Der gebürtige Oberaudorfer spielt seit 2018 bei Wisla Plock

Thomas Dähne im Exklusiv-Interview: "Möchte versuchen den nächsten Schritt zu machen"

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Thomas Dähne spielte in der Jugend des FV Oberaudorf und TSV 1860 Rosenheim. Seit 2018 steht er für Wisla Plock zwischen den Pfosten.

Plock - Der gebürtige Oberaudorfer Thomas Dähne spielt seit 2018 beim polnischen Club Wisla Plock. Beinschuss.de hat exklusiv mit dem 26-Jährigen über seine Zeit in Polen, seine Karriere und die Heimat Oberaudorf gesprochen. Heute: Teil eins des Interviews.

Thomas Dähne (26) ist derzeit beim polnischen Erstligisten Wisla Plock unter Vertrag. Der gebürtige Oberaudorfer wechselte im Winter 2018 vom finnischen Club HJK Helsinki nach Polen. Zuvor spielte der Torhüter in der Jugend beim FV Oberaudorf und TSV 1860 Rosenheim, eher er mit 13 Jahren in die Jugendabteilung von RB Salzburg wechselte. Dort feierte der mittlerweile 26-Jährige 2013 sein Profi-Debüt in der österreichischen Bundesliga. Anschließend schloss er sich RB Leipzig an, wo er allerdings nicht zum Zug kam. Außerdem durchlief Dähne mehrere U-Nationalmannschaften. Er gab bei einem Vier-Länder-Turnier sein Debüt und war bei der U17 WM in Mexiko dabei.


Beinschuss.de hat exklusiv mit Thomas Dähne gesprochen. Im ersten Teil erzählt der 26-Jährige, wie er die Corona-Krise derzeit erlebt, wie es zu dem Wechsel zu Wisla Plock kam und wie er sich in Polen eingelebt hat. Am Sonntag, den 12. April, erscheint der zweite Teil des Gesprächs auf beinschuss.de. Dort erzählt Dähne über seine Karriere, die Station RB Leipzig und die Jahre in Helsinki, wo er in der Europa League gespielt hat. Außerdem spricht er über seine Heimat und seine weiteren Ziele. 

Hallo Herr Dähne, schön dass Sie sich Zeit genommen haben. Wie geht es Ihnen?


Thomas Dähne: "Mir geht es gut soweit. Danke der Nachfrage.”

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie in Polen aus?

Dähne: “Wir dürfen nur die Wohnung verlassen, wenn wir etwas Wichtiges erledigen müssen. Ansonsten besteht, wie in Deutschland, eine Kontaktbeschränkung, an die sich die meisten Menschen auch halten. Offiziell gibt es nur etwa 2.000 an Corona erkrankte Menschen, aber die tatsächliche Zahl wird höher sein, da zu wenige Tests vorhanden sind. Man sieht viele Menschen mit Gesichtsmasken herumlaufen und in Supermärkten sind Handschuhe Pflicht."

Die Saison in der PKO EKstraklasa (1. Liga Polens) ist auch unterbrochen worden. Wie lief das ab?

Dähne: "Zu Beginn haben wir normal weiter trainiert und hätten am Montag, den 16. März, eigentlich noch ein Spiel gehabt. Der Verband entschied zunächst, dass diese Partie ohne Zuschauer stattfinden soll. Doch dann hat sich ein Verein geweigert zu einem Auswärtsspiel zu fahren und so wurde eine Unterbrechung der Saison veranlasst."

Wie hat Ihr Verein Wisla Plock reagiert?

Dähne: "Als die Saison unterbrochen wurde, haben wir drei Tage trainingsfrei bekommen. Wir bekamen die Aufforderung, die Stadt nicht zu verlassen, große Supermärkte zu meiden und daheim zu bleiben. Eine Woche haben wir dann individuelles Heimtraining absolviert und seit etwa zwei Wochen trainieren wir wieder auf dem Platz, aber nur in Zweiergruppen in einem 45 Minuten Block und komplett abgeschirmt. Das heißt einer trainiert auf der linken Spielhälfte, der andere auf der rechten und in der Mitte steht der Trainer. Und geduscht wird zu Hause."

Komisches Gefühl oder?

Dähne: "Ja klar. Aber da ich derzeit alleine bin, meine Frau arbeitet in Salzburg, war es für mich, um ehrlich zu sein, eine willkommene Abwechslung. Somit komme ich zumindest einmal am Tag raus und kann trainieren. Und zu Beginn habe ich mich darauf gefreut wieder auf dem Platz trainieren zu können, aber mittlerweile geht das schon an die Substanz. Weil niemand weiß, ob und wann es weitergeht."

