Memmingen gelingt Auswärtscoup

Vieles ist im altehrwürdigen Grünwalder Stadion in München modernisiert worden, die legendäre Anzeigetafel blieb auf Sechziger-Wunsch stehen. Beim Regionalliga-Spiel des FC Memmingen beim amtierenden Meister TSV 1860 München II musste der Ordner nur einmal den Spielstand auf der Kultwand verändern, als Branko Nikolic in der 20 Minute sicher einen Strafstoß zur Gästeführung verwandelte. Nach dem 0:1 sollte sich nämlich in Sachen Tore an diesem Frühlingstag nichts mehr tun.

Mit diesem Überraschungssieg hat der Fußballclub den Ausrutscher von Heimstetten (1:2) vor einer Woche postwendend wieder wettgemacht. Memmingen stand über 90 Minute sehr kompakt, ließ nur wenige Chancen des Gegners zu und verdammte die Kreativ-Abteilung der „Junglöwen“ fast bis zur Ideenlosigkeit. Auch wenn in der zweiten Hälfte im eigenen Spielaufbau nur noch wenig nach vorne ging, sprach Trainer Thomas Reinhardt von einem „nicht unverdienten Erfolg“, den sich seine Truppe durchaus hart erarbeitet hat. Die Aussagen von 1860-Coach Thorsten Fröling „Wir haben komplett versagt“ oder „Wir konnten körperlich nicht dagegen halten“ durften die Memminger durchaus als Lob für sich deuten. Schließlich spielt man eben auch nur so gut, wie es der Gegner zulässt.

Das erste Ausrufezeichen setzten die Allgäuer nach 12 Minuten, als 1860-Torhüter Vitus Eicher (einer von drei Anleihen aus dem Profi-Kader) eine Makoru-Flanke erst im Nachfassen unter Kontrolle hatte. Steffen Friedrich war einschussbereit dagestanden. Nach einer Viertelstunde hatte Andreas Neumeyer die beste Möglichkeit für die Sechziger, traf aber nur das Außennetz. Als sich Christoph Rech im Strafraum ungeschickt anstellte und Matthias Jocham fiel, zögerte Schiedsrichter Stefan Bloch keine Sekunde und zeigte auf den Elfmeterpunkt. Nikolic – von Reinhardt aus dem Mittelfeld in die Abwehrkette zurückbeordert – bewährte sich als Strafstoß-Schütze, verlud Eicher und ließ die gut hundert mitgereisten FCM-Anhänger erstmals jubeln. Der zweite Jubel folgte nach dem Abpfiff, als die kleine Sensation an der traditionsreichen Spielstätte unter Dach und Fach war. Abwehrchef Matthias Bader, der vorher noch geäußert hatte, selbst noch nie im Grünwalder Stadion gewonnen zu haben, gab sich zur Feier des Tages als „Zaunsänger“ und stimmte mit den Fans das „Humba, täterä“ an.

Da hätte Fröhling längst schon internen Gesprächsbedarf und nahm seine Talente ins Gebet: „Jeder, der hier auf dem Platz stand, hat den Anspruch Profi zu werden“. Gezeigt haben es die „Junglöwen“ an diesem Tag nicht. Dass die beiden A-Junioren Mike Ott und Julian Weigl nicht aufliefen, kam den Memmingern dabei sicher nicht ungelegen. Ott (hat schon einen Vertrag beim 1. FC Nürnberg) soll in der Junioren-Bundesliga noch für einen Meistertitel bei 1860 sorgen und Weigl spielt nur noch für die Zweitliga-Truppe.

Beim FCM zeigte die Kurve deutlich nach oben, auch wenn sich die personelle bis auf Jannik Keller noch nicht allzu entspannt hat. Nun geht es am kommenden Freitag im ersten Heimspiel nach vier Monaten (!) gegen den SV Schalding-Heining, der trotz eines am Ende hohen 2:5 den Tabellenzweiten FV Illertissen offenbar am Rand einer Niederlage hatte.

ass/FC Memmingen

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