Vorschau: SV Wacker Burghausen - TSV 1860 Rosenheim

Derbytime! Wacker empfängt Rosenheim!

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Das Südost-Duell in der Regionalliga steht an: Gelingt den Sechzigern, die befreit aufspielen können, die Revanche fürs Hinspiel? Hier duellieren sich Rosenheims Philipp Maier(l.) und Burghausens Juvhel Tsoumou(r.).
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Burghausen/Rosenheim - Letztes Heimspiel vor dem Pokalfinale am 25. Mai für den SV Wacker Burghausen in der Regionalliga Bayern: Der Tabellenachte erwartet am Samstag um 14:00 Uhr den bärenstarken Aufsteiger TSV 1860 Rosenheim, der sich mit dem klaren 3:0 am vergangenen Wochenende gegen Seligenporten bereits vorzeitig den Klassenerhalt gesichert hat, zum Regionalduell im Südosten. Wie reagiert der SV Wacker auf die Blamage von Ingolstadt - und die auf ihn einprasselnden Vorwürfe? Und was machen die sensationellen Sechziger?

Mit 45 Punkten rangieren die Rosenheimer von Trainer Tobias Strobl nur zwei Zähler hinter den Gastgebern, die vier Tage nach der 0:6 Pleite in Ingolstadt auf Wiedergutmachung aus sind. „Wir wollen das Spiel gewinnen und die Fans mit einem Sieg auf das Pokalendspiel gegen Schweinfurt einstimmen!“, sagt Burghausens Coach Patrick Mölzl.

Wacker um Wiedergutmachung bemüht

Der von seiner Mannschaft ein couragiertes Auftreten erwartet - und einigen jungen Spieler, die am Dienstag dabei waren, eine Bewährungschance gibt: „Es wäre ja jetzt das komplett falsche Zeichen, wenn ich die jungen Spieler nicht berücksichtigen würde. Nur wenn sie spielen können sie lernen und sich verbessern. Und nur weil es jetzt einmal richtig schief gegangen ist, werde ich den Kurs nicht wechseln!“

„So ein Ergebnis hätte ich nie erwartet - auch wenn bei meiner Mannschaft die Spannung gerade ein wenig raus ist.“, zeigte sich Mölzl von der Wucht der Ingolstädter Angriffe und der eigenen Ohnmacht überrascht - und schob hinterher: „Damit kann ich nicht einverstanden sein!“.

Angegriffener Mölzl sucht keine Ausreden

Dass nach einer 0:6 Klatsche unangenehme Fragen auftauchen, war Mölzl klar. „So geht’s nicht! Da brauchen wir gar nicht um den heißen Brei herumreden.“, erklärte der Coach am Tag nach der Pleite beim FC Ingolstadt II, der sich mit dem Kantersieg wohl ebenfalls den vorzeitigen Klassenerhalt gesichert hat.

Service:

„Es gibt keine Ausreden. Die ganze Körpersprache war zum Weglaufen.“, so Mözl. Eine plausible Erklärung für die höchste Saisonniederlage des SV Wacker hatte der Trainer allerdings nicht parat. Keinesfalls wollte er das schlechte Abschneiden an den vier Jungspunden festmachen, die er in die Starformation berufen hatte: „Das lasse ich nicht gelten. Der Rest der Mannschaft hat ja auch nicht funktioniert. Darüber werden wir uns noch unterhalten. Unser Auftreten war so nicht akzeptabel. Das geht gar nicht!“

"Ich wollte die Jungs nicht vorführen!"

Die Erkenntnis, dass man mit vier U19-Akteuren gegen eine mit Bundesliga-Profis verstärkte Mannschaft, die um den Klassenerhalt kämpft, nicht bestehen konnte, hat für Mölzl nur wenig Wert: „Ich wollte die Jungs ja nicht vorführen - und habe sie dann vom Platz geholt, um sie zu schützen! Mir war klar, dass sie bei dem Spielverlauf kein Bein mehr auf den Boden kriegen würden. Das war kein Hallo-Wach-Machen, sondern da ist es um Schadensbegrenzung gegangen.“

