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Der 34-Jährige im Interview: „Ich war schon etwas überrascht“

Co-Trainer bei FC Liefering: Neue große Aufgabe für den Berchtesgadener Tobias Kern

Tobias Kern, geboren in Berchtesgaden, als Fußballer gestartet beim FC Bischofswiesen,
 agierte mit vielen späteren Profis bei den Bayern und den Münchner Löwen. Jetzt übernahm
 der 34-Jährige den Co.-Trainer-Posten beim österreichischen Zweitligisten FC Liefering.
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Tobias Kern, geboren in Berchtesgaden, übernahm den Co.-Trainer-Posten beim österreichischen Zweitligisten FC Liefering.

Tobias Kern, geboren in Berchtesgaden, als Fußballer gestartet beim FC Bischofswiesen, agierte mit vielen späteren Profis bei den Bayern und den Münchner Löwen. Jetzt übernahm der 34-Jährige den Co-Trainer-Posten beim österreichischen Zweitligisten FC Liefering. Wir haben Kern, der heute in Oberalm bei Hallein wohnt, getroffen, um mit ihm über seine neue Aufgabe im Profi-Bereich zu sprechen.

Salzburg - Tobias Kern spielte bei den großen Bayern: Fünf Jahre lang ab seinem 13. Lebensjahr. Mit 16 hatte er seine erste eigene Wohnung in München. Als beim Rekordmeister kein Platz mehr für den gebürtigen Berchtesgadener war, ging‘s zu den Löwen gleich nebenan, weil ihn der damalige Leiter des 1860-Nachwuchsleistungszentrums (NLZ), Ernst Tanner aus Teisendorf, unterstützte und förderte. Für den Traditionsverein von der Isar kickte Kern erfolgreich in der Junioren-Bundesliga. Nach kurzer Zeit spürte er jedoch, dass er zurück zur Basis muss, um die latent verloren gegangene Leidenschaft am Kicken wiederzuerlangen. Zudem wollte er Sport studieren.

Kern stieg mit Bischofswiesen bis in die Bezirksliga auf - anschließend spielte er in Österreich

Für ihn war‘s der richtige Schritt: Bei seinem Heimatverein FC Bischofswiesen, mit den „alten Spezln“, blühte Tobi Kern neu auf und stieg mit dem Riedherrn-Team von der Kreisklasse in die Kreis- und nur ein Jahr später sogar in die Bezirksliga auf. „Für einen so kleinen Verein war das schon eine tolle Sache“, sagt er. Unvergessliche vier Jahre konnten sich die Grün-Weißen in der regionalen Top-Liga halten, zwischendurch sogar mit Kern als Spielertrainer. Diese FCB-Truppe ist bis heute verbunden und trifft sich in normalen Zeiten zumindest einmal im Jahr.

Unter Ex-Profi René Aufhauser (Bild) darf Tobias Kern künftig beim FC Liefering arbeiten.

Kerns letzte beiden Aktiv-Stationen waren der SV Grödig (mit der dortigen Zweiten kickte er in der Salzburg-Liga, stieg zweimal knapp nicht auf) und der USK Anif in der 3. Liga. Durch dessen Kooperation mit dem FC Red Bull Salzburg und der erneuten Unterstützung durch Ernst Tanner gelang Tobi Kern 2016 der Sprung zum Profi-Klub – seit Jahren bevorzugen die Mozartstädter interne Lösungen mit Leuten, die die DNA des Vereins bereits in sich tragen.

Kern arbeitet seit 2016 bei RB Salzburg: „Bin glücklich, hier arbeiten zu dürfen“

Das weiß und schätzt der 34-Jährige: Bei der U14 hatte vor gut vier Jahren unter Ex-SB-Traunstein-Trainer Adam Gawron der neue Lebensabschnitt begonnen, bis zuletzt betreute Kern meistens zwei Nachwuchsteams der „Roten Bullen“: Eine als Chef-, die andere als Co-Trainer, am Ende die U13 und die U15 – garniert mit einigen Meistertiteln. „Da war viel zu tun, na klar. Aber ich bekam das ganz gut unter einen Hut und bin richtig glücklich, hier arbeiten zu dürfen“, lacht er im Gespräch mit BGLand24.de.

