Fingerspitzengefühl? Fehlanzeige!

Typisch Deutsch? Ordnungsamt bricht Kreispokal-Spiel beim Elferschießen ab 

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Frankenthal - Der insgesamt dritte Elfmeterschütze legt sich gerade den Ball zurecht, um sein Team im Kreispokalspiel in Führung zu schießen. Doch plötzlich tauchen zwei Herren auf und sorgen für ein Novum, das für Kopfschütteln sorgt. 

Für gewöhnlich schafft es ein Erstrundenpokalspiel zwischen einem C-Klassisten und einem B-Klassisten nur selten in die Schlagzeilen. Doch was sich am Dienstagabend im Frankenthal ereignete, ist schier unglaublich. 

Nach 120 langen Spielminuten in der Partie zwischen dem Pirates F.C. und dem SV Studernheim stand es 2:2 Unentschieden. Erst kurz vor Schluss konnte der SV Studernheim den Führungstreffer der Pirates ausgleichen. Das Elfmeterschießen musste über Sieg und Niederlage und über das Weiterkommen im Pokal entscheiden. Die Spannung bei den etwa 40 Zuschauern und den 22 Akteuren stieg. 

Ordnungsamt bricht Elfmeterschießen ab

Die beiden ersten Schützen blieben vor dem Tor eiskalt und verwandelten ihre Versuche sicher. Doch plötzlich betraten zwei Herren das Spielfeld und die Partie wurde unter- und wenig später sogar abgebrochen.  

Was war passiert? Wie mehrere Medienhäuser berichten, hatten sich Anwohner beschwert, dass nach 22 Uhr noch Fußball gespielt werde und das Flutlicht noch brenne. Da der Fußballplatz in einem Wohngebiet liegt, rückten zwei Ordnungshüter um 22.15 Uhr zur Tat, um die Nachtruhe durchzusetzen.

Fassungslosigkeit bei Verantwortlichen

Erklärungsversuche der beiden Teams, dass lediglich vier Schützen noch ausstehen würden und das Spiel in maximal drei Minuten zu Ende sei, seien ignoriert worden, schreibt der Pirates F.C. auf ihrer Facebook-Seite. Auch der Versuch des Schiedsrichters auf die Ordnungshüter einzuwirken, blieb wohl erfolglos. So musste der unparteiische Mustafa Dogan das Spiel beim Stand von 3:3-Unentschieden vorzeitig beenden. 

Besonders ärgerlich sei laut Angaben der Heimvereins, dass man aufgrund des vorzeitigen Abbruchs und den darauffolgenden Gesprächen mit den Ordnungshütern mehr Zeit auf dem Bolzplatz verbrachte, als man für die letzten Elfemeterschützen gebraucht hätte. 

Wie Georg Höß, Vorstandschef bei den Pirates, auf Spiegel-Anfrage erklärt, hätte das Ordnungsamt bereits 30 Minuten vor Abbruch die Verantwortlichen darum gebeten, ein Auto vor dem Sportgelände umzuparken. Der Bitte sei man nachgekommen, eine halbe Stunde später sei das Ordnungsamt dann erneut auf den Sportplatz gekommen, um das Spiel zu beenden.

Spiel muss wohl komplett wiederholt werden 

Wie es nun weitergeht, ist noch nicht ganz klar. Laut Facebook-Post habe der Zuständige des Südwestdeutschen Fußballverbandes SWFV in 35 Jahren Tätigkeit einen ähnlichen Fall noch nie erlebt. Das Regelwerk besagt eigentlich, dass das Spiel neu angesetzt werden müsste, da keine der Mannschaften eine Schuld treffe. Das Pokalspiel wurde vom Verband um 19.30 Uhr angesetzt. 

Die Pressestelle der Stadtverwaltung Frankenthal teilte auf Bild-Anfrage mit: „Laut Hausordnung müssen Spiele gegen 21.30 Uhr beendet sein. Die Beschwerden der Anwohner gingen ab 22 Uhr ein... Das Spiel wurde verspätet begonnen, gegen 19.40 Uhr. Bei einem rechtzeitigen Spielbeginn wäre das nicht nötig gewesen."

Da beide Teams in schwarzen Trikots aufliefen, verzögerte sich der Anstoß tatsächlich - um ganze zehn Minuten! Fingerspitzengefühl? Fehlanzeige.

mz

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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