Wie gehen Sie selbst mit dem Thema um?

Dähne: "Ich versuche so gut es geht daheim zu bleiben und gehe nur raus, um zu laufen, ins Training zu fahren oder einzukaufen. Aber klar fühlt man sich ein wenig eingeschränkt, da die Krankheit etwas Neues ist und man nicht einfach hinaus gehen kann, um eine Kaffee zu trinken oder sich in die Sonne zu setzen. Außerdem versuche ich meinen gewohnten Tagesablauf beizubehalten und jeden zweiten Tag zwei Trainingseinheiten zu absolvieren, um mich körperlich auszupowern. Ansonsten würde mir die Decke auf den Kopf fallen. Aber ich denke, wenn alle sich an die Regel halten und daheim bleiben, dann kann aktiv die weitere Ausbreitung verhindert werden. Ich habe mich mittlerweile mit der Situation arrangiert."

Wie kam es eigentlich zu Ihrem Wechsel von HJK Helsinki zu Wisla Plock?

Dähne: "In Finnland wird von März bis Oktober gespielt. Da ist es generell schwierig für einen Torhüter in eine andere Liga zu wechseln. Als Jerzy Brzeczek (aktueller Nationaltrainer Polens; Anm. d. Red.) sich bei mir gemeldet hat, sagte er mir, dass er mich seit längerem beobachtet hat und einen Torwart sucht, der Fußballspielen kann und was erlebt hat. Zunächst war ich auch skeptisch, aber dann bin ich dorthin geflogen und habe entschieden die Sache anzugehen. Dann habe ich für 2,5 Jahre unterschrieben."

Was war der Hintergedanke?

Dähne: "Ich wollte wieder in den europäischen Transfer-Rhythmus kommen. Außerdem wollte ich Spielpraxis in einer besseren europäischen Liga sammeln, um den nächsten Schritt zu machen."

Thomas Dähne kam über die Stationen RB Salzburg, RB Leipzig und HJK Helsinki nach Polen und hat sich dort gut eingelebt.

Wie bewerten sie die Liga?

Dähne: "Das ist schwierig zu sagen. Die Liga ist äußert ausgeglichen. Wir waren nach fünf Spieltagen Tabellenletzter, am 15. Spieltag Tabellenführer und nun liegen wir auf Platz zehn. Jeder kann gegen jeden gewinnen. Ein Vergleich ist schwierig."

Haben Sie den Verein so vorgefunden, wie Sie sich das vorgestellt haben?

Dähne: "Ja, aber natürlich war das eine Umstellung. Wisla Plock ist ein kleinerer Verein, als ich es beispielsweise aus Salzburg gewohnt bin. Aber ich habe mich sehr gut eingelebt und bin zufrieden."

Gab es sprachliche Probleme?

Dähne: "Am Anfang war es zugegebenermaßen schwierig. In Helsinki wurde durchwegs auf Englisch kommuniziert. Aber in Plock war es ein bisschen anders. Ich habe schnell festgestellt, dass in der kleinen Stadt nur wenige Menschen Englisch sprechen. Ich habe schnell gemerkt, dass ich die polnische Sprache lernen muss. Mittlerweile kann ich mich mit Leuten unterhalten, auch wenn mir manche Fremdwörter fehlen. Aber mir wurde von den Mitspielern hoch angerechnet, dass ich die Sprache gelernt habe."

Wie haben Sie sich Polen weiterentwickelt?

Dähne: "Ich bin menschlich und auch als Sportler gereift. Ich habe eine neue Kultur kennengelernt, neue Erfahrungen gesammelt und Spielpraxis bekommen. Das ist für mich als junger Torwart wichtig. Es bringt nichts bei einem großen Verein zu spielen und dann zehn Jahre auf der Bank zu sitzen."

Zurück zum Thema Coronavirus: Dein Vertrag im Sommer läuft aus. Machst du dir Sorgen, dass ein möglicher Wechsel oder Vertrag nicht zustande kommt?

Dähne: "Klar macht man sich seine Gedanken, aber ich habe gelernt, dass ich mir bei Sachen, die ich selber nicht beeinflussen kann, keinen Kopf mehr mache. Wichtig ist, dass wir weiterspielen können. Ich bin positiv für die Zukunft gestimmt."

Ist ein Verbleib bei Wisla Plock vorstellbar?

Dähne: "Nein, weil ich nach zweieinhalb Jahren gerne etwas anderes machen würde. Ich möchte versuchen den nächsten Schritt zu gehen. Ein Verbleib in Polen ist allerdings vorstellbar."

Am Ostersonntag, den 12. April, folgt der zweite Teil des Interviews!

ma



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