Dass er sich mit seinen Experimenten und drei Wechseln bis zur 27. Minute, den eigenen Plan gehörig kaputt gemacht hat, ärgert den Trainer selbst am meisten: „Nach drei Wochen Pause wollte ich ja Philipp Knochner und Benjamin Kindsvater spätestens nach 60 Minuten runternehmen. So aber mussten sie durchspielen. Das ist extrem ärgerlich!“

Experimente bringen Schonung für Pokalfinale durcheinander

Eigentlich wollte der Coach das Duo ja mit Blick auf den 25. Mai schonend aufbauen, wegen des Pokalendspiels hatte der Trainer auch Christoph Burkhard und Christoph Rech beim vierten Spiel innerhalb von elf Tagen eine Pause verordnet. Ob es mit den etablierten Kräften besser gelaufen wäre?

„So ein Ergebnis wünscht sich keiner. Das war so nicht zu erwarten - zumal wir ja auch in den letzten Spielen aufgrund von Verletzungen oft nur mit einer Notelf gespielt und trotzdem gepunktet haben", sagt Wackers Abteilungsleiter Josef Berger, der zu Bedenken gibt: „Ob wir das Spiel in Bestbesetzung gewonnen hätten, ist zumindest fraglich. Ingolstadt hat ja die sechs Spiele zuvor nicht verloren - und hat auch gegen Nürnberg schon mit 6:0 gewonnen. Das muss man doch auch einmal sehen!".

Spekulationen halten an - Wackerfans weiter sauer!

Ein schwacher Trost. Der weder als Erklärung dienen, noch Entkräftung der Vorwürfe in Richtung Wettbewerbsverzerrung dienen kann. Berger kündigt an, nicht vom eingeschlagenen Weg abzuweichen: "Wir halten an unseren beiden Zielen fest: Wir wollen zum einen die jungen Spieler testen, die nächste Saison bei uns sind oder um Verträge spielen. Und wir wollen zum anderen die Mannschaft so hinbekommen, dass sie das Pokalspiel gegen Schweinfurt gewinnt.“

Die Wackerfans sind weiterhin auf der Palme: Nach der eklatanten Niederlage in Ingolstadt waren die Emotionen hochgekocht. Nicht nur in den Sozialen Netzwerken, wo es jeder lesen kann, war die Rede von einem "miesen Spiel", welches diejenigen spielen würden, "die ständig vorgeben, im Interesse des Vereins zu handeln", die eingesetzten A-Junioren sah man als "Watschnbuam, die es ausbaden dürfen" - und auch der neue Trainer Mölzl kam in diesem Zusammenhang als "Erfüllungsgehilfe der Vereinsführung" nicht gut weg.

Auch Kommentare in den Medien wie dieser sind vernichtend. Ob ein eventueller Pokalsieg die Gemüter beruhigen kann? Und die Fans so schnell zu beschwichtigen sind? Fraglich. Vorher aber müssen die Weiß-Schwarzen erst einmal ein Südost-Derby gegen TSV 1860 Rosenheim spielen.

Mölzl will rotieren so gut es geht

Sicher nicht dabei ist gegen den starken Aufsteiger aus Rosenheim Wacker-Dauerbrenner Daniel Hofstetter. Der Innenverteidiger ist angeschlagen und hat dem Trainer signalisiert, dass ein Einsatz nicht möglich ist. „Daniel bekommt seine Pause“, so Mölz, der wohl auch Muhamed Subasic schonen wird: „Beide haben alle vier Spiele in den letzten elf Tagen bestritten. Wir haben wieder Alternativen und deswegen werde wohl beide draußen lassen.“

Für Hofstetter wird entweder Ajlan Arifovic oder Philipp Offenthaler in der Innenverteidigung auflaufen, anstelle von Subasic könnte Moritz Moser in die Starformation rücken. Ob der lange verletzte Philipp Knochner von Beginn an spielen wird oder als Joker kommt, wird der Trainer kurzfristig entscheiden: „Philipp war nach den 90 Minuten in Ingolstadt körperlich ziemlich am Ende. Weder er noch Benjamin Kindsvater werden gegen Rosenheim über die gesamte Distanz gehen.“

Juvhel Tsoumou, der zuletzt aus privaten Gründen zwei Mal gefehlt hat, kehrt wieder in den Kader zurück und dürfte wie Kapitän Christoph Burkhard und Christoph Rech von Beginn an spielen. Christoph Schulz (Bänderriss), Kevin Hingerl (Schulter-OP) und Maxi Pichler (Meniskus-OP) fehlen dagegen weiterhin.

