Re-Amateurisierung beim SV Wacker

Schluss mit Profi-Fußball in Burghausen!

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Stimmungsvolle Derbybilder wie dieses aus der vergangenen Saison wird es vielleicht in Zukunft nicht mehr zu sehen geben - die Wege von Wacker Burghausen und Jahn Regensburg scheinen in verschiedene Richtungen zu führen.

Burghausen - Ende des Profisports beim Fußball-Regionalligisten SV Wacker Burghausen! In einer Pressekonferenz an diesem Freitag verkündete die Führungsspitze von Verein, Abteilung und GmbH (WBFG) mit Ende dieser Spielzeit den Fußball in Burghausen „weitestgehend zu amateurisieren“, wie es Dr. Thomas Frey, stellvertretender Vorsitzender des SVW formulierte.

Schon nach dem Drittliga-Abstieg vor zweieinhalb Jahren sollte eigentlich auf ein duales Modell mit Arbeit oder Schule und Fußball gesetzt werden - mit der Rückkehr von Trainer Uwe Wolf wurde das Projekt aber schnell ad acta gelegt. Jetzt zwingen den Verein vor allem wirtschaftliche Gründe, sich vom Profi-Fußball zu verabschieden. „Wir wollen nicht ausschließen, dass wir weiterhin den einen oder anderen Spieler haben werden, der vom Fußball lebt - aber wir werden unser Budget deutlich reduzieren!“, so Frey, der aber betonte: „Das ist kein Neuanfang. Und das ist auch keineswegs das Ende des Fußballs in Burghausen.“

Mangelnde sportliche Perspektive - Rückzug von Sponsoren

In den vergangenen beiden Spielzeiten in der Regionalliga hat der SV Wacker jeweils ein leichtes Defizit erwirtschaftet. „Wir haben in jedem Jahr Schwierigkeiten die Situation in der GmbH finanziell ordentlich darzustellen. Das ist mit dem Verein als Hauptgesellschafter auf Dauer nicht machbar. Und mittelfristig ist Profifußball in der Region erst mal nicht möglich!“, erklärte Frey, der einräumte: „Wir können uns auf unsere Hauptsponsoren Wacker Chemie und die Stadt Burghausen hundertprozentig verlassen - aber wir haben in Gesprächen mit anderen Sponsoren einige Rückschläge erlitten. Wir haben welche verloren, andere wollen ihr Engagement reduzieren.“

Neben dem Geld fehlt auch die sportliche Perspektive für den amtierenden Vizemeister. In dieser Saison ist Unterhaching nicht mehr von der Spitze zu verdrängen und in den nächsten Jahren rechnen die Burghauser damit, dass einige U21-Mannschaften der Bundesligisten mit aller Macht in die 3. Liga drängen werden. Konnte im zweiten Jahr nach dem Abstieg in die Regionalliga der Zuschauerschnitt von 1.400 auf 1.550 gehoben werden, so kamen in den bisherigen Heimspielen dieser Saison durchschnittlich nur 1.200 Zuschauer. „Wir wissen nicht genau, ob das von den Leistungen der Mannschaft abhängig ist - fest steht aber dass dadurch weitere Einnahmen fehlen!“, so Abteilungsleiter Sepp Berger.

Tragen Trainer und Spieler das Konzept mit?

Der Zeitpunkt der Entscheidung wurde bewusst auf die Winterpause gelegt, zumal in den letzten Tagen noch wichtige Gespräche zum steuerlichen Jahresabschluss der WBFG geführt werden mussten. Zudem haben Verein, Trainer und Spieler jetzt ein halbes Jahr Vorlauf, um sich auf die neue Situation einzustellen. Trainer Wolf war gestern aufgrund einer Hospitation in Wien nicht erreichbar, soll aber den Prozess zumindest bis Juni mit gestalten.

Die Meinung der Wackerfans ist klar!

„Unabhängig von unserer Entscheidung haben in den letzten Wochen schon zwei unserer Spieler nachgefragt, ob es nicht möglich sei, weiter bei uns zu spielen, aber gleichzeitig eine Ausbildung zu machen“, berichtete Frey und erklärte, dass mit allen Spieler in den nächsten Tagen gesprochen werde, ob sie so ein Modell mittragen würden: „Wir sind sozusagen ab jetzt auf der Suche nach Spielern, die sich mit diesem Konzept identifizieren können. Spieler, die jetzt da sind und Spieler, die zu uns kommen wollen.“

Hoffnung auf Nachwuchs-Leistungszentrum und Hochschul-Campus

Eine große Rolle soll künftig das eigene Nachwuchs-Leistungszentrum (NLZ) spielen, das deutlich mehr Spieler für die eigene Regionalliga-Mannschaft liefern soll als bisher. „Da passt die Kooperation mit dem FC Bayern sehr gut dazu, weil es die Attraktivität hebt“, so Berger.

Auch der Campus Burghausen, ein noch neuer Standort der Hochschule Rosenheim, an der bislang die Studiengänge BWL und Chemie angeboten werden, soll helfen talentierte Fußballer nach Burghausen zu lotsen. Der Campus soll in naher Zukunft weitere Studiengänge anbieten und rund 700 Studenten Platz bieten.

Von dem neuen Konzept erhoffen sich die Macher des Burghauser Fußballs durchaus den einen oder anderen Vorteil. „Wir hoffen darauf, dass Betriebe, in denen unsere Fußballer lernen oder arbeiten, sich künftig wieder stärker mit dem Fußball in Burghausen identifizieren“, kann sich stellvertretender Abteilungsleiter Thomas Weber vorstellen.

Andermatt verlässt Burghausen

Unabhängig von der gestrigen Entscheidung hat Nico Andermatt, der im Sommer vom TSV 1860 München II an die Salzach gewechselt ist, am Donnerstag um Auflösung seines Vertrages gebeten. Der Schweizer, der als Wunschspieler von Wolf verpflichtet worden ist, hatte in der ersten Saisonhälfte Schwierigkeiten Fuß zu fassen, wohin der Mittelfeldspieler wechseln wird, ist noch nicht bekannt.

Insgesamt wartet auf die Führungskräfte der Burghauser Fußballer in den nächsten Monate mal wieder einer arbeitsreiche Zeit, zumal auch noch WBFG-Geschäftsführer Werner Jedlitschka im April in die passive Phase seiner Altersteilzeit eintritt. Bis die Suche nach einem Nachfolger erfolgreich abgeschlossen ist, müssen auch einige Aufgaben umverteilt werden.

Was macht Cheftrainer Uwe Wolf?

Ob Wolf ab Sommer als Trainer weiterhin zur Verfügung steht, bleibt abzuwarten. Bislang hatte der Fußball-Lehrer seine Engagement immer an entsprechende Rahmenbedingungen geknüpft. Hier könnte sich also eine weiter Baustelle auftun, trotzdem spricht Frey angesichts der Vorlaufzeit von einem „soft landing“ - im Gegensatz zur Beinahe-Bruchlandung nach dem Drittliga-Abstieg.

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Michael Buchholz

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