TSV 1860 Rosenheim - VfR Garching 2:2

Direkt verwandelte Ecke, Rot, Remis

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Einer der Männer des Spiels: Rosenheims Goalgetter erzielte beim Remis gegen den VfR Garching erst das tolle 2:0 - und flog zu Beginn der zweiten Halbzeit vom Platz.
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Rosenheim - Im ersten Spiel nach der Winterpause begrüßten die Sechziger vom TSV 1860 Rosenheim den VfR Garching zum Viertliga-Duell. Für einen Frühlingsauftakt präsentierten die Rothemden sich zunächst ordentlich und gingen gegen schwache Gäste verdient durch zwei tolle Tore in Führung. Dann jedoch ließen die Rosenheimer nach - und mussten sich nach einer folgenschweren Schiedsrichterentscheidung im zweiten Durchgang zu zehnt aufs Verteidigen beschränken. Am Ende einer unterhaltsamen Partie stand schließlich ein unter dem Strich gerechtes Unentschieden.

Erstes Match der Roten nach der Winterpause. Und Einstand für jede Menge Neue bei den von Verletzungen und Unfällen arg geplagten Sechzigern. Torhüter Rainer Hausner (Eltersdorf), Linksverteidiger Michael Zant (Ingolstadt II) und Ex-Bayernspieler Riccardo Basta auf der Sechs gaben ihr Regionalliga-Debüt im Dress der Rosenheimer. Darüber hinaus ein eher ungewohntes Bild im Amgriff: Johannes „Joey“ Zottl durfte von Beginn an ran.

Wie es meistens so ist, nach längeren Unterbrechungen in denen man nur testet – es ging langsam los. Bei beiden Teams. Die Rosenheimer versuchten sich wieder im Punktspielbetrieb zu akklimatisieren - für die Garchinger war es allerdings bereits das dritte Pflichtspiel nach dem Winter. In der Anfangsphase tat sich bis auf das übliche zaghafte Abtasten nicht allzu viel.

Räuber verwandelt Eckball direkt

Dann kam die zwölfte Spielminute – und eine Ecke von links für die Rosenheimer. Wie immer nahm sich Standardspezialist Ludwig „Wiggerl“ Räuber der Aufgabe an und zwirbelte die Kugel herein. Wohl etwas zu raffiniert für VfR-Keeper Marek Große, der kräftigt patzte und daneben griff. Was für ein Fauxpas: Der Ball nahm eine tödliche Flugbahn, klatschte ungebremst an den rechten Pfosten – und von dort hinter die Linie. Die frühe 1:0 Führung der Sechziger.

Das zeigte Wirkung. Die jetzt zu allem Überfluss auch noch im Rückstand liegenden Gäste boten wenig an, zeigten kaum gelungene Aktionen. Nach vorne ging bei ihnen gar nichts, zu sehr wurden sie von den Rosenheimer beschäftigt, die das Momentum nutzen wollten und nachsetzten. Das gelang ihnen auch formidabel. In der Folge Zeit erspielten sie sich gegen angeschlagene Garchinger ein Übergewicht und kamen auch zu Chancen.

Service:

In der 16. Minute knallte Rosenheims Danijel Majdancevic aus etwa 20 Metern halblinker Position auf das Gehäuse der Gäste. Sein tückischer Aufsetzer auf das linke Eck wurde brandgefährlich. Torhüter Große kam gerade noch hin – und lenkte den Ball zu einem weiteren Eckstoß.

Majdancevic trifft sehenswert zum 2:0 für 1860

Fünf Minuten später ließen die indisponierten Garchinger dem Goalgetter der Rosenheimer ein weiteres Mal viel zu viel Platz. Majdancevic wurde mit derart viel Freiraum ausgestattet im Sechzehner gesucht und gefunden. Halblinks in der Box nahm er das Leder erst wunderbar an, um es dann aus einer Bewegung heraus an Große vorbei in die Maschen zu jagen (21.). Ein tolles Tor – und das verdiente 2:0 für die Heimelf.

1860 Rosenheim - VfR Garching

Bis dahin war es eine klare Angelegenheit für die Sechziger hier im Jahnstadion. Durch ein wenig Fortune in Front gegangen, machten sie viel daraus – und waren den Garchingern in allen Belangen überlegen. Ein ansprechender erster Aufgalopp. Das nach dem langen Winter und mit derart vielen Umstellungen in der Startelf noch nicht jedes Rädchen ins andere greift, versteht sich von selbst. Der VfR hingegen präsentierte sich bis hierhin ganz schwach. Viel zu wenig Einsatzwillen, kaum Laufbereitschaft, geringe Präsenz in den Zweikämpfen – so war hier nichts zu holen.

Rosenheim hat Garching im Griff - aber lässt nach

In der Folge jedoch verloren die Rosenheimer leider etwas den Faden. Beim Versuch den Gegner zu kontrollieren und den beruhigenden Vorsprung erst einmal zu verwalten, agierten sie ein wenig zu nachlässig, ließen die Garchinger aus der Zange. Die wussten damit zunächst nicht allzu viel anzufangen – kamen jedoch zu einigen Standardsituationen.

Was dabei auffällig war: Die Sechziger ließen den Gästen zwei- dreimal zu viel Platz im rechten Sechzehner. Das wirkte gefährlich – und rächte sich schließlich noch vor der Pause. Die Rothemden wurden dafür bestraft, dass sie nachgelassen hatten und sich die ein oder andere defensive Unaufmerksamkeit eingeschlichen hatte.

