Vor dem Regionalliga-Derby: Fünf Fragen, fünf Antworten

Anton Bobenstetter und Klaus Seidel im Kreuzverhör

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Zwei ganze erfahrene Trainerfüchse aus der Region: Buchbachs Anton Bobenstetter (links) und Klaus Seidel von 1860 Rosenheim.

Buchbach - Auf den TSV 1860 Rosenheim wartet das schon das nächste Derby: Nach Burghausen geht es jetzt zum TSV Buchbach. Mit beiden Trainern haben wir uns unterhalten: Über Erwartungen und Ziele, Überraschungen in dieser Saison und über die Schwächen des Gegners.

Das letzte Derby zwischen dem TSV Buchbach und dem TSV 1860 Rosenheim fand am 25. April 2014 statt und endete damals mit einem 1:1 im Rosenheimer Jahnstadion. Am Ende der Saison mussten die Sechziger aus der Regionalliga Bayern absteigen, spielten zwei Jahre in der Bayernliga und kehrten im Sommer in die Eliteliga des Amateur-Fußball zurück.

Für Rosenheims Trainer Klaus Seidel ist das Derby am Samstag der erste Auftritt mit den Sechzigern in der SMR-Arena, Buchbachs Coach Anton Bobenstetter war bekanntlich bei allen Regionalliga-Derbys gegen Rosenheim dabei. Für Rosenheims Keeper Dominik Süßmaier, der beim 1:1 2014 für die Rot-Weißen zwischen den Pfosten stand, ist es eine Rückkehr an die alte Wirkungsstätte. In der Bilanz der bisherigen Vergleiche hat Buchbach mit 9:7 Siegen bei zwei Unentschieden die Nase vorne, aktuell rangieren die Sechziger aber drei Plätze und drei Punkte vor den Gastgebern. Vor dem Derby, das am Freitag um 19 Uhr in der SMR-Arena angepfiffen wird, haben wir die beiden Trainer ins Kreuzverhör genommen.

Was erwartet ihr vor dem ersten Derby seit zweieinhalb Jahren?

Seidel: „Das wird eine hitzige Schlacht werden, bei der sicher über 1000 Zuschauer dabei sind. So ein Spiel soll Spaß machen, auch wenn die Mehrzahl der Fans für Buchbach sind und für eine aufgeputschte Atmosphäre sorgen werden. Wir sind sicher in der Außenseiterrolle. Beide Mannschaften sind reine Amateurteams, aber Buchbach hat mindestens das doppelte Budget für die Regionalligamannschaft zur Verfügung. Trotzdem wird Buchbach das sicher wieder als das Spiel des kleinen Dorfes gegen die große Stadt verkaufen. Wir werden versuchen mit voller Leidenschaft in das Spiel zu gehen und zu punkten. Dann blieben wir zum einen vor Buchbach und könnten etwas für unser Punktekonto tun, zumal wir nächste Woche in Unterhaching wohl kaum Punkte sammeln können.“

Bobenstetter: „Wir erwarten natürlich viele Zuschauer. Ein Inn/Salzach-Derby auf diesem Niveau ist ja immer schön. Wir sind sehr glücklich, dass Rosenheim den Aufstieg geschafft hat und nicht Aschaffenburg drin geblieben ist. Das allein spart uns ja schon viele Strapazen und Reisekosten. Sportlich hoffe ich auf drei Punkte, wobei man in unserer Lage vielleicht auch mit einem Unentschieden zufrieden sein muss. Dann bliebe Rosenheim zumindest in Reichweite.“

Wo liegen die Stärken und Schwächen der eigenen Mannschaft?

