Testspiel TSV 1860 Rosenheim - FC Töging 6:1

1860 Rosenheim souverän gegen Töging

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Rosenheims Verteidiger Matthias Heiß (rot) zeigte sich erneut treffsicher: Mit seinem dritten Tor im fünften Testspiel eröffnete der 1860-Kapitän den Torreigen. Hier wird er abgeschirmt von Samed Bahar (l.) und Vitaly Blinov (r.).
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Prien - Auf neutralem Boden in Form des Priener Kunstrasens trafen am Donnerstagabend der TSV 1860 Rosenheim und der FC Töging in einem Testspiel aufeinander. Die Zuschauer bekamen ein munteres Spiel und jede Menge Tore zu sehen, auch wenn die fast ausschließlich auf einer Seite fielen. Die Rosenheimer konnten dabei nach mehreren Pleiten in vorherigen Tests größtenteils überzeugen und Selbstvertrauen tanken - die Töginger taten sich ganz zu Beginn ihrer Vorbereitung noch äußerst schwer.

Für die Sechziger stand nach einem Sieg zum Vorbereitungsauftakt gegen den SB Chiemgau Traunstein, einer erwartbaren Niederlage bei der SpVgg Unterhaching und einer überraschenden beim FC Deisenhofen, ein weiterer Test gegen ein Team der Landesliga Südost an. Am Dienstag hatten die Rosenheimer in Brannenburg gegen den österreichischen Regionalligisten SV Wörgl eine 1:0-Führung durch Sascha Marinkovic noch aus der Hand gegeben und durch drei Gegentreffer in acht Minuten 1:3 verloren. Für den FC Töging war es erst der zweite Auftritt unter freiem Himmel - beim ersten war man den Ligakollegen vom SB DJK Rosenheim mit 2:3 unterlegen.

Blitzstart Rosenheim: Räuber auf Heiß, Kopfball, Tor

Gleich zu Beginn zeigte sich ein auf Seiten des TSV 1860 Rosenheim mittlerweile bewährtes Muster: Nach einem Freistoß von der linken Seite, den Spezialist Ludwig Räuber über die ganze Töginger Abwehr hinweg zog, war am langen Eck - einmal wieder - der aufgerückte Matthias Heiß zur Stelle. Der 1860-Kapitän schraubte sich hoch, setzte sich in gewohnter Manier gegen alle Verteidiger durch - und köpfte zum frühen 1:0 ein (7.). Es war bereits sein dritter Kopfballtreffer im fünften Testspiel.

Knappe zehn Minuten später konnten die Sechziger ihre Führung ausbauen: Fehler von Tögings neuem Keeper, dem vom TSV Buchbach gekommenen Sandro Volz, der weit aus seinem Tor geeilt war, um außerhalb des Strafraums einen langen Ball der Rosenheimer mit dem Kopf zu klären. Die Bogenlampe, die er dabei produzierte, landete direkt vor den Füßen von Josip Tomic - und dessen feiner Heber fand den Weg in die Maschen (16.).

Sechziger Pressing erdrückt den FCT

Die Töginger hatten nur wenig entgegenzusetzen und konnten sich kaum einmal befreien. Zu groß war der Druck, den die Sechziger aufbauten. Ihr aggressives und konsequent im Mannschaftsverbund vorgetragenes Pressing zeigte Wirkung und stellte die Akteure des FCT vor enorme Probleme.

Sowohl im Kollektiv als auch individuell sah man dann den Klassenunterschied doch deutlich. Dem Landesligisten fehlte es sowohl an der Handlungsschnelligkeit als auch an der Präzision, die notwendig gewesen wären, um die vom Regionalligisten geschaffenen Drucksituationen zu lösen. Wenn die Tögingern ihrerseits versuchten, den Ball hinter die Rosenheimer Abwehr zu schlagen, nachzurücken und selbst Druck auszuüben, wurde die Situation von der Defensive der Sechziger entweder frühzeitig bereinigt oder sie konnte sich meist mühelos herausspielen.