Im Derby warten bärenstarke Rosenheimer

Dass die Rosenheimer beileibe keine Laufkundschaft sind, zeigt sich allein beim Blick auf die Rückrundentabelle, in der das Strobl-Team mit 27 Punkten einen beeindruckend guten Platz Vier einnimmt. Burghausen ist mit 24 Zählern aus den letzten fünfzehn Spielen Sechster. Es ist ganz offenkundig, dass sich der Aufsteiger seit der Winterpause nochmals stabilisiert und verbessert hat.

Rein tabellarisch geht es im vorletzten Saisonspiel nur noch um die berühmte „Goldene Ananas“ - zumindest wenn es um einen möglichen Auf- und Abstieg geht. 1860 Rosenheim ist nach dem klaren 3:0 Sieg vom letzten Spieltag gegen Seligenporten alle Sorgen was den Ligaverbleib betrifft los. Doch es bleibt ein Derby - da geht es immer ums Prestige. Die Sechziger wollen den große Nachbarn ärgern - der SV Wacker hat die derzeitigen Diskussionen an der Backe. Für Spannung ist also in jedem Fall gesorgt.

Und vielleicht können die Rosenheimer das bisher Erreichte ja noch ausbauen. Ein einstelliger Tabellenplatz nach 34 Spieltagen ist nicht ganz unrealistisch - und wäre ein sensationeller und nicht für möglich gehaltener Erfolg!

Besonderes Match für Torjäger Marinkovic

Ein besonderes Spiel wird die Partie natürlich für den Rosenheimer Stürmer Sascha Marinkovic, der aktuell mit vierzehn Treffern auf Platz Acht der Torjägerliste steht und ab der kommenden Saison den Angriff von Wacker Burghausen verstärken wird. Dieser Umstand wird „Prince“, wie er von seinen Mannschaftskameraden gerne genannt wird, zusätzlich bis in die Haarspitzen motiviert auflaufen lassen. Sein kongenialer Sturmpartner Danijel Majdancevic muss eine Gelb-Sperre absitzen und fehlt daher in der Wacker-Arena. Mit dem lange verletzten Johannes Zottl und Korbinian Linner stehen aber gute Ersatzleute parat.

Fraglich ist bei den Gästen der Einsatz von Abwehrriese Georg Lenz. Ansonsten steht dem Trainer-Duo Strobl und Robert Mayer derselbe Kader wie zuletzt zur Verfügung. Es wird auf alle Fälle für Verantwortliche und Fans des Vereins ein Auftritt der Rothemden werden, den man mal ganz ohne Druck auf des Gegners Platz genießen kann.

"Wir wollen weiter punkten! Auch in Burghausen!"

Auch die Sechziger haben bereits angekündigt, dass in den letzten beiden Begegnungen in Burghausen und gegen Buchbach der eine oder andere Spieler zum Einsatz kommen wird, der nicht immer zur Stammformation gehört hat. „Die Jungs haben es sich auf alle Fälle verdient, da sie zu jederzeit bereit gestanden sind und auch in jeder Trainingseinheit Vollgas gegeben haben“, erklärt Rosenheims Co-Trainer Robert Mayer - dem die Burghauser Klatsche in Ingolstadt aber eine Warnung ist: „Wenn wir nur etwas von der Spannung verlieren, kann es uns ähnlich ergehen. Wir wollen aber weiter punkten! Auch in Burghausen!“

„Der Sieg gegen Seligenporten war für uns eine riesige Befreiung - nun können wir sicher für die nächste Regionalliga-Saison planen. Auch wenn der ganz große Druck vorerst mal vorüber ist, haben wir immer noch den Anspruch die bisher sensationelle Rückrunde möglichst erfolgreich zu Ende zu spielen. Wir freuen uns sehr auf gleich zwei Derbys - und sind happy, dass sie für uns nur noch was das Prestige angeht von Brisanz sind!", so Mayer.

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Michael Buchholz / Pressemitteilung TSV 1860 Rosenheim / cs

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