Zwei Bewährungsstrafen und ein Freispruch

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Drei Ultras des SV Wacker standen vor Gericht

Die juristische Aufarbeitung der Vorfälle des 1. Juni 2013 dauert weiter an. Drei Ultras des SV Wacker Burghausen stehen in Altötting vor Gericht. Nun wurde vom Richter das Urteil gefällt.

UPDATE 15:00 Uhr:

Das Rechtsgespräch war erfolgreich und die Verhandlung konnte deutlich verkürzt werden. Gleich nach der Pause hielten Anklage und Verteidigung kurze Plädoyers, nach einer weiteren kurzen Unterbrechung verkündete Richter Günther Hammerdinger das Urteil.

Der 24 Jahre alte Angeklagte wurde - was die Nacht zum 1. Juni betrifft - freigesprochen. Wegen Betäubungsmittelbesitzes und der Beleidigung eines Polizisten bei einer Auswärtsfahrt des SV Wacker wurde er zu einer Geldstrafe in Höhe von 70 Tagessätzen verurteilt. Weil der junge Mann noch Schüler ist, liegt die Tagessatzhöhe bei zehn Euro.

Der 26-Jährige wurde wegen gemeinschaftlichen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, gemeinschaftlicher versuchter Gefangenenbefreiung sowie Besitzes einer verbotenen Waffe (der in seiner Wohnung gefundene Schlagring) zu einer Freiheitsstrafe in Höhe von vier Monaten verurteilt, auf drei Jahre ausgesetzt zur Bewährung.

Der 37-Jährige wurde ebenfalls zu einer viermonatigen Bewährungsstrafe verurteilt, die Bewährungszeit liegt auch bei ihm bei drei Jahren. Der 37-Jährige wurde wegen gemeinschaftlichen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, gemeinschaftlicher versuchter Gefangenenbefreiung sowie wegen des vorsätzlichen unerlaubten Anbaus und Besitzes von Betäubungsmitteln und wegen Beleidigung (die "A.C.A.B."-Tätowierung) verurteilt. Der Angeklagte muss zudem 750 Euro an den Kinderschutzbund zahlen. Sein 26-jähriger Mitangeklagter muss 1500 Euro an die AWO zahlen.

Richter Hammerdinger sagte, bei dem 37-Jährigen und dem 26-Jährigen sei erwiesen, dass sie in der Nacht zum 1. Juni da und aktiv beteiligt gewesen seien. "Die Teilnahme an diesem Tatvorgang ist keine Kleinigkeit", so Hammerdinger. Es habe ein hohes Gefahrenpotential gegeben.

Das Urteil sind noch nicht rechtskräftig. Anklage und Verteidigung haben die Rechtsmittel der Berufung und der Revision.

UPDATE 11:45 Uhr:

Als erster Zeuge wurde ein Polizist gehört, der in der Nacht zum 1. Juni am Polizeieinsatz beteiligt war. Eindringlich schilderte der Beamte seine Eindrücke. Schon seit 30 Jahren sei er Polizist, doch so eine Situation habe er noch nicht erlebt, so der Polizist über die Lage vor dem Lokal. "Es war ganz brenzlig. Da war ein Knistern in der Luft."

Zwei der Angeklagten, den 26-Jährigen, der Angaben zur Sache machte, und einen 37-Jährigen konnte der Zeuge identifizieren. Der 37-Jährige soll sich in jener Nacht "lautstark" geäußert und "Nase an Nase" vor dem Zeugen gestanden haben. Der 26-Jährige zückte dem Zeugen zufolge sein Handy - so, als wolle er Fotos machen. Der Polizist sagte aus, er habe ihn daraufhin aufgefordert, ihn nicht zu fotografieren. Der 26-Jährige soll sich dem Zeugen zufolge außerdem vor einen Streifenwagen gestellt haben, als dieser wegfahren wollte. Er habe zwar gesagt "ihr fahrt da nicht weg", erklärte der Zeuge. Kurz darauf habe sich der 26-Jährige aber wegbegeben.

Dass der dritte Angeklagte, ein 24-Jähriger, vor Ort war, bestätigte der Zeuge. An konkrete Aktionen des jungen Mannes konnte sich der Polizist aber nicht erinnern.

Anschließend wurde ein Polizist angehört, der in jener Nacht offenbar relativ viel abbekommen hat. Der Zeuge sagte aus, er sei mit Bier übergossen, beleidigt und von Pfefferspray getroffen worden. Einzelne Handlungen konnte der Beamte aber nicht oder nur bedingt bestimmten Personen zuordnen.

Der 24-Jährige und der 26-Jährige Angeklagte sind dem Zeugen in jener Nacht nicht aufgefallen. Bei dem 37-Jährigen konnte der Polizist nur dessen Anwesenheit bestätigen. Auch eine anschließend vernommene Polizistin konnte sich nicht an den 24-Jährigen erinnern. Auch der 37-Jährige sei ihr nicht aufgefallen, so die Zeugin. Lediglich an den 26-Jährigen erinnerte sich die Polizistin. Der junge Mann habe auf sie und ihre Kollegen eingeredet und habe im Weg gestanden, als die Beamten einen anderen Mann in den Streifenwagen setzen wollten.