Ich wurde zum Gespräch eingeladen und war schon etwas überrascht, zum Co-Trainer vorgeschlagen zu werden. 

Tobias Kern

Tobi Kern war einer aus dem großen Talent-Trio mit dem Schönauer Fabian Müller (später Erzgebirge Aue, Dynamo Dresden) und seinem Cousin Sebastian Vorberg (SV Wacker Burghausen) der noch heute in Bischofswiesen kickt – die Drei gewannen 1999 über die Münchner Stadtmeisterschaft und die „Deutsche“ im Europa-Park Rust zusammen sogar die Streetsoccer-Weltmeisterschaft in London.

Kern spielte in der Jugend zusammen mit Sandro Wagner

Mit vier Jahren fing Tobi Kern an, dem runden Leder nachzujagen, immer wieder mal unter seinem bekannten Vater Günter. Dieser arbeitete bis zuletzt als Athletik-Trainer im Profi-Bereich, jüngst bei Hertha BSC. „Davon habe ich natürlich sehr profitiert“, schätzt der Sohn das Privileg. Als er sich mit Bischofswiesen bei einem Hallenturnier erst im Finale den altersgleichen Jungs des FC Bayern geschlagen geben musste und dort als „bester Spieler“ ausgezeichnet wurde, entdeckte ihn der große Verein von der Säbener Straße. Kerns Onkel Werner war dort Jugendleiter. Bei ihm konnte der damals erst 13-Jährige einige Jahre wohnen. In den U-Teams des Rekordmeisters kickte Tobi Kern unter anderem mit dem späteren Nationalspieler Sandro Wagner, Stephan Fürstner (später Greuther Fürth), Markus Steinhöfer (Red Bull Salzburg) oder Georg Niedermeier (VfB Stuttgart).

Wir haben Tobi Kern, der heute in Oberalm bei Hallein wohnt, getroffen, um mit ihm über seine neue Aufgabe im Profi-Bereich zu sprechen.

