Babensham und Grünthal reagierten vorbildlich

Corona erreicht Amateurfußball: Spieler aus der Region nach Testspiel positiv getestet

Ein Fußball der einen Mundschutz umgebunden hat.
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Amateurfußball in der Corona-Krise

Unterreit/Babensham - Nach dem Testspiel des TSV Babensham gegen den FC Grünthal wurde ein TSV-Spieler positiv auf das Coronavirus getestet. Die Verantwortlichen beider Vereine erzählen im Gespräch mit beinschuss.de, wie sie auf diese Nachricht reagiert haben.

Die Vorfreude der bayerischen Amateurfußballer, endlich wieder Freundschaftsspiele austragen zu dürfen, war groß. Zwar befinden wir uns weiterhin mitten in einer Pandemie und müssen lernen mit dem Coronavirus zu leben, doch die Freigabe und Durchführung von Testspielen war und bleibt ein Schritt zurück zur Normalität. Aber was passiert, wenn ein Spieler nach einer Partie plötzlich positiv auf das Virus getestet wird? Welche Schritte folgen anschließend und welche Hebel müssen in Bewegung gesetzt werden? Die Vereine stehen dann vor vielen offenen Fragen und Problemen.

Babenshams Abteilungsleiter Oberlinner: „ Spieler hat sich vorbildlich verhalten“

Dieses “Worst-Case-Szenario” erlebten der TSV Babensham und der FC Grünthal. Am Freitagabend, den 7. August, traten beide Teams in einem Testspiel gegeneinander an, die Partie gewann der TSV mit 3:2. Doch nach zwei Tagen war dieses Ergebnis erst einmal nebensächlich. Am Sonntagabend meldete sich ein Spieler des TSV bei den Club-Verantwortlichen, dass er mit einer infizierten Person in Kontakt gewesen sei. Bis zu seinem Testergebnis wurde entschieden, dass der Spieler zunächst nicht mehr am Training teilnehmen darf. Demnach bestand nach dem Spiel kein Kontakt mehr zur Mannschaft.

Bereits am Montag ließ er sich dann testen und am Dienstag stand das Ergebnis fest: „Coronavirus Positiv“. “Sofort als wir die Nachricht erhalten hatten, haben wir neben dem Trainer unserer 1. Mannschaft, sowie unseren eigenen Spielern auch den FC Grünthal darüber informiert“, erklärt Babenshams Abteilungsleiter Tobias Oberlinner auf Nachfrage von beinschuss.de. Weiter betont er , dass “sich der Spieler vorbildlich verhalten hat und und wir einen guten Informationsfluss mit ihm hatten”

“Diese Situation war für alle nicht einfach”

Beim Gegner nahm man die Nachricht gefasst auf. “Es war Dienstagabend, was sollten wir da noch groß machen”, erzählt Grünthals Sportlicher Leiter Fred Scheitzeneder, der auch sofort den Schiedsrichter darüber informierte. “Wir haben am Mittwochvormittag mit dem Gesundheitsamt Mühldorf Kontakt aufgenommen. Dort wurde uns gesagt, dass wir zwar keine Tests machen müssen, sie uns aber dazu raten.”

Eine Tag später haben sich alle Spieler und Betreuer des FC und des TSV, die am besagten Spieltag anwesend waren, freiwillig testen lassen. Währenddessen haben beide Teams den Trainingsbetrieb umgehend gestoppt. Glücklicherweise waren alle negativ. “Die Spieler mussten sich aufgrund der Testung von der Arbeit freinehmen und teilweise bis zum Ergebnis zu Hause bleiben”, erzählen beide Abteilungsleiter. “Diese Situation war für alle nicht einfach.”

Gegenüber dem BFV herrscht in diesem Fall keine Meldepflicht

Was beide Abteilungsleiter verwundert, sind die unterschiedlichen Vorgehensweisen der Gesundheitsämter. Während das Gesundheitsamt Rosenheim nur die Kontaktpersonen der vergangene zwei Tage nach dem positiven Test anforderte, wollte das Gesundheitsamt Mühldorf eine Liste aller anwesenden Personen bei dem Spiel. “Die verschiedenen Ämter gehen in solchen Situation ganz unterschiedlich vor”, so Scheitzeneder.

Den Bayerischen Fußball-Verband haben beide Teams nicht über den Vorfall informiert, was sie auch nicht hätten machen müssen. „Die Vereine haben keine Meldepflicht gegenüber uns“, sagt BFV-Pressesprecher Fabian Frühwirth auf Nachfrage von beinschuss.de. „Wichtig ist für uns, dass die Dokumentation funktioniert und das tut sie aktuell. Wenn wir aber von einem Vorfall in Kenntnis gesetzt werden, ist es auch nicht verkehrt.“

Beide Teams haben ihre nächsten Testspiele abgesagt

Beide Mannschaften haben die bereits vereinbarten Testspiele in den nächsten Tagen abgesagt. “Die Gesundheit unserer Spieler, aber auch der gegnerischen Mannschaft geht dabei vor”, betont Grünthals Abteilungsleiter. Auch bei Babensham will man kein unnötiges Risiko eingehen. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Vereinen wird von beiden Seiten sehr gelobt. „Es war ein sachlicher Austausch und eine gute Zusammenarbeit“, sagen beide Abteilungsleiter. „In so einer besonderen Situation ist es wichtig, dass beide Seiten gut kommunizieren.“

Grünthals Abteilungsleiter Scheitzeneder: „Wir haben jetzt gesehen, wie schnell das alles gehen kann“

Doch wie wirkt sich dieser Vorfall bei den Spielern selbst aus? “Wir haben viele Einzelgespräche mit den Spielern geführt”, erzählt Oberlinner, “natürlich steckt das jetzt bei den Jungs im Hinterkopf und der ein oder andere hat ein mulmiges Gefühl, dass sich ein solcher Vorfall wiederholt. Dennoch haben alle weiterhin Bock zu kicken.” 

Ganz anders scheint die Gemengelage beim FC Grünthal zu sein. Während Phillipp Asenbeck bereits im Interview mit beinschuss.de zugab, dass “die Vorfreude schon wieder etwas verflogen ist”, macht Scheitzeneder nochmal deutlich: “Wir haben jetzt gesehen, wie schnell das alles gehen kann. Wir müssen an die Gesundheit der Spieler und an die ganzen Arbeitgeber denken. Wir würden nach diesem Vorfall den Spielbetrieb lieber weiterhin aussetzen. Aber wenn der BFV sagt wir müssen spielen, dann treten wir auch an.”

Der Plan des Bayerischen Fußball-Verbandes sieht weiter vor, die Saison am 1. September wieder fortzusetzen. Ob dies tatsächlich gelingt und ob der Spielbetrieb ohne Pause bis November fotgeführt werden kann, ist indes nicht abzusehen.

ma

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