Spieler, Trainer und Funktionäre aus dem Raum Rosenheim

Meinungen zum Zugspitz-Pilotprojekt: „Das Ligasystem ist das fairste von allen“

Wasserburgs Trainer Niki Wiedmann(l.) und ASV Aus Coach Florian Dirscherl äußern sich zum geplanten neuen Spielmodus.
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Wasserburgs Trainer Niki Wiedmann(l.) und ASV Aus Coach Florian Dirscherl äußern sich zum geplanten neuen Spielmodus.

Im Kreis Zugspitze bahnt sich eine kleine Fußball-Revolution an. Denn dort soll schon zur kommenden Saison ein neuer Spielmodus eingeführt werden, der aus einer Qualifikationsrunde und anschließenden Auf- und Abstiegsrunden besteht. beinschuss.de hat Vereinsvertreter aus dem Raum Rosenheim befragt, wie sie zu den Plänen stehen.

Landkreis Rosenheim - Seit mindestens 75 Jahren verläuft eine Saison im bayerischen Fußball nach dem gleichen Muster: Hin- und Rückrunde, jeder spielt zweimal gegen jeden, und am Ende ist einer Meister und ein paar Vereine steigen ab. Im Kreis Zugspitze könnte sich das nun grundlegend ändern.

Hans Mayer: „Ich kann mir das auch bei uns gut vorstellen“

Eine Vorrunde in kleineren Gruppen bis zum Winter, danach eine Aufteilung in Auf- und Abstiegsrunde, eventuell noch Play-offs hinterher – der Fußball-Kreis Zugspitze hat seinen Vereinen ein neues Spielsystem für seine Ligen zur Abstimmung vorgelegt. So soll das Konzept im Detail aussehen.

Die neue Regelung interessiert auch die Spielleiter im Kreis Inn/Salzach. Hans Mayer (Petting) hat die Planungen von Anfang an mitverfolgt. „Ich finde das sehr interessant“, sagt der Kreisspielleiter. „Ich kann mir das auch bei uns gut vorstellen. Aber in der Saison 2021/22 käme das für uns zu früh.“

beinschuss.de hat sich bei Spielern, Trainern und Funktionären im Landkreis Rosenheim umgehört, was sie von dem Vorschlag halten.

Niki Wiedmann, Trainer TSV 1880 Wasserburg/Bayernliga:

„Ich finde es ehrlich gesagt einen weniger guten Vorschlag. Das Ligasystem hat sich zweifelsohne immer bewährt und ist das fairste von allen. Und wir sollten erst einmal hoffen, dass wir wieder spielen können, bevor wir über ein neues Ligasystem nachdenken. Sollte der Grundgedanke dabei sein, die Liga corona-konformer zu machen und die Strecken zu reduzieren, dann gehe ich mit. Aber ansonsten sehe ich keinen Grund für so eine Veränderung. Ich bin also definitiv gegen die Einführung dieses Spielmodus und finde, wir sollten im altbewährten System weiterspielen.“

Marijo Sokic, Trainer TuS Großkarolinenfeld/Kreisklasse:

„Generell ist es mal was Neues und grundsätzlich auch ganz cool. Aber ganz ohne den bisherigen Ligabetrieb würde ich es nicht wollen. Ich finde, vor allem in den unteren Ligen sind die vielen Derbys das, was den Fußball ausmacht. Und wenn, wie bei uns in der Kreisklasse, nur in Sechsergruppen gespielt wird, hat man schon einmal weniger Gegner – und dann kommt es drauf an, wer sich qualifiziert und wer nicht. Ich bin jetzt auch nicht komplett abgeneigt, aber ich würde das bisherige Ligasystem bevorzugen. Die Hauptsache ist, dass wir bald wieder spielen dürfen, und dann ist mir auch egal, in welchem Modus.“

Franz Pritzl, Trainer TSV Bad Endorf/Bezirksliga:

„Das ist grundsätzlich eine gute Idee, es ist nur fraglich, ob sie auf Bezirksebene und höher machbar ist. Auf Kreisebene würde ich das gut finden, es wäre einfach mal etwas Neues. Ein Problem sehe ich mit einem Start in den Sommerferien – da sind dann in den unteren Klassen viele Spieler im Urlaub und die Mannschaften können gleich mal schnell abgeschlagen in der Abstiegsrunde landen. Und man muss schauen, dass man eventuelle Spielausfälle und Nachholspiele rechtzeitig vor den letzten Spieltagen wieder austragen kann.“

Matthias Rahm, Abteilungsleiter SV Westerndorf/Kreisliga:

„Ich bin eigentlich der Meinung, dass sich unser bisheriges System bewährt und man das durchaus beibehalten kann. Aber wenn es im Kreis Zugspitze ausprobiert wird und dort super klappt, dann sollte man es auch bei uns mal versuchen.

Florian Dirscherl, Trainer ASV Au/Kreisliga:

„Ich wäre schon so einer, der das mal ausprobieren würde. Der Vorteil liegt auf der Hand: Es gibt ständig spannende Spiele. In der Aufstiegsrunde gibt es vom Niveau her nur Top-Spiele, was auch für die Zuschauer sehr interessant sein dürfte. Und es gibt keine Mannschaften mehr, die ab der Saisonmitte nur noch um die goldene Ananas spielen, denn auch die Mittelfeldteams sind dann in der Abstiegsrunde noch einmal gefordert. Ich finde auch, dass man nach der langen Corona-Pause grundsätzlich mal alles probieren kann.“

Harald Melnik, Trainer SV Ostermünchen/Kreisliga:

„Ich habe eigentlich immer ein offenes Ohr für Neuerungen. Mir hat beispielsweise der kurzfristig festgelegte Turniermodus bei der Champions League im vergangenen Jahr ganz gut gefallen. Deshalb sage ich zu diesem Vorschlag auch: Warum nicht? Wenn es dann doch nicht passt, dann kann man immer wieder zu unserem bisherigen System zurückkehren. Ein Versuch ist es aber wert, weil ich glaube, dass die Spannung allgemein größer wird.“

Daniel Kobl, Spieler SV Bruckmühl/Bezirksliga:

„Ich finde es generell ein spannendes Konzept und bin nicht abgeneigt, aber dieses Jahr wäre es auf jeden Fall zu früh. Ich stimme da vollkommen dem zu, was Spielleiter Hans Mayer gesagt hat. Ich glaube, nach der langen Corona-Pause ist jeder erst einmal froh, im gewohnten System einfach mal wieder Fußball zu spielen. Ich sehe den Spannungsaspekt beim Play-off-Modus und kann mir vorstellen, es zu testen. Man sieht es ja an den Relegationsspielen, da geht es immer richtig zu. In dem Modus muss man immer abliefern und es ist gefühlt jedes Spiel ein Endspiel. Ich glaube aber insgesamt, dass man sich die normale Liga dann nach einer Zeit zurückwünscht.“

Robin Ungerath, Spieler TSV 1880 Wasserburg/Bayernliga:

„Interessant klingt dieses Konzept schon, obwohl ich ein Fan vom normalen Ligasystem bin. Wenn es nach mir geht, sollte man es einfach einmal ausprobieren. Im Nachhinein weiß man dann, ob es Sinn macht oder nicht. Ich bin aber der Meinung, dass man erst einmal abwarten sollte, bis man wieder normal trainieren oder vor allem spielen kann. Ich weiß nicht, ob es sinnvoll ist, zurzeit darüber nachzudenken. Ich kann mir diesen Modus auf jeden Fall vorstellen, aber ich glaube, dass er sich langfristig nicht durchsetzen kann.“

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ma

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