Bobenstetter: „Wir haben aufgrund der vielen Ausfälle Probleme im Sturm und Defizite in der Abwehr. Deswegen haben wir ja auch so viele Gegentore bekommen und stehen auch aus diesem Grund so weit hinten. Wir mussten in jeden Spiel aufgrund der Personalsituation in allen Mannschaftsteilen immer jonglieren, das ist nicht gut. Vorteil ist, dass wir von Anfang an gewusst haben, dass wir gegen den Abstieg spielen, deswegen haben wir ja auch Ruhe, so dass die Spieler konzentriert arbeiten können. Wir wussten, dass unsere beiden Spielführer Maxi Hain und Markus Grübl über Monate fehlen würden, darauf konnten wir uns einstellen. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir jetzt schon fünf Jahre in der Regionalliga spielen und immer nur der Kampf um den Klassenerhalt im Vordergrund stand. Das gibt eine gewisse Routine. Mit unserer mannschaftlichen Geschlossenheit ist uns gelungen, immer mal wieder Siege einzufahren, insofern sind wir ja noch in Reichweite der gesicherten Plätze.“

Seidel: „Unsere Stärken sind sicherlich der Teamgeist und das Herzblut. Nachteilig bei uns ist der zu dünn besetzte Kader, da darf praktisch keiner ausfallen. Zudem haben viele Spieler eine zu schwache Ausbildung, trotzdem muss ich sie im Regionalligateam einbauen. Und vielen Spielern fehlt auch die Erfahrung auf diesem Niveau.“

Wo liegen Stärken und Schwächen des Gegners?

Seidel: „Buchbach hat viel Potenzial, wenn die Mannschaft das abrufen kann, dann spielt sie im oberen Drittel mit. Momentan stimmt es bei den Buchbachern auch aufgrund der Ausfälle einfach nicht. Sie haben einen schlechten Lauf, wobei ich nicht hoffe, dass ausgerechnet gegen uns der Knoten bei Buchbach platzt.“

Bobenstetter: „Matthias Heiß und Ludwig Räuber, die aus Ingolstadt gekommen sind, stechen schon heraus. Das sind absolute Führungsspieler, die auch höherklassiger spielen könnten. Es ist ja kein Geheimnis, dass ich mit beiden Spielern auch über drei Monate Kontakt hatte, man muss den Rosenheimern gratulieren, dass sie es geschafft haben, die Beiden zu verpflichten. Es ist sicherlich ein Vorteil, dass Rosenheim einen hauptberuflichen Manager hat, der sich um solche Angelegenheiten noch intensiver kümmern kann. Auch dazu muss man Rosenheim gratulieren, denn ein hauptberuflicher Manager tut in dieser Liga schon gut. Gerade auch dann, wenn man Gespräche mit den vielen Profivereinen in der Liga führen muss. Wenn wir Zeit zum Telefonieren haben, ist bei den Profivereinen längst Feierabend. Über Schwächen des Gegners zu reden, steht mir nicht zu. Rosenheim liegt, wenn man das Torverhältnis mit einrechnet, vier Punkte vor uns, das sagt alles.“

Wo landen die beiden Vereine am Ende der Saison?

Bobenstetter: „Beide landen knapp über dem Strich und halten die Liga.“

Seidel: „Buchbach rutscht noch ins Mittelfeld, wir wollen Platz 14 schaffen, aber dazu muss viel passen.“

Was sind die größten Überraschungen der Liga bislang, sowohl in positiver Hinsicht als auch in negativer?

Seidel: „Unser Mitaufsteiger Garching hat einen brutal guten Lauf erwischt, das ist absolut positiv überraschend. Schweinfurt, Illertissen und Burghausen sind bisher hinter den Erwartungen zurückgeblieben, wobei sich Burghausen sicher wieder rankämpfen wird. Mit dem Sieg bei uns haben die Burghauser ja schon den Anfang gemacht.“

Bobenstetter: „Es ist schon überraschend, das Burghausen als letztjähriger Wintermeister so weit hinten steht. Auch Schweinfurt schöpft sein Potenzial nicht aus. Beim VfR Garching wussten wir um die Qualität des Kaders, dass Daniel Weber und seine Jungs aber so weit vorne stehen, ist wirklich überraschend.“

Die Gespräche führte Michael Buchholz

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