SV Wacker entlässt Cheftrainer am Spieltag!

Wolf-Aus bei Wacker! Die Hintergründe.

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Wacker-Coach Uwe Wolf in Rage! Szenen, die es so emotional zukünftig an der Seitenlinie der Burghauser nicht mehr zu sehen geben wird. Der Verein hat ihn am ersten Spieltag der Frühjahrsrunde noch vor dem Spiel beurlaubt.

Burghausen - Was für ein Paukenschlag wenige Stunden vor Beginn der Frühjahrsrunde in der Fußball-Regionalliga Bayern: Der SV Wacker Burghausen hat am Freitagmorgen Trainer Uwe Wolf (49) mit sofortiger Wirkung freigestellt. Beim Punktspielauftakt in Schweinfurt wird die Mannschaft von den bisherigen Co-Trainern Stanley König (44) und Ronald Schmidt (39) gecoacht.

Dr. Thomas Frey, im Vereinsvorstand zuständig für die Belange der Fußball-GmbH, erklärte in einer kurzen Pressemitteilung des Vereins: „In den Gesprächen der letzten Wochen, die wir mit Herrn Wolf und seinem Berater geführt haben, kamen wir zu keiner Einigung. Die Vorstellungen, wie der Fußball in Burghausen nach der aktuellen Spielzeit weitergeführt werden soll, gingen zu weit auseinander. Damit waren wir gezwungen, zu diesem sicher ungewöhnlichen Zeitpunkt Herrn Wolf freizustellen.“ Ein Zeitpunkt der - angesichts von Fakten, die sich in den letzten Wochen kaum verändert haben dürften - mehr als nur eine Frage aufwirft.

Kurzzeitig bestand Unklarheit ob die Spieler in Schweinfurt antreten

Zu den konkreten Umständen, die zu seiner Freistelllung geführt haben, wollte sich Wolf bislang nicht äußeren: „Ich gehe mit der Entscheidung ebenso professionell um wie ich mit der Entscheidung der Reamateurisierung umgegangen bin.“ Aus dem Wacker-Umfeld war jedoch zu vernehmen, dass der Trainer die Spieler dahingehend beeinflussen wollte, nicht in Schweinfurt anzutreten.

„Die Spieler waren vielleicht emotional berührt, aber das war für uns gar keine Diskussion“, so Frey und Burghausens Bürgermeister Hans Steindl bezeichnete einen möglichen Boykott als „direkt lächerlich“ und verwies auf gültige Arbeitspapiere der Spieler: „Das ist jetzt eine Zäsur, der Verein hat die Reißleine gezogen. Die Spieler haben alle Verträge, die erfüllt werden müssen. Wenn Spieler ihren Vertrag nicht erfüllen wollen, muss er aufgelöst werden.“ Nach einer kurzen Diskussion war das Thema dann auch vom Tisch und der Mannschaftsbus konnte planmäßig mit allen Kaderspielern um 12 Uhr Richtung Schweinfurt abfahren.

Verein wollte Wolf von modifiziertem Vertrag überzeugen

Was hat die Wacker-Verantwortlichen aber konkret dazu bewogen, jetzt die Deadline zu ziehen? Der Verein, der mit finanziellen Engpässen kämpft und sich deswegen am Ende der Saison vom Profitum verabschiedet, hat dem Trainer einen modifizierten Vertrag angeboten, den Wolf aber nicht unterschreiben wollte. Mit Ablauf des Ultimatums für die Unterschrift, folgte dann die Freistellung. „Ich habe mir in Punkto Engagement, Fleiß, Geradlinigkeit und Ehrlichkeit nichts vorzuwerfen“, ist sich der Fußball-Lehrer keiner Schuld bewusst: „Ich bedanke mich bei der Mannschaft, meinen Trainern und dem Funktionsteam und ausdrücklich bei den Fans, die mich immer bombastisch unterstützt haben. Es war eine geile Zeit in Burghausen.“

Das sehen die Verantwortlichen in Burghausen freilich mit anderen Augen, denn der Trainer war schon längere Zeit nicht mehr unumstritten. „Irgendwann muss mal Schluss sein. Die One-Man-Show wäre jetzt wieder so weiter gegangen“, so Steindl, der erst vor wenigen Wochen ein Gespräch mit dem Coach geführt hat, um ihn auf Kurs zu bringen: „Wenn man dabei bleiben möchte, muss man sich auch anpassen können, der Trainer hat sich jedoch scheinbar als völlig autark gesehen und ist stur seinen Weg gegangen. Aber wie in jeder Firma bestimmen nicht die Angestellten den Kurs, sondern die Verantwortlichen. Wenn Herr Wolf der Chef sein will, muss er eine Ich-AG gründen.“

Verein wirft Wolf zahlreiche Alleingänge vor

Vom Sparkurs, den der Verein zu Konsolidierung der Finanzen fahren muss, wollte der Trainer augenscheinlich nichts wissen. Aus Sicht des Vereins standen etwa die Kosten für das Testspiel in Hoffenheim in keinem Verhältnis zum Nutzen. Zudem hat Wolf beim Testspiel am Faschingsdienstag auf eigene Verantwortung einen spanischen Spieler ohne Gastspielrecht eingesetzt.

Als besonders kontraproduktiv hat der Verein aber Gespräche von Wolf gewertet, in denen er Spielern die Zukunft im Profibereich, also nicht in Burghausen, empfohlen haben soll. Bis zum Saisonende bekommt Wolf weiterhin seine Bezüge, wie es dann weitergeht, ist juristisch noch unklar - besitzt der Trainer doch eine Option auf Vertragsverlängerung, sollte die Mannschaft besser als Platz sechs abschneiden. Sollte das eintreten, könnte der Fall vor dem Arbeitsgericht enden.

König und Schmidt als Interimslösung - wer übernimmt dauerhaft?

Ob A-Lizenzhaber König und Ex-Wacker-Profi Schmidt zusammen mit Torwarttrainer Toni Zeidler die Mannschaft die gesamte Restrunde betreuen oder gar über die Saison in die Verantwortung gehen, ist derzeit noch nicht klar. Aber bereits vor der Trennung von Wolf kursierten längst Namen möglicher Nachfolger. Auf dem Kandidaten-Karussell sollen neben Schmidt unter anderem der ehemalige Wacker-Spieler Stefan Reisinger und Kirchanschörings Coach Patrick Mölzl sitzen. Der gebürtige Landshuter Reisinger war zuletzt bei der SpVgg Unterhaching für die U19 verantwortlich, Mölzl hat in Kirchanschöring noch nicht für die neue Saison verlängert und Schmidt ist ohnehin ein Wacker-Urgestein.

Unsere eigentlich geplante Saisonvorschau vor der Begegnung in Schweinfurt mit allen weiteren wichtigen Infos zum SV Wacker findet ihr HIER!

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Michael Buchholz

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