Von der Quadratur des Kreises - Der harte Weg zum Profi

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Der Traum vom Profifußball wird sich nicht für jeden erfüllen, deshalb legt Unterhaching auch großen Wert auf die schulische Ausbildung.

Ex-Nationalspieler Manfred Schwabl hat in seiner heutigen Funktion als Präsident der SpVgg Unterhaching das DFI in Bad Aibling besucht. Dabei gerät der Ex-Bayern-Spieler regelrecht ins Schwärmen.

Er war bei den Bayern, in Nürnberg, schließlich bei 1860, sogar zum Nationalspieler hat er es gebracht. Er weiß aber auch, dass viele, manchmal sogar talentiertere Weggefährten auf der Strecke geblieben sind. Und plötzlich vor dem Nichts standen. Weil sie die schulische und berufliche Ausbildung vernachlässigt hatten.

Das Fachmagazin „kicker“ hat mal eine Untersuchung veröffentlicht, die besagt, 75 Prozent der Fußballprofis hätten nach Ende ihrer Karriere keine abrufbare berufliche Qualifikation, 25 davon werden auf Dauer arbeitslos. Nur zehn Prozent haben finanziell ausgesorgt. Erschreckende Zahlen. Seit sich Manni Schwabl nun für den Nachwuchs engagiert, weiß er, dass wirklich effektive Talentförderung eigentlich nur funktionieren kann, wenn man zweigleisig fährt, die Schule genauso forciert wie den Fußball. Doch dieses Unterfangen gleicht schon fast der Quadratur des Kreises.

Denn beide Seiten fordern immer höheren Einsatz. Ein eigenes Internat, eine Privatschule, davon träumte Schwabl. Bei der SpVgg Unterhaching nicht umsetzbar, nicht jetzt, in dieser finanziell schwierigen Lage. Das war dem Präsidenten klar. Als Schwabl letzten Winter wegen eines Spielertransfers nach Bad Aibling kam, hat er das Deutsche Fußball Internat (DFI) kennengelernt. Und dort all das gefunden, wovon er träumte.

"Ich bin einfach nur fasziniert"

Eine Einrichtung in einer herrlichen Parkanlage, mit Trainingsplätzen, Kunstrasen, Sporthalle, sogar einen Speedsoccer-Court gibt es. Das Wichtigste aber: Angekoppelt ist die Deutsche Sport Privatschule (DSP), die speziell auf die Bedürfnisse von jungen Leistungssportlern ausgerichtet ist. Und genau das bietet, was Schwabl sich für seine Talente wünscht: „Hier wird in kleinen Klassen individuell gearbeitet, in enger Abstimmung mit den Trainern. So bleiben weder die Schule, noch der Sport auf der Strecke. Ich bin fasziniert von dem, was hier entstanden ist.“

Und Schwabl handelte: Seit Frühsommer dieses Jahres gibt es nun eine Kooperation zwischen dem DFI und der SpVgg Unterhaching, ein in Deutschland bisher einmaliges Projekt. Silvana Schepke, eine ausgebildete Lerntherapeutin, ist Schulleiterin der DSP. Ihr ist die Entwicklung von Persönlichkeiten wichtig, nicht das bloße Vermitteln von Wissen. Maximal 16 Schüler sind in einer Klasse, dadurch kann auf jeden einzelnen individuell eingegangen werden. „Fördern und fordern“, sagt Schepke, „ist unsere Maxime.“ Keiner bleibe hier auf der Strecke, verpasst ein Leistungssportler wegen eines Wettkampfs oder Lehrgangs längere Zeit den Unterricht, werde er „aus dem Klassenverbund erst mal rausgenommen und individuell wieder an das Leistungsniveau herangeführt.“ Das sei der Unterschied, sagt Thomas Eglinski, Gründer und Geschäftsführer des DFI, auch Initiator der Privatschule. „In anderen, auch sportorientierten Schulen bekommt er Glückwünsche zum Titelgewinn und gleichzeitig einen Stapel Papier in die Hand gedrückt mit der Aufforderung: Nun lern mal schön nach.“