Alles ist gut, wie es gekommen ist

Tobias Kern über seine verpassten Profi-Traum.
Herr Kern, wie wird einem in der Red Bull Fußball-Akademie mitgeteilt, dass man vom Nachwuchscoach zum Co-Trainer des FC Liefering „aufsteigt“?
Tobias Kern: Am Ende einer Saison gibt es immer Gespräche mit allen Beteiligten, um die Planung für die kommende Saison zu besprechen. Ich wurde zum Gespräch eingeladen und war schon etwas überrascht, zum Co.-Trainer vorgeschlagen zu werden. Noch dazu unter einem Cheftrainer wie René Aufhauser – das freut mich natürlich sehr, ich freue mich riesig auf diese Aufgabe.
Das Trainer-Team hat einen klingenden Namen.
Kern: Es ist eine Schau, mit dem sowohl erfolgreichen Ex-Profi als auch als Trainer bereits erfahrenen René Aufhauser als Chefcoach arbeiten zu dürfen. Er bringt einen starken Mehrwert mit, auch für mich. Die Zusammenarbeit mit den jungen, aber so talentierten Spielern – 16 bis maximal 19 Jahre alt – macht irrsinnig viel Spaß.
Hatten Sie mit Ihrem neuen Co.-Trainer-Kollegen Patrick Mölzl bereits Berührungspunkte als Spieler oder Trainer?
Kern: Wir kennen uns natürlich, spielten einmal gegeneinander, als er Aktivcoach bei Kirchanschöring war und ich in Anif unter Vertrag stand. Das ist lange her (er lacht). Davor hatten wir Berührungspunkte, als der Patrick bei den Bayern-Amateuren war und ich bei der U14 des FCB spielte – aber das waren immer eher „entferntere“ Begegnungen. Mit dem jetzigen Trainingsstart beim FC Liefering haben wir uns erst wirklich persönlich kennengelernt.
Werden Sie jetzt Spieler trainieren, die Sie schon als Jugendtrainer in Ihren Teams hatten?
Kern: Bis auf einen Spieler aus Südamerika, der ausgeliehen war und jetzt zurückkommt, habe ich tatsächlich schon alle trainiert.
Wie schafft man es, bei Red Bull „unterzukommen“?
Kern: Im Grunde wollte ich ein Praktikum bei Red Bull New York machen, wollte mal ins Ausland, die Sprache richtig lernen. Ich fragte Ernst Tanner, den damaligen Nachwuchskoordinator in Salzburg. Er meinte, ob ich das nicht in Salzburg machen wolle. Ende 2016 habe ich dann zwei Wochen hospitiert, danach bot er mir an, ab 1. Januar 2017 als nebenberuflicher Trainer bei der U14 anzufangen. Das war für mich natürlich eine tolle Sache und ein sagenhafter Einstieg. Im Sommer 2018 wurde daraus eine Festanstellung als Co-Trainer im U18-Bereich unter Alexander Schmidt, den aktuellen Dynamo Dresden-Trainer. Durch meine Ausbildung als Sportwissenschaftler arbeitete ich zudem als Athletiktrainer mit den unter 18-Jährigen.
Welche heute bekannten Salzburger Spieler haben Sie schon im Nachwuchsbereich der „Roten Bullen“ trainiert?
Kern: Nicolas Seiwald, Luka Sucic oder Karim Adeyemi. Zudem Spieler wie Sebi Aigner und Csaba Bukta (SCR Altach) oder David Affengruber und Alexander Prass, die jetzt nach Graz wechselten.
Hadern Sie damit, dass es nach dem Durchlauf aller Bayern U-Teams und dann bei den Löwen – dort haben Sie mit den späteren Profis Fabian Johnson (später bei Gladbach), Stefan Aigner (Eintracht Frankfurt) und Christian Träsch (VfL Wolfsburg) auf Augenhöhe agiert – es letztlich nicht zum Profi-Spieler gereicht hat?
Kern: Ich war immer derart in meinem Tun, damals, dass ich gar nicht so stark ans Profitum dachte. Kann sein, dass mir die nötige Zielstrebigkeit dazu fehlte. Ich habe einfach nur wahnsinnig gern Fußball gespielt. In der letzten Entschlossenheit ging mir aber möglicherweise der nötige Wille ab, um den entscheidenden Schritt zu den Profis zu bestreiten. Damit hadere ich nicht. Alles ist gut, wie es gekommen ist. Freilich ist es im ersten Moment niederschmetternd und brutal, wenn du erfährst, keinen Vertrag mehr zu bekommen. Plötzlich scheint alles aus zu sein. Die Einblicke in die höheren Fußball-Sphären bringen mir in meinem heutigen Trainer-Dasein jedoch unglaublich viel.
Sie sind für Ihr Alter schon sehr weit gekommen, sind quasi im absoluten Profi-Geschäft verankert. Machen Sie sich Gedanken, wo Sie sich möglicherweise in fünf oder zehn Jahren befinden?
Kern: Nicht ernsthaft. Ich bin im Hier und Jetzt sehr froh darüber, einen so tollen Arbeitsplatz zu haben, und freue mich über die Wertschätzung, die Förderung und Forderung des Vereins. Dafür bin ich jeden Tag dankbar. Ich habe die Rückmeldungen, dass der Verein auch in Zukunft auf mich setzt. In welche Richtung – weiter Co.-Trainer oder vielleicht mal Cheftrainer – es vielleicht irgendwann mal geht, ist weder absehbar noch mache ich mir darüber im Moment Gedanken.

Von Hans-Joachim Bittner

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