Versuchten sich die Mannen vom Wasserschloss einmal spielerisch, war das aufgrund der Aggressivität der Rosenheimer fast immer ein hoffnungsloses Unterfangen. Es hatte ein wenig etwas von Hase und Igel: Man sah, was die Töginger vor hatten - aber bevor sie es ausführen konnten, waren schon zwei oder drei Sechziger da und eroberten den Ball. Von daher fand auf Seiten des FCT auch kein wirkliches Offensivspiel statt - zu mehr als ein bis zwei Torabschlüssen pro Halbzeit kamen sie nicht.

Klare Angelegenheit in allen Belangen

Auf der Gegenseite ließen die Angreifer der Sechziger reihenweise weitere Möglichkeiten ungenutzt, das Ergebnis in die Höhe schnellen zu lassen - ehe Danijel Majdancevic kurz vor der Halbzeit das 3:0 erzielte: Philipp Maier hatte in den Lauf von Sascha Marinkovic gespielt, der konnte den Ball nicht an Volz vorbeispitzeln, auch Maiers Nachschuss wurde geblockt - aber im dritten Versuch war Majdancevic zur Stelle und machte abgeklärt das Tor (44.).

Klare Sache also zur Pause auf dem nur schwach beleuchteten Priener Kunstrasen. Und so sollte es auch nach dieser und vielen Wechseln - fünf beim FCT, drei bei 1860 - weitergehen. An diesem Abend waren die Rosenheimer engagiert, wurden ihrer Favoritenrolle als Regionalligist gerecht und der Einbahnstraßen-Fußball fand seine Fortsetzung.

Doppelschlag nach Wiederbeginn

Das Match war kaum wieder angepfiffen, da spielten die Sechziger einen tollen überfallartigen Angriff in höchstem Tempo über den linken Flügel: Maier setzte den eingewechselten Maximilian Mayerl mustergültig in Szene, der brach mit seiner ganzen Dynamik durch, brachte das Leder flach in die Mitte - wo Marinkovic cool den Fuß hinhielt und den Ball zum 4:0 ins Netz lenkte (48.). Direkt im Anschluss der Doppelschlag zum 5:0. Ballverlust Töging vor dem eigenen Sechzehner, Maier eroberte das Spielgerät, drang von halbrechts in den Strafraum ein und vollendete selbst (50.).

Den Ehrentreffer für den FCT erzielte kurz darauf Markus Leipholz per Elfmeter: Die Schützlinge von Trainer Andreas Bichlmaier hatten sich doch einmal lösen und offensiv durchsetzen können und suchten den Weg in die Box, wo Thomas Hamberger von Rosenheims Räuber zu Fall gebracht wurde. Den fälligen Strafstoß verwandelte Leipholz rechts unten - auch wenn Mario Stockenreiter, der das Gehäuse der Sechziger hüten durfte, dran war und den Ball fast gehabt hätte (58.).

Der Schlusspunkt blieb allerdings dem Favoriten vorbehalten. Auf eine von unzähligen Balleroberungen im Mittelfeld folgte schnelles Umschaltspiel und eine vier gegen drei Situation. Valentin Hauswirth spielte nach rechts heraus auf Korbinian Linner (beide waren eine Minute zuvor eingewechselt worden). Linner wollte ihm den Ball sofort per Doppelpass zurücklegen, verpasste Hauswirth jedoch. Das schlampige Zuspiel erreichte aber Linor Shabani, der schnell reagierte, noch einen Haken schlug - und aus zentraler Position von der Strafraumgrenze den 6:1 Endstand erzielte (68.).

1860 zeigt sich verbessert - Töging kann noch kein Maßstab sein

Die Sechziger fuhren also im fünften Test den zweiten Sieg ein. Offensiv sah das ganz ansehnlich aus, auch wenn noch nicht jede Situation perfekt ausgespielt wurde, manchmal noch die entscheidende Verlagerung fehlte und somit nicht jede sich bietende Gelegenheit genutzt werden konnte. Das Pressing jedenfalls wurde mit der nötigen mannschaftlichen Geschlossenheit vorgetragen - und zeigte sich effektiv. Es wurde weiterhin auf ein 3-5-2 gesetzt, was in diesem Spiel schon besser aussah.