Ajax, Salzburg, Bad Aibling

An der Sport Privatschule wird in Doppelstunden unterrichtet. Wenn die Schule um 16 Uhr zu Ende ist, sind auch die Hausaufgaben erledigt, eventuelle Nachhilfestunden absolviert. „Dann ist der Schultag abgeschlossen für die Jugendlichen, sie können sich unbelastet ihrem Sport widmen“, sagt Eglinski, der auch das Fach „Persönlichkeitsbildung“ in den Stundenplan integriert haben wollte. Ebenso ist eine Doppelstunde täglich vorgesehen für Individualtraining in der Spezialsportart. 16 Trainer stehen dafür schon vormittags am DFI zur Verfügung, an ihrer Spitze der sportliche Leiter Percy van Lierop.

Van Lierop, ein Holländer, ist geprägt von der Ajax-Schule, einst vorbildlich in der Talentförderung. Bei Red Bull Salzburg hat van Lierop später die Nachwuchs-Philosophie weiterentwickelt, nun schwärmt er von den Möglichkeiten, die er am Deutschen Fußball Internat vorgefunden hat: „Ich lebe dafür, Spieler zu entwickeln. Hier habe ich alles, was ich dafür brauche.“ In den individuellen Trainingseinheiten könne man speziell an Stärken und Schwächen arbeiten und „Spieler kreieren, die das Besondere haben“. Das mache den Unterschied aus, „alle großen Spieler haben einen ganz spezielle Qualität“, eine Waffe. Und daran müsse man täglich arbeiten. Seine Fußball-Philosophie will van Lierop nun auch in die Hachinger Nachwuchsarbeit implantieren, „dort hat man das verstanden, wir sprechen die gleiche Sprache und haben die selbe Tiefe.“

Ausblildung mit regionalem "Charme"

Gemeinsam mit dem sportlichen NLZ-Leiter der SpVgg, Claus Schromm, wird er nun die Arbeit in Unterhaching, die bei der Zertifizierung der Nachwuchsleistungzentren vom DFB gerade mit einem Stern ausgezeichnet wurde, weiter optimieren. Für Cheftrainer Christian Ziege, als ehemaliger DFB-Nachwuchscoach mit der Talentförderung vertraut, ist die Kooperation ein nächster großer Schritt in der Weiterentwicklung des Hachinger Jugend-Konzepts: „Wir werden noch besser ausgebildete Spieler bekommen, die sich dann erfolgreich bei uns präsentieren können“, junge Burschen wie Pascal Köpke oder Dominik Widemann, der als A-Junior gerade in der 3. Liga für Furore sorgt. Auch wenn knapp 50 Kilometer Unterhaching von Bad Aibling trennen, für Manfred Schwabl hat die Lage sogar „einen gewissen Charme. Das DFI liegt genau in der Region, in die wir uns ausweiten wollen.“

Talente der SpVgg Unterhaching aus dem Oberland sollen künftig zu Sonderkonditionen von den Vorteilen der Privatschule, von kleinen Klassen und individueller Betreuung sowie von der Ausbildung am DFI profitieren. Möglichkeiten, die selbst Bundesligisten kaum haben. Dem DFI bietet sich über die Vernetzung mit Unterhaching die Möglichkeit, seinen Schülern in hochklassigen Jugendligen und eventuell sogar in der 3. Liga eine interessante Plattform zu bieten. „Eine klare win-win-Situation“, so Schwabl. Schwabl und Eglinski sprechen von einer „Aufbruchsstimmung“. Das DFI werde ein „unterstützendes Glied“ sein, um „ein neues Haching“ zu entwickeln, das in drei bis fünf Jahren von „gänzlich anderen Strukturen“ geprägt sein werde. Profitieren aber sollen von der Partnerschaft in erster Linie die jungen Menschen, denen durch die Zusammenarbeit optimale Rahmenbedingungen für ihre sportliche, vor allem aber auch persönliche Entwicklung geschaffen werden, sie stark machen fürs Leben.

Zurück zur Übersicht: Magazin

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare