Nur vier Spiele, aber ein Jahr ungeschlagen

„Sind auf dem richtigen Weg“ - Bilanz von Wacker-Coach Haas nahezu optimal

Kann mit seiner bisherigen Bilanz als Wacker-Trainer mehr als zufrieden: Leo Haas.
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Kann mit seiner bisherigen Bilanz als Wacker-Trainer mehr als zufrieden: Leo Haas.

Burghausen - Drei Siege und ein Unentschieden stehen für den SV Wacker Burghausen im Jahr 2020 in der Regionalliga Bayern zur Buche. Trainer Leo Haas zieht ein kleines Fazit seiner fast einjährigen Amtszeit und hofft, dass im Frühjahr Fans wieder zugelassen sind.

Wenn im Frühjahr die Fußball-Regionalliga Bayern hoffentlich wieder starten kann, ist Burghausens Trainer Leo Haas in Punktspielen über ein Jahr ungeschlagen. „Das hört sich natürlich gut an, aber anders wäre es mit lieber gewesen“, schmunzelt der Coach, der mit „anders“ einen Normalbetrieb meint und nicht nur die vier Meisterschaftsspiele, die Wacker Burghausen im Jahr 2020 austragen konnte.

SV Wacker hat vorzeitigen Klassenerhalt vor Augen

Dennoch kann sich die Meisterschafts-Bilanz des 38-Jährigen, der im Winter vom TSV Wasserburg gekommen ist, bei drei Siegen und einer Niederlage mehr als sehen lassen: „Als ich angefangen habe, war die Ausgangslage ja echt schwierig, aber wir haben die Tabellensituation super verbessert.“

Bei 23 Punkten aus 21 Spielen drohte der Absturz in die Gefahrenzone, nach zehn Spielen ohne Sieg betrug der Vorsprung auf den ersten Relegationsplatz gerade mal drei mickrige Pünktchen. Mittlerweile haben die Wacker-Kicker zehn Punkte mehr auf dem Konto, stehen satte zwölf Punkte über dem Strich und haben den vorzeitigen Klassenerhalt vor Augen.

Wacker-Coach Haas: „Das war schon ein brutaler Ausnahmezustand“

Mit dem 2:1 beim aktuellen Tabellenführer Aschaffenburg landete Haas am 7. März dieses Jahres zu seinem Punktspieleinstand gleich einen echten Überraschungscoup, zumal die Viktoria die heimstärkste Mannschaft der Liga stellt. „Das war natürlich ein perfekter Start, die Mannschaft war super gut drauf, deswegen hätten wir natürlich gerne weitergespielt, aber dann kam der erste Break“, so Haas.

Und mit dem ersten Lockdown nicht nur eine lange und ungewisse Zeit des Wartens, sondern auch der große Kaderumbruch und eine Neuausrichtung. Haas: „Eine ganz schwierige Phase, weil man ja nie genau wusste, wann es wieder los geht. Keiner konnte richtig planen, niemand konnte einem sagen, zu welchem Zeitpunkt die Mannschaft fit für den Wettkampf sein musste. Das war schon ein brutaler Ausnahmezustand, den es so nie zuvor gegeben hat. In all den Jahren zuvor gab es immer einen Terminplan, nach dem man sich richten konnte.“

Haas: „Wir haben den Umbruch gut gemeistert“

Trotz der Unsicherheit und den Verschiebungen war die neue Wacker-Mannschaft beim Re-Start gleich in guter Frühform und sicherte sich mit Siegen über Buchbach und Schalding bei einer Niederlage in Rosenheim Platz eins nach der Vorrunde im Ligapokal. „Wir haben den Umbruch gut gemeistert und haben ehr gute Neuverpflichtungen an Land gezogen“, so Haas, dessen Team sich Richtung Punktspielstart kontinuierlich steigern konnte: „Mit dem Unentschieden gegen Buchbach konnte ich ganz gut leben, wichtig war dann der klare Sieg gegen Garching. Bei den Garchingern stehen trotz aller Schwierigkeiten, die der Verein hat, immer noch viele gute Jungs mit Erfahrung auf dem Platz. Der abschließende Sieg in Augsburg war auch noch mal enorm wichtig. Der Erfolg gegen die nominell beste Augsburger Mannschaft des Jahres war total verdient und hat mir gezeigt, dass wir komplett auf dem richtigen Weg sind. Schade, dass wir danach nicht weiterspielen durften. Es hat ja auch immer richtig Spaß gemacht, mit den Jungs zu arbeiten.“

