Pro und Kontra - Umfrage

Bundesliga-Clubs sprechen über Fortsetzung: "Wir haben mehrere Spielplan-Optionen"

Während zahlreiche Sportverbände ihre Saisons abgebrochen haben oder der Spielbetrieb bis auf Weiteres still steht, pocht vor allem DFL-Chef Christian Siefert auf einen Neustart der Bundesliga mit Geisterspielen. Am Donnerstag beraten sich die Clubs.

Update, Donnerstag, 16 Uhr:

Nach der Versammlung der Mitglieder hielt DFL-Geschäftsführer eine Pressekonferenz ab, um über die Ergebnisse zu informieren. Demnach würde der Plan, die Bundesliga im Mai wieder starten zu lassen, weiterhin stehen, eine endgültige Entscheidung kann aber erst in der kommenden Woche gefällt werden, wenn Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten konferiert.


Einen Zeitpunkt, wann es konkret wieder weitergehen soll, gibt es auch noch nicht, Seifert versicherte jedoch: "Wir haben mehrere Spielplan-Optionen." Ein Saisonende vor dem 30. Juni sei nach wie vor geplant, man könnte sich aber auch mit einem Abschluss im Juli anfreunden. Grundsätzlich gäbe es laut Seifert "zahlreiche Gründe, das Vorgehen der DFL zu kritisieren", doch der Geschäftsführer wies darauf hin, dass andere Unternehmen ebenfalls die Wiederaufnahme des Betriebes vorbereiten.

Außerdem stellte Seifert das Konzept der Geisterspiele vor: 98 sollen im Stadioninnenraum erlaubt sein, 115 im Tribünenbereich und - je nach Stadion - bis zu 109 im Außengelände. Die Tests, die für alle Beteiligten benötigt werden, sollen laut Seifert nicht mehr als 0,4% der Gesamtkapazität ausmachen. Sollte es dennoch zu Engpässen bei Corona-Tests kommen, so stehe der Profifußball natürlich hinten an.


Erstmeldung, Donnerstag, 11 Uhr:

Am Donnerstag, dem 23. April, tagen ab 11 Uhr die 36 Profi-Clubs in einer virtuellen Ligaversammlung. Dabei geht es um das weitere Vorgehen in der Corona-Krise. Geht es nach der DFL und den Clubs, soll die Saison in der 1. und 2. Bundesliga bald wieder fortgesetzt werden, am besten noch im Mai. Die Verantwortlichen hoffen, den Wettbewerb bis zum 30. Juni beenden zu können, um im gewohnten Liga-Rhythmus bleiben zu können. Diese Vorhaben sind allerdings nur mittels Geisterspielen möglich. Neben Befürwortern gibt es auch zahlreiche kritische Stimmen zu dem Fortsetzungs-Plan der Liga.

Zahlreiche Vereine droht die Insolvenz

Ein Grund den Spielbetrieb wieder aufzunehmen ist die Existenzsicherung der Vereine, bei denen es um sehr viel Geld geht. Bei einem Saisonabbruch drohen Verluste von bis 750 Millionen Euro. Dies würde dazu führen, dass zahlreiche Vereine von der Insolvenz bedroht wären. Neben den Fußball-Profis geht es dabei auch um etliche weitere Arbeitsplätze, die DFL schätzt die Zahl auf 56.000 Beschäftigte. "Wir wollen keine Extrawurst, das ziemt sich auch nicht in diesen Zeiten. Aber wir sind ein Wirtschaftsunternehmen wie viele andere", sagte DFL-Chef Christian Seifert. Da die Kapazitäten der Test immer weiter gesteigert wird und die medizinische Versorgung gut ist, könne es sich der Staat - nach Meinung von Experten - sich leisten, die Profis engmaschiger zu kontrollieren "Sollte es durch künftige Entwicklungen - z.B. eine zweite Corona-Infektionswelle - tatsächlich Engpässe geben, wird die DFL die Versorgung der Bevölkerung selbstverständlich nicht beeinträchtigen", betont die DFL. 

Ein weiteres Argument für die Wiederaufnahme der Bundesliga ist die Rückführung zur Normalität. Denn in Zeiten von zahlreichen schlechten Nachrichten, könnte der Sport eine beruhigende Wirkung haben. Außerdem würde es ein Stück normalen Alltags wiederbringen. Laut Söder könne der Fußball "viel dazu beitragen, durch diese schwierige Zeit zu kommen".

Was passiert, wenn sich ein Spieler ansteckt?

Es gibt aber auch zahlreiche Kritiker, die sich gegen eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der Bundesliga aussprechen. Zum einen sind da die aktiven Fangruppen, die sich klar gegen Geisterspiele aussprechen. Die Organisation "Unsere Kurve" betont, dass der Fußball für die Fans gespielt wird und nicht für Fernsehgelder und Sponsoren. "Wir möchten nicht mehr über Symptome diskutieren, sondern endlich über die Krankheit und die Wege zur Gesundung des Fußballs sprechen", fordert "Unsere Kurve". Man könnte den Eindruck gewinnen, dass viele Menschen gar nicht auf den Neustart hin fiebern. 

Außerdem leiden viele Menschen unter der Corona-Krise wirtschaftlich oder wegen der starken Einschränkungen. Zahlreiche Betriebe haben bereits Kurzarbeit angemeldet. Da wirkt es etwas bizarr, dass ausgerechnet die Bundesliga wieder starten soll. Ein großes Thema was viele Kritiker bewegt, ist die Infektionsgefahr. Fußball ist und bleibt ein Kontaktsport und dabei besteht die Gefahr einer Ansteckung. Sollte sich auch nur ein Spieler anstecken, würde der Spielbetrieb erneut zum Erliegen kommen. 

Der SPD-Politiker Karl Lauterbach spricht sich klar gegen einen Start der Bundesliga aus: "Die Bundesliga würde mehrere Zehntausend Tests verbrauchen, die in Pflegeeinrichtungen und Schulen fehlen“, so Lauterbach auf Twitter. "Dazu würden Fantreffen Infektionsketten anstoßen. Auch ist unklar, weshalb dann andere Sportarten warten müssen. Niemand braucht "Brot und Spiele"."

Mit einer finalen Entscheidung ist am Donnerstag nicht zu rechnen, dafür ist die DFL von Entscheidungen der Politik abhängig. Aber ein Masterplan soll aufzeigen, wie genau ein Neustart der Bundesliga möglich wäre.

ma

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa



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