ein alter Weggefährte in die 2. Bundesliga gewechselt, was hat dir eigentlich zum großen Sprung gefehlt?

Thomas Masberg: Das Talent! Spieler wie Andi Vogelsammer, Florian Bichler oder auch Florian Pflügler, die mit mir zusammen in Rosenheim gespielt und dann den Sprung in die zweite oder dritte Liga geschafft haben, haben allesamt eine gute und vor allem auch höherklassige Jugendausbildung genossen. Ich habe bis zu meinem 18ten Lebensjahr bei meinem Heimatverein gespielt, die beiden Jahre in Burghausen waren somit eine große Umstellung für mich. Es freut mich sehr, dass Andi den Sprung in die zweite Liga geschafft hat. Ich habe selten einen Spieler mit solch einer professionellen Einstellung gesehen. Mich hat der Wechsel nach Heidenheim deshalb auch nicht überrascht.

Wenn du  zurückblickst, was waren die schönsten Momente in deiner Karriere?

Thomas Masberg: Ich habe einen Großteil meiner Karriere beim TSV 1860 Rosenheim verbracht und in dieser Zeit auch viele Freunde fürs Leben gewonnen. Rückblickend würde ich sagen, dass der Bayernliga- und vor allem der Regionalligaaufstieg unter Marco Schmidt zu den Höhepunkten zählte. Natürlich werde ich auch das Toto-Pokal-Finale und das DFB-Pokal-Spiel gegen den VfR Aalen niemals vergessen. Die letzten Jahre in Rosenheim waren einfach sensationell, eine richtig geile Zeit. Unsere Mannschaft war einzigartig, ich durfte mit so vielen guten Fußballern aber auch Menschen zusammenspielen, das ist mir nach meinem Wechsel erst richtig bewusst geworden.

Danke für das interessante Gespräch und weiterhin viel Erfolg beim 1. FC Miesbach!

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