Haas hofft im Frühjahr wieder auf Fans

Von der „akribischen Arbeit des Trainerteams“ ist auch Geschäftsführer Andreas Huber begeistert: „Leo hat es in Wasserburg schon bewiesen, dass er junge Talente einbauen kann und hat es auch bei uns wieder unter Beweis gestellt. Wir haben jetzt einen sehr jungen Kader, der sich in den nächsten Jahren entwickeln kann. Es muss künftig unser Weg sein, dass wir wieder mehr Talente aus unserem NLZ in die Mannschaft bekommen.“

Wann Burghausen mit der Vorbereitung auf die Frühjahresrunde beginnt, steht aktuell noch nicht genau fest. „Klar ist, dass wir jetzt die nächsten zwei Monate nicht jeden Tag Lauftraining machen können, aber zwei Monate nichts tun geht ja auch nicht. Außerdem haben die Jungs ja auch Lust darauf, etwas zu tun“, weiß Haas, der den Spielern nicht nur Laufpläne mitgegeben hat, sondern auch Online-Training abhalten wird. „Ich hoffe schon, dass es im Frühjahr dann hoffentlich wieder einigermaßen normal weitergeht, dass jedes Wochenende ein Spiel ist und dass dann auch wieder Zuschauer zugelassen sind. Ich habe selbst vor 69.000, aber auch nur vor 100 Zuschauern gespielt. Ohne Zuschauer fehlt ein wichtiger Teil der Emotionen, die den Fußball ausmachen.“

Haas hofft, das die auslaufenden Verträge bald verlängert werden

Überhaupt unterstreicht der 38-Jährige die Bedeutung des Sports für die Gesellschaft: „Das ist zum einen für die Gesundheit super wichtig, aber auch gesellschaftlich. Es gibt genug Leute, die nur für den Sport leben.“ Auch Haas selbst ist leidenschaftlicher Sportler und hält sich mit Workouts und Golfspielen fit. Zudem ist er auch der „Trainingspartner“ seiner beiden Söhne, von denen einer Fußball und der andere Basketball spielt: „Im Garten steht das Fußball-Tor und im Hof hängt der Basketball-Korb an der Wand. Ich bin schon sehr froh, dass meine Kinder raus können und nicht in der Großstadt aufwachsen, wo man aktuell kaum Sport machen kann.“     

Dass es im Winter noch einmal eine größere Fluktuation im Kader geben wird, glaubt der Trainer nicht: „Wir schauen bei den Jungs, deren Verträge im Juni auslaufen, dass wir da baldmöglichst verlängern können. Die anderen Spieler haben ja ohnehin Verträge über die Saison hinaus.“ Haas rechnet für die Saison 2021/22, dass das Gehaltsniveau der Spieler noch in etwa auf dem derzeitigen Stand bleiben wird und dass sich erst in der darauffolgenden Spielzeit das Niveau wieder an Vor-Corona-Zeiten anpassen könnte: „Ich denke, dass sich das wieder relativieren wird, wenn es wieder mehr Planungssicherheit gibt. Die Fans erwarten ja auch von ihren Vereinen – egal in welcher Klasse – immer den bestmöglichen Kader.“

Zukunftsmusik, jetzt ist nicht nur für die Spieler Winterpause, sondern auch für die Fans des Amateursports. Haas: „Gott sei Dank gibt es ja wenigstens im Fernsehen noch Fußball. Da schaue ich praktisch alles. Weil es mich persönlich interessiert, aber auch weil man als Trainer immer wieder neue Erkenntnisse gewinnen kann.“

MB

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