Rückkehr von Müller und Hummels weiter offen

Löw erklärt Rückzug: „In der Pandemie hatte man mehr Zeit nachzudenken“

Im Sommer ist Schluss: Nationaltrainer Joachim Löw hört nach der Euro 2021 auf.
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Am Donnerstag spricht Bundestrainer Joachim Löw über die Beweggründe seines vorzeiten Abschieds als Bundestrainer

Auf einer Pressekonferenz am Donnerstag erklärte Bundestrainer Joachim Löw die Beweggründe für seinen Rücktritt im Sommer. Zudem äußerte er sich zu einer möglichen Rückkehr von Thomas Müller und Mats Hummels. Oliver Bierhoff machte deutlich, dass der DFB für die Entscheidung über einen neuen Trainer Zeit habe.

Nach 15 Jahren wird Bundestrainer Joachim Löw die Nationalmannschaft noch bei der Europameisterschaft begleiten, dann soll im Sommer Schluss sein. „Es ist der richtige Zeitpunkt, den Stab an einen anderen weiterzugeben“, sagte der 61-Jährige während der Pressekonferenz am Donnerstag.

Löws Blick richtet sich bereits auf die Europameisterschaft 2024 in Deutschland

Seit 2004 war Löw bei der Nationalmannschaft und diese Zeit sei „eine Ewigkeit“ gewesen und jetzt sei es an der „Zeit der Erneuerung, eine Zeit der Veränderung und der Bewegung.“ Wichtig war ihm, dass der Umbruch „auf keinen Fall daran scheitern, dass der Trainer auf seinem Stuhl klebt“.

Unabhängig von der 0:6-Klatsche gegen Spanien im vergangenen Jahr habe der 61-Jährige den Entschluss gefasst, über seine Zukunft nachzudenken. „In der Pandemie hatte man mehr Zeit nachzudenken“, sagte Löw. Er habe sich konkrete Gedanken gemacht, „wo wir stehen, wo stehe ich, was möchte ich und was habe ich für ein Gefühl für die Zukunft“.

Der Bundestrainer richtete auf der Pressekonferenz bereits den Blick auf die Europameisterschaft in Deutschland 2024. „Ein Turnier im eigenen Land kann unglaublich viel bewegen, vor allem auch erneuern“, sagte Löw. „Ich sehe mich 2024 nicht mehr in dieser Position.“ Aus eigenen Erfahrung wisse er, dass sein Nachfolger die notwendige Zeit brauche, um das Team auf die EURO vorzubereiten und das seien eben drei Jahre.

Bierhoff will in den kommenden Wochen keine „Zwischenstandsmeldungen“ abgeben

„Ich bin tief dankbar, weil Jogi uns die Zeit gegeben hat, in aller Ruhe und Sorgfalt die Nachfolge vorzubereiten“, sagte DFB-Präsident Fritz Keller. „Oliver Bierhoff hat schon den Auftrag bekommen zu sondieren. Wir haben alle Zeit der Welt. Das ist einfach eine sehr, sehr gute Situation.

Über einen möglichen Nachfolger wollte Oliver Bierhoff keine Diskussionen aufkommen lassen und keine „Zwischenstandmeldungen“ abgeben. Er betonte, dass man mit der Vorstellung eines neuen Trainers Zeit habe und „diese die wichtigiste Entscheidung beim DFB und für die Fans“ sei.

Löw: „Ich habe mir keine konkreten Gedanken über die Zukunft gemacht“

Auch zur möglichen Rückkehr von Thomas Müller und Mats Hummels wurde Löw gefragt. Im Mai werde er sich vor der Nominierung mit seinem Trainerstab Gedanken über das EM-Personal machen, sagte der 61-Jährige. „Ich würde mir wünschen, dass man mir auch zuhört. Ich habe weder die Tür auf- noch zugemacht“, betonte Löw.