Einmal zuviel frei: VfR trifft nach Eckstoß zum Anschluss

Nach einem Eckstoß von links war Garchings Captain Dennis Niebauer auf Höhe des langen Pfostens sträflich frei und nahm das Leder aus etwa acht Metern direkt. Sein strammer Schuss konnte von den Rosenheimern erst noch auf der Linie geklärt werden – das Leder prallte allerdings genau zu Niebauer zurück. Der brachte es erneut Richtung Kasten – und sein Teamkollege Semi Belkahia war da, spritzte am kurzen Fünfereck in den Ball und markierte per Kopf den Anschlusstreffer (37.).

Somit ging es nach einer ersten Hälfte, in der die Rosenheimer viele Vorteile auf ihrer Seite gehabt hatten, nur mit einem 2:1 Vorsprung in die Halbzeitpause. Für einen Start nach dem Winter war das vollkommen ok, aber die Gäste eben wieder da – und das Spiel völlig offen.

Verdiente Heimführung zur Pause - Rot für Majdancevic

Nach dem Seitenwechsel kehrten die Sechziger verändert aufs Feld zurück: Für Neuzugang Zant kam Michael Denz, Stürmer Zottl wurde durch Korbinian Linner ersetzt. Größere Veränderungen im Spiel der Hausherren brachte dies nicht mit sich – doch dies lag an anderen Faktoren. Die zweite Hälfte war nicht die der Rosenheimer – und besonders günstig liefen die Dinge für sie auch nicht.

Denn nach weniger als fünf gespielten Minuten in Durchgang Zwei waren sie nur noch zu zehnt. Nach einem harten Foul an Rosenheims Maximilian Mayerl auf Höhe der Mittellinie und einer anschließenden unübersichtlichen Rudelbildung sah Danijel Majdancevic wegen angeblicher Tätlichkeit den roten Karton (49.). Wie das Schiedsrichterteam in dieser Situation etwas erkannt haben will, bleibt wohl sein Geheimnis. Die Rosenheimer beschwerten sich jedenfalls vehement über einen Platzverweis auf Verdacht.

Schlüsselszene prägt Durchgang Zwei

Es sollte die Schlüsselszene dieser Partie sein: Die Garchinger nutzten die Gunst der Stunde dazu, ihre verpatzte erste Halbzeit wett zu machen. Sie intensivierten nun in numerischer Überzahl ihre Offensivbemühungen und drängten mit Macht auf den Ausgleich. Sofort kamen sie zu Chancen – und schon wenige Minuten später hätte es beinahe im Kasten der Gastgeber geklingelt: Nach einer weiten Flanke aus dem linken Halbfeld kam Niebauer am langen Fünfereck unbedrängt zum Kopfball – und setzte ihn krachend an den rechten Pfosten! Eine hundertprozentige Gelegenheit.

Diese Szene und ihr Kontext waren sinnbildlich für das Geschehen in der zweiten Halbzeit. Für die Garchinger führte der eingeschlagene Weg nur nach vorne – die Rosenheimer wehrten sich mit Händen und Füßen und hielten mit allem was sie hatten und großem Kampfgeist dagegen. Zu einer wirklichen Torgelegenheit kamen sie nicht mehr.

Rosenheimer müht sich zu zehnt - und kassiert den Ausgleich

Bis zur 74. Minute gelang es ihnen – in einem Spiel dessen Charakter sich vollkommen verändert hatte – ihre Führung zu verteidigen. Dann verwandelten die Garchinger eine ihrer Torchancen in Zählbares: Nach einer weiteren weiten Flanke von links bekamen die Hausherren im Sechzehner den Ball nicht geklärt. Die Kugel landete bei VfR-Angreifer Mario Staudigl, der sie aus zehn Metern volley nahm – und unhaltbar zum 2:2 ins Tor drosch.

Nach mehr als neunzig letztlich hart umkämpften Minuten und Einbahnstraßenfußball nach der pause sollte es schließlich dabei bleiben. Was auch daran lag, dass Rosenheims Neuzugang zwischen Pfosten den Seinen das Remis rettete: Wieder kam die Garchinger Flanke von links in den Strafraum, dort war Manuel Eisgruber allein vor Torhüter Hausner – und der bereinigte die Situation im Entgegenstürzen in Klasse-Manier (87.). Eine starke Szene des Keepers – zum Glück für die Sechziger.

Zu mehr kommt Garching nicht - Hausner rettet 1860 den Punkt

Kurz darauf war Schluss im Jahnstadion. Die Zuschauer hatten einen unterhaltsamen Frühlingsauftakt zu sehen bekommen. Ein Spiel, welches spielerisch sicher noch alles andere als perfekt war – aber in Sachen Dramaturgie und umstrittene beziehungsweise besondere Momente vieles von dem zu bieten hatte, was den Fußball ausmacht. Die Sechziger blieben sich also im besten Sinne in dem treu, dass es bei ihnen nie langweilig zugeht.

Die Garchinger beendeten ihre englische Woche mit drei Auswärtsspielen mit einem Punktgewinn in Rosenheim. Am Ende können beide Mannschaften mit der Teilung der Zähler zufrieden sein: Die Garchinger, weil sie überhaupt noch einmal in ein Spiel zurückkamen, in dem die Sechziger sie eigentlich bereits total in der Tasche hatten. Und die Rosenheimer, weil sie erst den Gegner noch einmal aus dem Sack herausließen – und dann, bedingt durch die Schiedsrichterentscheidung zu Beginn der zweiten Hälfte, von Glück sagen konnten, mit nur einem weiteren Gegentreffer davon gekommen zu sein.

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