Schwarzes Wochenende im europäischen Fußball

Randale, Grabkreuze, geschmacklose Plakate und ein Klubboss mit Pistole

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Wie hier in Lille kam es am Wochenende zu mehreren unschönen Szenen rund um Fußballspiele.

Thessaloniki/Lille/London/Hamburg - Am vergangenen Wochenende ist es zu mehreren handfesten Skandalen während und nach Fußballspielen gekommen. In Griechenland stürmte ein Klubpräsident mit einer Waffe auf das Spielfeld, in Lille wurden Spieler geschlagen und in London wurde gegen die Klubbosse gehetzt. Zudem sorgte ein geschmackloses Plakat in Hamburg für Ärger.

Das griechische Topspiel PAOK Thessaloniki gegen den Tabellenführer AEK Athen ist abgebrochen worden. In der Nachspielzeit erzielte PAOK beim Stand von 0:0 den vermeintlichen Siegtreffer. Zunächst deutete alles darauf hin, als hätte der Schiedsrichter das Tor wegen einer Abseitsstellung nicht gegeben. Daraufhin stürmten mehrere Personen das Spielfeld - darunter auch Salonikis Klub-Präsident Ivan Savvidis. Bilder im Internet zeigen, dass dieser eine Waffe an der Hüfte trug.

Zunächst konnte man meinen, diese Aktion sei für den Spielabbruch verantwortlich gewesen, doch griechischen Medienberichten zufolge habe sich der Schiedsrichter zwei Stunden nach dem scheinbaren Spielabbruch dazu entschieden, den Treffer nun doch zu geben. Das Team von AEK weigerte sich, die letzten Minuten zu Ende zu spielen, sodass die Begegnung schlussendlich offiziell abgebrochen wurde.

Der nächste Skandal rund um PAOK

Die Partie stand ohnehin unter speziellen Rahmenbedingungen. Ursprünglich verhängte der griechische Verband (EPO) nach Fanausschreitungen eine drastische Strafe für PAOK - drei Punkte Abzug, 30.000 Euro Strafe, zwei Geisterspiele. Rund 40 Hooligans drangen daraufhin in ein Fernsehstudio ein und ließen einen Protestbrief vorlesen. Überraschenderweise begnadigte der Verband den Verein am Sonntag jedoch. Der Punktabzug wurde revidiert und auch die Geisterspiele wurden aufgehoben, sodass das Spiel gegen AEK letzten Endes vor ausverkaufter Kulisse stattfinden konnte.

Liga stellt Spielbetrieb ein

Die griechische Meisterschaft, die Super League, ist daraufhin auf unbestimmte Zeit abgebrochen worden. Das hat die griechische Regierung am Montag als Reaktion auf die Krawalle der vergangenen Wochen bekannt gegeben.

„Wir haben entschieden, die Liga zu stoppen. Ohne eine von allen Seiten getroffene Vereinbarung wird es keinen Neustart geben", erklärte der stellvertretende Sportminister Georgios Vassiliadis nach einem Treffen mit Ministerpräsident Alexis Tsipras.

Platzsturm in Lille

Auch die Partie Lille gegen Montpellier (1:1) in der ersten französischen Liga wurde von hässlichen Szenen überschattet. Unmittelbar nach Abpfiff stürmten rund 200 Anhänger von Lille den Rasen, um die eigenen Spieler zur Rede zu stellen. Unfassbar, dass einige Spieler sogar Schläge und Tritte kassierten. Durch Sicherheitskräfte konnte eine weitere Eskalation vermieden werden - sie verhinderten, dass die wütenden Fans den Spielertunnel erreichen konnten. 

Lille liegt mit 28 Punkten auf dem vorletzten Tabellenplatz und wartet seit Ende Januar auf einen Sieg.

Chaos bei West Ham-Niederlage

Beim Premier-League-Spiel in England zwischen West Ham United und dem FC Burnley, welches die Londoner mit 0:3 verloren, kam es gleich mehrmals zu chaotischen Szenen. Hunderte Anhänger von West Ham machten sich auf den Weg zur Haupttribüne, um die Klubbosse zur Rede zu stellen. „Alles Lügen, Lügen, Lügen!" und „Ihr habt unseren Klub zerstört!" skandierten die aufgebrachten Fans des Hauptstadtklubs, der durch die dritte Niederlage in Folge nur noch drei Punkte vor einem Abstiegsplatz liegt.

Einer der Klubeigner, David Sullivan, wurde dabei von einer Münze am Kopf getroffen, wie die BBC berichtet.

Nach jedem Gegentor: Fans stürmen Spielfeld

Nach jedem der insgesamt drei Gegentore rannten Fans auf den Rasen. Dabei wurde Burnleys Torschütze Ashley Barnes von einer Person zu Boden gerissen. Ein anderer rannte gar mit der Eckfahne auf das Spielfeld, der dritte konnte schlussendlich von West Ham-Kapitän Mark Noble gestoppt werden.

Droh-Plakat an Hamburger SV

Auch in der Bundesliga gab es Ärger: Nach der 0:6-Niederlage beim FC Bayern taumelt der Hamburger SV dem Abstieg entgegen. Einige Anhänger machten ihren Ärger über die erneute Niederlage mit einem geschmacklosen Plakat Luft. Am Trainingsplatz vor dem Volksparkstadion in Hamburg brachten Unbekannte ein Banner an. Darauf ist zu lesen: „Eure Zeit ist abgelaufen! Wir kriegen euch alle!“ Zudem wurden mehrere Grabkreuze aufgestellt. Die Ermittlungen wurden aufgenommen.

Drei Spieltage zuvor zeigten die Anhänger der Hamburger bereits ein anderes, fragwürdiges Transparent, auf dem eine Drohung als Folge des immer wahrscheinlicher werdenden Abstiegs zu lesen war: „Bevor die Uhr ausgeht, jagen wir euch durch die Stadt!"

Erst vor einer Woche war es in den Niederlanden zu einem handfesten Skandal gekommen, als Hooligans gegnerische Spieler und Ordner mit Fäusten und Tritten attackierten.

Andreas Schmid 

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