Allerdings muss man ehrlicherweise erwähnen, dass die Töginger - sowohl aufgrund des unterschiedlichen Standes der Vorbereitung als auch des Klassenunterschiedes - nicht in der Lage waren, diesbezüglich ein echter Prüfstein zu sein. Nichts desto trotz - und auch wenn konkrete Testspielergebnisse oft nur von relativer Bedeutung sind - den Rothemden dürfte es gut getan haben, nach drei Niederlagen in Folge auch einmal klar und souverän zu gewinnen. Für den FC Töging dürfte es seinerseits verschmerzbar sein, so kurz nach Vorbereitungsstart gegen einen Regionalligisten etwas höher verloren zu haben.

Strobl sieht Fortschritte im Offensivspiel

Genauso sahen es auch beide Trainer nach Schlusspfiff: "Das hat mir heute schon besser gefallen. Weil ein Schritt nach vorne erkennbar war. Auch wenn es noch kein riesiger war - und beileibe nicht alles perfekt. Soweit sind wir noch lange nicht. Aber es wird. Vom Spiel mit Dreierkette bin ich nach wie vor grundsätzlich überzeugt. Im eigenen Ballbesitz wird uns das nicht nur heute mehr Druck ausüben lassen und uns über unsere starken Offensivspieler noch mehr Chancen bescheren. Die Laufwege passen schon besser. Es muss nur noch öfter die richtige Entscheidung getroffen werden, in welchem Moment der Ball wohin gespielt werden muss.", so Tobias Strobl.

"Auch defensiv sieht man, dass die Jungs langsam mehr verstehen, wie sie das spielen müssen. Beim Pressing ist es einfach wichtig, dass alle miteinander arbeiten und alle Rädchen ineinander greifen. Sonst kann sich der Gegner befreien und wir sind hinten offen. Und auch hinten in letzter Linie machen wir Fortschritte, übergeben die Gegenspieler koordinierter, sind besser abgestimmt. Das sind eben alles diese Abläufe, die sich einspielen müssen. Das sah heute vielfach schon ganz ok aus - auch wenn uns natürlich der Gegner gerade in diesem Punkt nicht wirklich heraus fordern konnte.", bewertete der neue 1860-Coach auch die Leistung gegen den Ball.

Bichlmaier: "Spieler haben Defizite am eigenen Leib erfahren."

Sein Kollege konnte auch mit der hohen Niederlage letzten Endes leben: "Klar, hätten wir hier gerne ein besseres Ergebnis erzielt. Aber dazu war zum einen unser Gegner zu stark - und haben wir zum anderen zu viele individuelle Fehler gemacht. Das ein oder andere Tor haben wir ihnen so praktisch aufgelegt.", haderte Bichlmaier nur kurz.

Der Übungsleiter des FC Töging ging schnell dazu über, den positiven Aspekt des Abends zu erläutern: "Wir haben keinen Kunstrasen, konnten bisher kaum draußen trainieren und haben uns dann natürlich auch für diese Phase ein echtes Brett als Gegner ausgesucht. Wir hatten zwar einen Spielplan, haben es unter Gegnerdruck aber nicht geschafft, diesen umzusetzen. Hinter ihre Abwehr sind wir eigentlich gar nicht gekommen - und wenn, dann haben sie das einfach clever gelöst. Wenn man etwas aus dieser Klatsche mitnehmen kann, dann mit Sicherheit, dass uns alle Defizite schonungslos aufgezeigt wurden - und die Jungs jetzt ganz genau wissen, woran wir bis zum Start der Frühjahrsrunde noch arbeiten müssen."

Töging gegen Kirchanschöring - Sechziger nach Mallorca

Für den FCT geht es am Samstag auf dem Kunstrasen in St. Wolfgang weiter, wo um 15:00 Uhr gegen den Bayernligisten SV Kirchanschöring getestet wird. Die Sechziger hingegen fliegen am Sonntag von München aus in ein von den Spielern zu weiten Teilen mitfinanziertes Trainingslager nach Mallorca. Dort wartet bei angenehmeren Temperaturen neben weiteren schweißtreibenden Trainingseinheiten, taktischem Feinschliff und Teambuilding auch ein Testspiel gegen den sich ebenfalls vor Ort in Form bringenden Siebten der österreichischen Regionalliga Ost SC Mannsdorf.

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