„Heraus kam ein sichtlich übereilter Schiedsspruch“

Urteil im DFB-Pokal-Streit: Jetzt meldet sich Türkgücü München zu Wort!

DFB-Pokal (Symbolbild)
+
DFB-Pokal (Symbolbild)

München/Schweinfurt - Das Schiedsgericht entschied am Dienstag, dass der 1. FC Schweinfurt und nicht Türkgücü München gegen Schalke 04 im DFB-Pokal spielen darf. Lange hat sich der Drittligist zurück gehalten, nun meldet er sich mit einem Statement zu Wort:

Update, 17.15 Uhr: Das Statement von Türkgücü München

Jetzt meldet sich der Drittligist mit einem Statement zu Wort. Wir haben für euch die Pressemeldung von Türkgücü München im Wortlaut:

Türkgücü München hat die Entscheidung des BFV-Schiedsgerichts vom vergangenen Dienstag mit größter Irritation zur Kenntnis genommen. All unsere Versuche, das Schiedsgericht dazu zu bewegen, den Parteien und sich selbst ausreichend Zeit für das Schiedsverfahren zu geben, wurden vom Schiedsgericht aus nicht nachvollziehbaren Gründen abgeblockt. Heraus kam nun ein sichtlich übereilter Schiedsspruch, der nicht ansatzweise den Ansprüchen genügt, die an eine gerichtliche Entscheidung zu stellen sind.

Der Schiedsspruch übergeht wesentliche Teile des Sachverhalts und ist in seiner Begründung nicht nur rechtlich unvertretbar, sondern im Vergleich zur ausführlichen rechtlichen Würdigung des Landgerichts München auch geradezu grotesk oberflächlich. Vor allem verneint das Schiedsgericht, das über keine erkennbare Expertise im Kartellrecht verfügt, in einem einzigen Absatz die von der Kartellrechtskammer des Landgerichts München festgestellte Kartellrechtswidrigkeit der Meldung des 1. FC Schweinfurt 05 e. V. – dieses Ergebnis erreicht das Schiedsgericht nur dadurch, dass es sämtliche Entscheidungen des Bundesgerichtshofs ignoriert, auf die sich das Landgericht München auf den Seiten 16 und 17 seiner Entscheidung stützen konnte. 

Damit sich die Öffentlichkeit ein eigenes Bild davon machen kann, auf welcher Grundlage der BFV entgegen der Entscheidung des Landgerichts München an seiner Meldung des 1. FC Schweinfurt 05 e. V. festhalten will, veröffentlichen wir hiermit sowohl das Urteil des Landgerichts München als auch den Schiedsspruch des BFV-Schiedsgerichts. 

Da der BFV anscheinend um jeden Preis an der laut Landgericht München rechtswidrigen Meldung des 1. FC Schweinfurt 05 e. V. festhalten will, haben wir leider keine andere Wahl, als gegen diesen Schiedsspruch des BFV-Schiedsgerichts vorzugehen und den uns hierdurch entstehenden Schaden ersetzt zu verlangen.

Das Urteil des Landgerichts München und den Schiedsspruch des BFV-Schiedsgerichtes ist auf der Homepage von Türkgücü München zu finden.

Vorbericht

Der lange Streit um den bayerischen Startplatz im DFB-Pokal ist seit Dienstagabend beendet. Das unabhängige Schiedsgericht entschied, dass der 1. FC Schweinfurt und nicht Türkgücü München kommende Woche, den 3. November, gegen Schalke 04 spielen darf. Die Freude im Lager der Schnüdel ist groß, während die Verantwortlichen des Drittligisten nicht einverstanden sind mit dem Urteil. Zudem zeigt sich auch der Bayerischer Fußball-Verband mit der Entscheidung vom Dienstag zufrieden und sieht sich in seinem Vorgehen bestätigt.