Ein weiterer Polizist sagte aus, er habe lediglich den 26-Jährigen gesehen. Dieser habe einen Streifenwagen für kurze Zeit am Wegfahren gehindert. Eine Polizistin wiederum erinnerte sich an den 24-Jährigen und an den 37-Jährigen - nicht aber an den 26-Jährigen.

Die Verhandlung wurde unterbrochen. Rechtsanwalt Erhard Frank, Verteidiger des 26-Jährigen, hat um ein Rechtsgespräch gebeten. Möglicherweise kommt es also zu einer Einigung zwischen Anklage und Verteidigung - und damit zu einem schnellen Ende des Verfahrens.

Die Verhandlung ist nun für rund zwei Stunden unterbrochen. Der 37-jährige Angeklagte hatte bislang auf einen Verteidiger verzichtet. Damit ihm durch das zwischen den Verfahrensbeteiligten geführte Rechtsgespräch keine Nachteile entstehen, wurde nun mit dem Einverständnis des 37-jährigen Rechtsanwältin Verena Huber als Pflichtverteidigerin bestellt. Die Verhandlung wird am frühen Nachmittag fortgesetzt.

UPDATE 9.40 Uhr: Verhandlungsbeginn

Zu Beginn der Verhandlung wollte sich bloß einer der drei Angeklagten zur Sache äußern. Der junge Mann räumte ein, einen Schlagring besessen zu haben. Diesen habe er vor Jahren "aus Jux und Tollerei" gekauft. Seitdem habe er in der Sockenschublade gelegen. Der Angeklagte sagte aus, er habe schon gar nicht mehr gewusst, dass er den Ring besitzt.

Zu den Vorfällen aus der Nacht zum 1. Juni machte der 26-Jährige nur wenige Angaben. Er bejahte, anwesend gewesen zu sein, bestritt aber, wissentlich einen Streifenwagen am Wegfahren gehindert zu haben. Zu dem Vorwurf, zu einem Polizeibeamten "wir finden dich, wir kennen dich" gesagt zu haben machte der junge Mann keine Angaben.

Der Vorbericht zur Verhandlung

Die Vorfälle der Nacht zum 1. Juni 2013 beschäftigen weiter die Justiz. Damals soll ein junger Mann auf einen Streifenwagen eingeschlagen und einen Außenspiegel abgetreten haben. Als er kurz darauf in einer Gaststätte festgenommen werden sollte, soll sich eine Reihe von Männern, die der Polizei zufolge zumindest teilweise dem Umfeld der Wacker-Ultras zuzurechnen sind, mit dem Mann solidarisiert haben. Die Männer sollen vier Polizeibeamte beleidigt und wiederholt angegriffen haben, einer der Polizisten soll gar mit Bier überschüttet, ein anderer mit Pfefferspray angegriffen worden sein. Auch Todesdrohungen sollen die Männer gegen die Beamten ausgesprochen haben.

Geldstrafen im letzten Prozess gegen Wacker-Ultras

So schockierend diese Vorwürfe auch sein mögen - die einzelnen mutmaßlichen Taten vor Gericht bestimmten Personen zuzuordnen, erwies sich bislang als juristische Puzzle-Arbeit. Eine Gerichtsverhandlung gegen drei Wacker-Ultras im März 2014 verlief bereits dementsprechend. Alle drei Angeklagten machten damals keine Angaben zur Sache und auch die als Zeugen geladenen Polizeibeamten konnten nur teilweise Licht ins Dunkel bringen. Mehrere Polizisten sagten aus, sie könnten den Angeklagten keine einzelnen Handlungen aus jener Nacht zuordnen. Am umfangreichsten war noch die Aussage eines Beamten, wonach alle drei Angeklagten damals dabei waren. Doch auch dieser Polizist konnte die schwereren Tatvorwürfe, wie den Einsatz des Pfeffersprays, keinem der jungen Männer zuordnen.

Die Angeklagten wurden damals zu Geldstrafen verurteilt - allerdings nur wegen Landfriedensbruchs, Beleidigung, versuchter Gefangenenbefreiung und Bedrohung. Den Vorwurf der Körperverletzung sah das Gericht als nicht erwiesen an.

Zwei weitere Vorfälle Gegenstand der Verhandlung

Inwieweit im Prozess am Donnerstag den nun angeklagten Männern die einzelnen Vorwürfe nachgewiesen werden können, ist freilich offen. Angeklagt sind die jungen Männer wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, versuchter Gefangenenbefreiung, Landfriedensbruchs, Beleidigung und gefährlicher Körperverletzung. Zudem hatte die Polizei bei einer Durchsuchung der Wohnräume bei einem Angeklagten Marihuana und Haschisch, bei einem anderen Angeklagten Cannabis und Haschisch und bei dem dritten Angeklagten einen Schlagring gefunden.

Zwei der Angeklagten müssen sich zudem noch jeweils wegen eines weiteren Vorwurfs verantworten. Ein junger Mann soll nach einem Auswärtsspiel des SV Wacker einen Polizisten beleidigt haben. Ein Mitangeklagter soll bei einem Heimspiel der Burghauser bewusst die Tätowierung A.C.A.B. zur Schau gestellt haben. Dieses Akronym trägt der Angeklagte auf seiner Brust und wird in der Regel als Kürzel für "All cops are bastards" verwendet.

Quelle: innsalzach24.de

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