Beinschuss-Interview der Woche

Burghausens Ex-NLZ-Leiter Ramstetter: „Der Aufwand war erheblich“

Georg Ramstetter war zweieinhalb Jahre NLZ-Leiter beim SV Wacker Burghausen.
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Georg Ramstetter war zweieinhalb Jahre NLZ-Leiter beim SV Wacker Burghausen. Vergangene Woche trat er zurück.

Burghausen - Am Montag gab der SV Wacker Burghausen bekannt, dass Georg Ramstetter als Leiter des Nachwuchsleistungszentrum zurückgetreten ist. Im Interview der Woche mit beinschuss.de spricht Ramstetter über die Beweggründe seines Rücktritts, seine Arbeit als NLZ-Leiter und verrät, was sein Nachfolger mitbringen muss.

Beim Fußball-Nachwuchsleistungszentrum des SV Wacker Burghausen gibt es eine Veränderung in der Leitung. Georg Ramstetter hat nach zweieinhalb Jahren seine Tätigkeit als NLZ-Leiter in der vergangenen Woche beendet. Das teilte der Regionalligist am Montag (16. November) mit.

„Georg hat mit seinem Fachwissen und viel Herzblut enorme Qualität ins NLZ gebracht. Ich möchte ihm dafür im Namen des gesamten Vereins und der Fußball-Abteilung herzlich danken,“ sagte der 1. Vorsitzende Dr. Thomas Frey. „Ein solcher Abgang ist nie schön, aber der aktuelle Lockdown und die damit verbundenen Trainings- und Spielbetriebspause geben uns zumindest ausreichend Zeit zu reagieren und uns mit der Nachfolge zu beschäftigen.“

Im Interview der Woche mit beinschuss.de spricht Ramstetter über die Beweggründe seines Rücktritts, seine Arbeit als NLZ-Leiter und verrät, was sein Nachfolger mitbringen muss.

Hallo Herr Ramstetter, Sie sind vergangene Woche als Leiter des Nachwuchsleistungszentrum beim SV Wacker Burghausen zurückgetreten. Was waren die Gründe für ihre Entscheidung?
Georg Ramstetter: Der Aufwand war erheblich. Vor allem in diesem Jahr mit der Corona-Pandemie und der Erstellung und Einhaltung des Hygienekonzepts. Ich arbeite als Realschullehrer und man muss sich schon immer hinterfragen, wieviel Zeit man in eine solche Nebentätigkeit investiert.
War das eine kurzfristige Entscheidung oder haben Sie sich diesen Schritt seit längerem überlegt?
Ramstetter: In mir ist der Entschluss während diesen Jahres gereift, dass es auch mal wieder schön wäre, mehr Zeit für andere Dinge zu haben. Es ist eine sehr interessante Aufgabe, aber man läuft schon häufiger auf Anschlag. Zudem war der Rücktritt zum jetzigen Zeitpunkt mit dem zweiten Lockdown der richtige Moment, auch für den Verein. Der SV Wacker kann jetzt in Ruhe einen Nachfolger finden.
Was waren Ihre Aufgabe als NLZ-Leiter?
Ramstetter: Als NLZ-Leiter steht man in Kontakt zum Bayerischen Fußballverband, zum DFB Stützpunkt-Koordinator, zu anderen Vereinen und trifft personelle Entscheidung über Spieler und Trainer. Über ein detailliertes Ausbildungskonzept, das in diesem Jahr noch mal überarbeitet wurde, habe ich versucht die Abläufe zu optimieren. Darin werden die Trainingsorganisation und die sportliche Ausrichtung aller Jugendmannschaften beschrieben. Wenn man das Konzept nachhaltig umsetzen will, muss man sich richtig dahinterklemmen und auch am Wochenende oft mehrere den Spielen sein. Insgesamt eben eine interessante, aber auch sehr umfangreiche Aufgabe.
Sind Sie bei der Suche nach einem Nachfolger mit eingebunden?
Ramstetter: Ich habe mit dem SV Wacker weiterhin einen guten Kontakt und bin sehr daran interessiert, dass es gut weiterläuft. Am Ende entscheide aber aber nicht ich, wer meine Arbeit in Zukunft fortführen wird. Ich stehe aber meinem Nachfolger für Fragen jederzeit zur Verfügung.
Was muss Ihr Nachfolger mitbringen?
Ramstetter: Die nötigen fachlichen Qualifikationen gehören natürlich dazu. Ich persönlich hoffe, dass er sich mit dem Konzept identifizieren kann, dieses weiter umsetzt und noch weiter ausbaut. Das würde mich freuen.
Wie bewerten Sie abschließend ihre Arbeit als NLZ-Leiter?
Ramstetter: Aktuell läuft es sehr ordentlich. Die Mannschaften und die Trainerteams sind gut aufgestellt. Neben der U19 spielen auch die U17 und die U15 in der Bayernliga. Das NLZ ist auf einem guten Weg, es wird aber immer eine Menge zu tun geben. In der U19 und der U17 ist der Ergebnisdruck enorm und der Ausbildung nicht immer zuträglich. Dies sollte meiner Meinung nach mit einer neuen Idee zur Ligenstruktur reduziert werden. Überlegungen in diese Richtung gibt es bereits beim DFB.
Sie waren zweieinhalb Jahre Leiter des NLZ. Wie hat Ihnen die Arbeit insgesamt gefallen?
Ramstetter: Es war eine interessante und schöne Aufgabe. Ich habe sehr viel neue Erfahrungen gemacht, gerade auch bei Wolfgang Schellenberg, der ja bei 1860 München jahrelang das NLZ prägte, konnte man sich einiges abschauen. Zudem habe ich Sachen gemacht, die mich einfach interessieren, wie beispielsweise die Organisationsarbeit und Konzepte für die fußballerische Ausbildung zu erarbeiten. Ich habe insgesamt positive Erinnerungen an diese Zeit und habe vom Verein viel Wertschätzung erhalten. Es gab natürlich auch nicht so schöne Erlebnisse. Zum Beispiel, wenn man einem Spieler sagen muss, dass sein Weg bei uns zu Ende ist oder wenn es darum geht, Trainerengagements zu beenden.
Derzeit herrscht bundesweit Sportverbot. Während allerdings beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern oder Thüringen Kinder und Jugendliche wieder trainieren dürfen, bleibt dies im Freistaat verboten. Viele Verbände fordern, diese Maßnahmen aufzuheben. Wie stehen sie persönlich dazu?
Ramstetter: Natürlich wäre es toll, wenn man wieder trainieren darf. Aber die Schulen haben Vorrang und wenn man die Kontakte reduzieren will, muss man sich entscheiden, wo man ansetzt. Ich würde deshalb die Regierung in dieser Frage nicht kritisieren. Wichtig ist, dass die Entscheidung für alle gültig ist. Wir beim SV Wacker versuchen beispielsweise mit Online-Training die Kinder und Jugendlichen zu beschäftigen und Inhalte zu vermitteln, die vielleicht sonst oft zu kurz kommen. Generell ist aber sicher die Problematik vorhanden, dass sich durch das erneute Trainingsverbot vermehrt Jugendliche vom Sport abwenden.
Zum Abschluss: Werden wir Sie in einer anderen Tätigkeit im Fußball bald wiederfinden?
Ramstetter: Ich bin jetzt froh, dass es etwas ruhiger wird. Was sich in Zukunft ergeben wird, muss man abwarten. Auszuschließen ist auf alle Fälle nichts.
Vielen Dank Herr Ramstetter für das Interview

ma

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