Wir haben für Euch die Stimmen der Verantwortlichen vom Urteil zusammengefasst:

Schweinfurts Geschäftsführer Markus Wolf:

„Wir sind natürlich überglücklich, dass das Urteil da ist und wir nun Gewissheit haben. Für uns stand es von Anfang an fest, dass wir gegen Schalke spielen. Auch wenn es jetzt länger gedauert hat, umso mehr freuen wir uns jetzt auf die Partie am Dienstag und sind gut gewappnet. Unsere Jungs sind fit. Wir freuen uns auf ein super Spiel in Gelsenkirchen.”

Schweinfurts Cheftrainer Tobias Strobl:

„Wir sind glücklich, ganz klar. Endlich ist eine Entscheidung gefallen. Wir haben endlich Klarheit und wir als 1. FC Schweinfurt 05 haben dieses Highlight-Spiel gegen Schalke. Vor einigen Jahren gabs die Partie schon einmal, wo der Verein sich sehr gut verkauft hat gegen den FC Schalke. Wir probieren natürlich noch mal eine Schippe drauf zu legen und werden voller Euphorie auf das Spiel hinarbeiten.”

BFV-Vizepräsident Reinhold Baier:

„Wir haben uns von Beginn an nach Kräften bemüht, in dieser schwierigen Phase eine gerechte Lösung zu finden. Diese schon im Frühjahr geschaffene Lösung wurde jetzt auch so vom unabhängigen Schiedsgericht bestätigt. Wir hätten uns diese gerichtliche Auseinandersetzung sehr gerne erspart. Denn am Ende gibt es hier keine Gewinner, Verlierer war der Fußball.“

BFV-Präsident Rainer Koch:

„Damit ist die im Einstweiligen Verfügungsverfahren ergangene entgegenstehende Entscheidung der Zivilkammer des Landgerichts München aus der Welt und es ist klar, dass der BFV seit Mai 2020 fortwährend sportlich faire Entscheidungen getroffen hat. Der BFV steht für sportlich faire Regelungen. Das ist heute auch so gerichtlich bestätigt worden. Und das ist gut so. Und jetzt halten wir es mit Franz Beckenbauer: Geht’s raus und spielt‘s Fußball.“

Türkgücü München Geschäftsführer Max Kothny:

Auf Seiten von Türkgücü München haben sich die Verantwortlichen noch nicht genau zu dem Urteil geäußert. May Kothny, Geschäftsführer des Drittligisten, sprach in Medien über ein „Micky-Maus-Gericht“ und bezeichnete das Urteil als „dahingerotzt“. Man sehe „schwere kartellrechtliche Fehler“, so der Geschäftsführer weiter, der ankündigte, wenn nötig, bis zum Bundesgerichtshof zu gehen. Weiter ins Detail ging Kothny vor der Veröffentlichung der ausführlichen Begründung aber nicht. . „Es wundert mich nicht, warum das Schiedsgericht am Montag die Öffentlichkeit nicht zugelassen hat“, monierte er allerdings.

Zum Hintergrund des Streits:

Zum Hintergrund: Der BFV hatte nach dem Ausscheiden von Türkgücü München, das mittlerweile in der 3. Liga spielt, aus der Regionalliga Bayern den 1. FC Schweinfurt 05 zum Ablauf der Meldefrist am 6. September als bestes Amateurteam Bayerns an den DFB gemeldet. Einen entsprechenden Beschluss hatte der BFV-Vorstand bereits Anfang Mai vor dem Hintergrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie gefasst, in der Folge auch die Statuten entsprechend angepasst und das Vorgehen mit allen Beteiligten in beiden Klubs zudem persönlich erörtert.

Zur Pokal-Partie der Unterfranken beim FC Schalke 04 war es am 13. September aber nicht gekommen. Türkgücü München hatte dies 48 Stunden vor dem Anpfiff per Einstweiliger Verfügung verhindert. Der BFV hatte umgehend Widerspruch eingelegt und nach einer mündlichen Verhandlung teilweise auch Recht erhalten. So ist der BFV ausdrücklich nicht dazu verpflichtet worden, wie zunächst per Einstweiliger Verfügung zur kurzfristigen Spielabsetzung erlassen, anstatt Schweinfurt die Münchner zu melden. Daraufhin rief der BFV das zuständige Schiedsgericht in Nürnberg an.

ma

Kommentare