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„Extrem gewalttätiger Polizeieinsatz“

Nach Spielabbruch zwischen Türkgücü und FC Bayern München II: Die Stimmen im Überblick

Auf der linken Seite ein Fußball. Rechts ein Polizeiauto mit Blaulicht.
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Fußball (Symbolbild)

Am vergangenen Sonntag kam es in der Regionalliga Bayern zu einem Eklat. Ein Banner mit kurdischer Flagge führte beim Regionalligaspiel zwischen Türkgücü München und den Bayern-Amateuren zu einem Polizeieinsatz mit Pfefferspray und Schlagstöcken. beinschuss.de hat einige Stimmen zu dieser denkwürdigen Partie zusammengetragen.

München - Am 22. Spieltag gastierte der FC Bayern München II im Heimstettener Sportpark bei Türkgücü München. Über 500 Zuschauer wollten das Derby live vor Ort verfolgen. Für Holger Seitz, den neuen Trainer der kleinen Bayern, sollte es das erste Spiel an der Seitenlinie werden. Doch so hat sich der 48-Jährige sein Debüt sicher nicht vorgestellt.

Kurdisches Banner im Block der Gäste löste Polizeieinsatz aus

Die Partie war keine zwei Minuten alt, als das große Chaos ausbrach. Im Fanblock der Bayern war ein Banner mit der Aufschrift „FC Bayern Fan Club Kurdistan“ zu sehen. Als Ordner dieses entfernen wollten, seien sie von Bayern-Fans mit Schlägen attackiert worden. Daraufhin kam es zu einem Polizeieinsatz mit Pfefferspray und Schlagstöcken.

In einer Stellungnahme von Türkgücü heißt es, dass die Ultras vom FCB II gezielt provozieren wollten. „Dieses Banner wird unseren Erkenntnissen nach ausschließlich bei den Spielen gegen Türkgücü München e.V., wohl in der Hoffnung unsere Fans zu provozieren, ausgerollt.“

Türkgücü informierten die FCB-Verantwortlichen bereits vor der Partie über „ominöses Banner“

Auch in der Hinrundenpartie wurde das Banner bereits gezeigt. „Wir haben bereits vor dem Spiel die Verantwortlichen vom FC Bayern München II darüber informiert, dass wir von dem Hausrecht Gebrauch machen und dieses ominöse Banner nicht genehmigen werden. Leider blieben die Bemühungen aller Beteiligten umsonst, sodass ein Polizeieinsatz zur Entfernung notwenig wurde“, begründeten die Hausherren das Vorgehen der Polizei.

Türkgücü-Trainer Alper Kayabunar meldete sich ebenfalls zu Wort und zeigte keinerlei Verständnis für die Aktion der Bayern-Fans: „Irgendwann ist es zu viel. Politik gehört nicht in den Fußball“, so der 36-Jährige.

Fahne hing laut Bayern-Fans „nicht zum ersten Mal“

Die Fans des FC Bayern sehen dies ganz anders. Die Fangruppierung „Club 12“ bezog auf Facebook ebenfalls Stellung: „Die Fahne ist als Statement von einigen Fans gegen von ihnen als Missstände in der Türkei wahrgenommene Zustände zu verstehen, wie Rassismus gegen Kurden und Kurdinnen, eingeschränkte Meinungsfreiheit und politische Verfolgung.“

Der Vorwurf, dass dieses Banner nur bei Spielen gegen Türkgücü zu sehen sei, wurde zurückgewiesen. „Kurz vor Spielbeginn hingen die Bayernfans ihre Zaunfahnen auf, darunter befand sich eine Fahne mit der Aufschrift „FC Bayern Fanclub Kurdistan“ (die nicht zum ersten Mal bei einem Spiel der Bayern Amateure hing)“, teilte Club 12 mit.

„Unverhältnismäßiger und extrem gewalttätiger Polizeieinsatz“

Des Weiteren kritisierten sie in ihrem Beitrag das harte Vorgehen der Polizei: „Es kam zu einem unverhältnismäßigen und extrem gewalttätigen Polizeieinsatz, obwohl eine Weiterführung des Spiels zu diesem Zeitpunkt bereits überhaupt nicht mehr in Aussicht stand und es keinerlei Provokation seitens der Bayernfans gab.“

Dabei sei die Bereitschaftspolizei von zwei Seiten in den Fanblock eingedrungen, um die Fahne zu entfernen. „Pfefferspray wurde wahllos mitten in den Block gesprüht und anschließend wurde auf alle in den unteren Reihen stehenden Fans eingeprügelt. Auch auf bereits wehrlos am Boden liegende Personen wurde weiterhin eingeschlagen“, schilderte die Gruppierung die Szenen weiter.

19 Verletzte - darunter ein Kind?

Gewalt ist immer das letzte Mittel, das von polizeilicher Seite eingesetzt wird. Uns ist jede Durchsetzung einer Maßnahme ohne unmittelbaren Zwang das Liebste“, sagte ein Polizeisprecher laut infranken.de und verteidigte den Einsatz. „Die Kollegen wurden attackiert und körperlich angegangen.“

Das Polizeipräsidium München spricht von 19 Verletzten, darunter soll auch ein Kind gewesen sein. „Ein elfjähriger Junge musste mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gefahren werden. Dazu mussten noch weitere Fans vor Ort oder im Nachgang sogar ebenfalls im Krankenhaus medizinisch versorgt werden“, so Club 12.

FC Bayern arbeitet eng mit dem BFV zusammen

Die Ultras weisen jegliche Schuld von sich: „Die entsprechende Fahne war weder beleidigend noch beinhaltete sie strafrechtlich relevante Symbolik. Das Problem der Eskalation war ausschließlich die maßlose und unverhältnismäßige Polizeigewalt, sowie ein fragwürdiges Verständnis von Demokratie und Meinungsfreiheit bei den Verantwortlichen beider Vereine.“

Der FC Bayern selbst teilte nur relativ knapp mit, dass man es außerordentlich bedaure, dass beim Auswärtsspiel der Amateure bei Türkgücü München Menschen verletzt wurden und man bei der Aufklärung der Vorfälle eng mit dem Bayerischen Fußballverband zusammenarbeite.

„Gewalt hat auf unseren Plätzen nichts zu suchen“

Es bleibt abzuwarten, wie der BFV das abgebrochene Spiel nun wertet. Aber auch der Verband zeigt eine klare Kante. BFV-Geschäftsführer Jürgen Igelspacher verurteilt gegenüber fupa.de das Geschehen aufs Schärfste: „Dass es zum Spielabbruch gekommen ist, kann beileibe nicht im Sinne des Fußballs sein – jede Form von Gewalt hat auf unseren Plätzen nichts zu suchen!“

gz

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