Löw hat noch keine konkreten Pläne für die Zeit nach seinem Rücktritt als Bundestrainer in diesem Sommer. Absolute Priorität habe die EM. Er werde deshalb „alle Energien“ in die kommenden Monate setzen, sagte Löw . „Ich habe mir keine konkreten Gedanken gemacht, wie sieht meine Zukunft aus nach dem Turnier.“

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Vorbericht

Frankfurt am Main - Die Nachricht kam am Dienstag aus dem Nichts: Joachim Löw wird nach der Europameisterschaft im Sommer als Bundestrainer zurücktreten. Nach 17 Jahren endet damit eine Trainer-Ara im Nationalteam. “Ich gehe diesen Schritt ganz bewusst, voller Stolz und mit riesiger Dankbarkeit, gleichzeitig aber weiterhin mit einer ungebrochen großen Motivation, was das bevorstehende EM-Turnier angeht”, sagte Joachim Löw.

Thomas Müller und Mats Hummels sollen zum EM-Aufgebot gehören

Die genauen Hintergründe für seine Entscheidung sind indes noch nicht bekannt. Am Donnerstag (11. März) will Löw in einer Pressekonferenz seine Beweggründe für seinen vorzeitigen Abschied erklären. Diese startet um 13.30 Uhr, beinschuss.de ist live mit dabei.

Offenbar hat die Rücktritts-Entscheidung von Löw auch Auswirkungen auf zwei bereits aussortierte ehemalige DFB-Spieler. Wie der Kicker aus „bestens informierten Quellen“ erfahren haben will, sollen die beiden Weltmeister von 2014 Thomas Müller und Mats Hummels zum EM-Aufgebot gehören. Dies wäre eine Rolle rückwärts, die wohl nur durch Löws Abschied im Sommer möglich wurde.

Jürgen Klopp winkt ab - hat der DFB bei Hansi Flick eine Chance?

Zudem ist weiterhin offen, wer der Nachfolger von Löw im Sommer wird. DFB Präsident Fritz Keller und Nationalmannschafts-Sportdirektor Oliver Bierhoff werden ebenfalls auf der Pressekonferenz anwesend sein. Während Jürgen Klopp, der aktuell beim FC Liverpool unter Vertrag steht, bereits eine deutliche Absage Richtung des DFB abgegeben hat, wird über weitere Namen diskutiert. Auch der Name Hansi Flick geistert durch die DFB-Zentrale. Laut eines Berichtes der Bild-Zeitung wäre ein Wechsel zur Nationalmannschaft nicht komplett ausgeschlossen.

Denn der Triplesieger soll beim Rekordmeister nicht wunschlos glücklich sein, weil es immer wieder zu Spannungen mit Sportvorstand Hasan Salihamidzic, beispielsweise in der Kadeplanung, kam. Der starke Mann bei den Münchner ist aber Karl-Heinz Rummenigge, der ein großer Befürtworter von Flick ist, während Salihamidzic mit einer Verpflichtung von RB Leipzig Coach Julian Nagelsmann laut Bild liebäugelt. Weil der DFB aber keinen Trainer andere Vereine direkt abwerben will, müssten sowohl Flick als auch der FC Bayern für Gespräche bereit sein.

Ralf Ragnick: „Für mich ist es eine Frage des Timings“

Aber es wird auch über andere Trainer diskutiert, wie beispielsweise Ralf Ragnick. „Ich kann mir grundsätzlich alles vorstellen. Für mich ist es in erster Linie eine Frage des Timings. Im Moment bin ich frei“, sagte der ehemalige RB Lepizig Macher gegenüber Sky.  „Ich könnte mir vorstellen, dass eine Zusammenarbeit mit Oliver Bierhoff sehr fruchtbar wäre. Es wäre hilfreich jemanden zu haben, der die Gepflogenheiten schon kennt.“

Die Namen Stefan Kuntz, Marcus Sorg, Julian Nagelsmann und Thomas Tuchel wurden ebenfalls bereits als Trainer-Nachfolger der Nationalmannschaft ins Gespräch gebracht. Der Name von Rekordnationalspieler Lothar Matthäus, der auf wenig erfolgreiche Trainerstationen zurückblickt, war zuletzt vom Boulevard gespielt worden. Am Dienstag sagte er bei Sky: „Ich beschäftige mich damit nicht.“

ma

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